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Grandioser Außenseiter: Werner Schroeter wird 65

Berlin . Werner Schroeter gehört wie Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Werner Herzog oder Wim Wenders unbestritten zu den großen Regisseuren des Neuen Deutschen Films. Dennoch sind die Werke des zuletzt bei der Berlinale geehrten Regisseurs nur selten bei uns zu sehen. Mit ihrer hochstilisierten Kunstsprache, der kompromisslosen Ästhetik und dem Hang zum Melodram entziehen sie sich dem schnellen Zugriff. Am Mittwoch (7. April) wird Schroeter 65 Jahre alt.    Der Filmemacher ist schwer krebskrank. Nach einem neuerlichen Krankenhausaufenthalt verbringt er den Geburtstag in einer Reha- Klinik. "Das gehört zum Leben dazu", sagt er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa ruhig und umstandslos. "Wenn man kränkelt, muss man sich ab und zu behandeln lassen. Aber jetzt ist schon alles wieder viel besser."    Als der Autorenfilmer kürzlich bei der Berlinale die vorerst letzte der vielen Auszeichnungen für sein Lebenswerk erhielt, fühlte sich mancher Zuhörer schon an einen Nachruf erinnert. Von der Krankheit schwer gezeichnet, den notorischen schwarzen Hut über einem viel zu schmalen Gesicht, nahm Schroeter den schwul-lesbischen Teddy Award sichtlich gerührt aus der Hand seiner ersten großen Liebe Rosa von Praunheim entgegen.    Praunheim hatte dem damals 22-jährigen lebensmüden Freund geraten, seine Energie in Kreativität umzusetzen. Das tut er seither wie ein Besessener ohne Zugeständnis an Zeitgeist und Erwartungen. Mehr als 80 oft umstrittene Theaterinszenierungen und drei Dutzend Filme sind so entstanden.    Zu den wichtigsten Leinwandwerken gehören das Gastarbeiterdrama "Palermo oder Wolfsburg" (Goldener Bär 1980), die Ingeborg-Bachmann- Verfilmung "Malina" mit Isabelle Huppert (1991), das Filmessay "Marianne Hoppe - Die Königin" (2000) und der bei uns nicht gezeigte Film "Deux" über zwei bei der Geburt getrennte Zwillingsschwestern. Zuletzt zeigte Schroeter das ebenso düstere wie verstörende Endzeitdrama "Diese Nacht", das bei den Filmfestspielen 2009 in Venedig Premiere feierte und ihm ebenfalls einen Lebenspreis eintrug.    Beigebracht hat sich der radikale Außenseiter das Handwerk selbst. 1945 als Sohn eines Ingenieurs in Thüringen geboren, beschränkte er seine Ausbildung auf drei Wochen Psychologie-Studium in Mannheim und drei Monate Filmhochschule in München - dann legte er einfach mit der 8-mm-Kamera los. Bis heute widersetzt er sich Video, Tricks und elektronischem Bildschnitt.    "Die Kunst umgibt immer ein Rätsel. Sie ist Anregung und im besten Sinne Provokation", sagt er. "Und die Dechiffrierung ist dem Zuschauer überlassen. Der Film, das Theater, findet in seinem Kopf statt. Und je mehr er gefordert wird, umso mehr hat er Freude daran."    In seinen opulenten Werken immer wieder inspiriert von der Musik der geliebten Callas ("Eine Botin zwischen Gott und den Menschen"), werden bald auch die Theatermacher auf den Autorenfilmer aufmerksam. Am Schauspielhaus Hamburg entsteht 1972 "Emilia Galotti", in Bochum ein Jahr später "Salome". Unzählige Projekte im In- und Ausland folgen. Vor wenigen Wochen feierte an der Berliner Volksbühne Bernard-Marie Koltès "Quai West" Premiere.    Wirklich sesshaft ist der gewandte Kosmopolit durch seine Neugier auf Neues nie geworden. Heute hat er einen Wohnsitz in Portugal. Wenn er in Berlin ist, lebt er mit seiner Lebensgefährtin Monika Keppler zusammen. "Wir sind kein Liebespaar, wir sind Lebensgefährten", sagt er - und das seit 25 Jahren. Seine Homosexualität habe er gleichwohl immer mit einer "gewissen Selbstverständlichkeit" leben können.    Ebenso offen redet Schroeter auch über seine Krankheit, wenngleich er sie nicht groß zum Thema machen will. "Ich finde es wichtiger zu zeigen: Auch wenn man krank ist, kann man arbeiten, wenn man diese Arbeit als das nimmt, was sie ist: nämlich Freude am Dasein." Und in diesem Sinne ist auch ein neues Filmprojekt geplant. "Es gibt schon Strukturen", sagt er. "Aber wenn man zu früh darüber spricht, macht man's kaputt."

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