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05.04.2010 18:56 Uhr

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Begeisterung für schnelle Vierbeiner

Hoppegarten . Maria Ludwigs aus Zehlendorf wollte sichergehen. "Bleibt Overdose wirklich hier, oder wird er nach ein paar Tagen wieder zurück nach Budapest gebracht", erkundigte sich die Berlinerin zu Ostersonntag an einem eigens für das ungarische Wunderpferd eingerichteten Stand auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Die Dame konnte beruhigt werden. Minuten später führten Trainer Sandor Ribarszki und Betreuerin Barbara Budinszki den fünfjährigen Hengst dem Publikum vor und versicherten wie Besitzer Zoltan Mikoczy: Overdose bleibt. Europas Sprinterkönig wird in Hoppegarten trainiert. Hier soll der bei zwölf Starts ungeschlagene Star nach dem Auskurieren seiner Hufverletzung auch den ersten Start absolvieren. Möglicherweise im Juni.

Allein die Vorstellung von Overdose hatte zum Saisonstart in Hoppegarten eine ungeahnte Schar von Galoppsportfreunden auf die Bahn gelockt. Als der Hengst eine Stunde vor dem ersten Rennen im Führring präsentiert wurde, säumten bereits mehr als tausend fachkundige Zuschauer die Bahn. Während ansonsten das erste Rennen des Tages vor einer sehr überschaubaren Besucherzahl über die Bühne ging, zeigte der englische Vollblüter in den ungarischen Landesfarben magnetische Wirkung. "Es ist toll, dass so ein großartiges Pferd jetzt hier trainiert wird. Das sollte Sogwirkung ausüben und bald noch viel mehr Pferde zum Training auf diese herrliche Anlage bringen", sagte Matthias Platzeck. Brandenburgs Ministerpräsident gab zu, in den vergangenen 20 Jahren kein Rennen in Hoppegarten gesehen zu haben. "Ich war früher oft hier. Für Westgeld, jetzt sogar europäische Währung, habe ich aber zuvor nie gewettet", gestand er. "Nun habe ich es versucht, und gleich gewonnen. Das macht Mut zu mehr", deutete er an, nun möglicherweise öfter den Weg nach Hoppegarten zu suchen.

Vielleicht wird Platzeck dazu auch von einer seiner drei Töchter überredet. "Sie ist selbst eine begeisterte Reiterin", sagte der Ministerpräsident, "deshalb habe ich auch einen Teil der Familie mitgebracht." Die klatschte den Runden von Overdose ebenso Beifall, wie die anderen Zuschauer, die ihre Fotoapparate nahezu ohne Pause klicken ließen. Wohl noch nie hat ein Pferd in Hoppegarten so viel Applaus bekommen, ohne hier an den Start gegangen zu sein. Die eigens vorbereiteten Shirts (18,50 Euro), Bücher (13,00) und CD´s (30,00) des Hengstes erschienen dem Publikum aber meistens zu teuer, und auch Maria Ludwigs aus Zehlendorf nahm trotz ihrer Begeisterung vom Kauf Abstand.

Wie immer lockte der Saisonauftakt ein breites Publikum nach Hoppegarten. Unter den mehr als 10 000 Zuschauern war der ungarische Botschafter Sandor Peisch, der wohl mehr wegen der Vorstellung von Overdose gekommen war. Schauspielerin Katja Riemann und die schon oft auf der Bahn gewesene Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, die mit ihren Eltern gekommen war, werden wohl demnächst wieder am Toto anzutreffen sein.

Trotz der wegen des langen und strengen Winters kleinen Starterfelder hatte der Renntag auch sportlich einiges zu bieten. Im interessantesten Wettbewerb traten über 2000 Meter die beiden besten Vollblüter der jüngsten Hoppegartener Vergangenheit gegeneinander an. Der von Uwe Stech trainierte White Lightning entschied hierbei den Prestigekampf gegen Derbystarter Ordenstreuer aus dem Quartier von Roland Dzubasz sicher für sich.

"Ich habe den Hengst mit Absicht erst nachgenannt, um nicht noch mehr Starter abzuhalten", gestand Stech. Dann hatte er aber seine helle Freude am Gruppesieger von Baden-Baden 2006. Mit einem Gala-Ritt vor dem kleinen Feld ließ Eduardo Pedroza nichts anbrennen. "Wir hatten nichts zu verlieren. Eddi sollte den Hengst von der Spitze weg reiten und sehen, was zu machen ist", nannte Stech die Order. Zu machen war für die Konkurrenz nichts. Der Achtjährige gewann das interne Duell der hier trainierten Schimmel hoch überlegen und hätte wohl bei härterer Konkurrenz noch zulegen können. "Er hat die Konkurrenz mit dem Ritt eines Champions von der Spitze weg eingeschläfert", anerkannte Kommentator Hartmut Faust.

Im höchstdotierten Rennen spielte mit Andrasch Starke ein weiterer Klasse-Jockey seine Erfahrung aus. Den sechsjährigen Wallach Tumult steuerte er souverän durch das mit elf Konkurrenten größte Feld des Tages und sicherte Besitzerin und Trainerin Kerstin Biskupski in dem Ausgleich III über 1800 Meter die Siegprämie von 3500 Euro. "Tumult fühlt sich immer wohl auf dieser Bahn. Er hatte ja schon im vergangenen Jahr hier gewonnen. Deshalb war ich guten Mutes. Andrasch Starke hat den Wallach auch super geritten", anerkannte die Trainerin für ihr auch auf Sand schon erfolgreiches Pferd, das sich in der Vorsaison auch über die Hindernisse probiert hatte.

Der Reiter selbst zeigte sich vom ersten Renntag beeindruckt. "Ich bin vor einer Woche noch in Dubai geritten, aber gern hierher nach Hoppegarten gekommen. Die Atmosphäre auf dieser großzügigen Bahn ist immer toll, und ich freue mich, dass es jetzt weiter aufwärts geht", sagte der fünfmalige Champion Andrasch Starke.

Das wird Balsam sein für die Ohren von Gerhard Schöningh. "Das Wetter hätte noch ein klein bisschen wärmer sein können", krittelte der Rennbahnbesitzer zuerst. Ansonsten war der Rheinländer aber mit dem Saisonstart restlos zufrieden. "Mit so vielen Zuschauern hätte ich nicht gerechnet. Das macht mir Mut. Wir sind auf dem richtigen Weg." Das beweist auch der Totoerlös, der im Vergleich zum Saisonstart 2009 um sagenhafte 36 Prozent pro Rennen gestiegen ist.

Die Anerkennung der Bahn zeigt auch die Entscheidung von Dietmar Kage aus dem Vorstand des Rennvereins. Er hatte seinen 70. Geburtstag am Sonntag in Hoppegarten gefeiert und dazu 70 Leute auf die VIP-Tribüne eingeladen. "Das ist sicher kein billiges Vergnügen. Aber eine wirklich tolle Sache für Hoppegarten", erklärte Gerhard Schöningh, der zu den ersten Gratulanten gehörte.

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