Welzow-Süd . Weinanbau im Tagebau, das ist ein Novum in Deutschland. Auf 0,24 Hektar des rekultivierten Areals im Tagebau Süd wachsen seit 2005 Reben. Dass das so ist, freut den Bergbauvorstand von Vattenfall Mining & Generation Helmuth Zeiss besonders. "So viel Aufmerksamkeit haben unsere Rekultivierungsarbeiten nach dem Tagebau noch nie gefunden." Der Weinberg, der eigentlich ob seiner Größe eher Weingarten zu nennen wäre, bringt Öffentlichkeit. 2005 wurden 198 Weinstöcke der Sorten Merzling, Ortega und Rondo angepflanzt. Letzterer ist nicht zu verwechseln mit der ehemaligen DDR-Kaffeesorte, sondern aus den Rondo-Reben kann man einen durchaus bekömmlichen Rotwein keltern. So lud denn auch der Bergbaukonzern Vattenfall gemeinsam mit der Brandenburg-Technischen Universität in Cottbus am Wochenende zur Weinverkostung auf das Areal des rekultivierten Tagebau Welzow-Süd.
Weinlese im Tagebau: Dieses Bild, das Uwe Zeihser von der Universitõt Cottbus im vergangenen September zeigt, entstand im fr³heren Kohlerevier Welzow S³d. Foto: ddp
Das dieser Wein derzeit Kippenwein genannt wird verdrießt den Vater der Anlage Uwe Zeihser sichtlich: "Wir haben kein Kippenwein, unsere ersten 71 Flaschen, die vom Gubener Weinbauverein gekeltert wurden, sind gut gelungen. Im nächsten Jahr sollen es mehr werden." Im Vorjahr wurden auf den rekultivierten Tagebauflächen 100 Kilogramm Trauben geerntet.
Dieser gewisse Aha-Effekt würdigt zugleich die Leistungen des Bergbauunternehmens bei der Sanierung ausgekohlter Flächen. Die Statistik ist beeindruckend. Vattenfall hat insgesamt 1919 Hektar seit 1994 rekultiviert. 3,9 Millionen Laub- und Nadelbäume wurden im Tagebau-Areal gepflanzt und 24,3 Kilometer Wege und Straßen angelegt. Manche Gemeinde würde sich über derartig gut ausgebaute Straßen freuen.
Bei aller Freude über den Wein aus dem Tagebau wird es dennoch nicht so sein, dass er künftig eine Haupterwerbsquelle des Bergbaukonzerns werden wird. Zwar wird derzeit der Wolkenberg modelliert. Ab 2010 soll er in räumlicher Nähe zu der derzeitigen Versuchsanlage - eine Gemeinschaftsproduktion von Vattenfall und BTU Cottbus - entstehen. Die Planung sieht eine Größe von fünf Hektar vor. Bevor allerdings hier Weinstöcke gesetzt werden können, muss politisch einiges bewegt werden. Es geht um die notwendigen Rebrechte. Wie fast alles sind sie in der Europäischen Union streng reglementiert. Deutschland hat Rebrechte für 102 000 Hektar. Brandenburg davon hat sie für elf Hektar. So gesehen wird auch der Wein aus dem Tagebau nie eine Massenware werden.
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