Das Konzentrationslager . Ein Mann aus Bayern verhindert eine Suchaktion in Jamlitz im Landkreis Dahme-Spreewald. Denn noch immer wird nach über 750 Juden gesucht, die am Ende des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden. Wissenschaftler vermuten dort das größte Massengrab Deutschlands.
Besitzer verweigert die Suche: An dieser Stelle, einem Areal des fr³heren Lagergelõndes und unweit der Freiluftausstellung, wird das zweite Massengrab vermutet. Foto: GMD
"Es gibt keinen Ereignisort, an dem ein an solcher Bestialität erfolgtes grausames Verbrechen stattgefunden hat", sagt Peter Fischer vom Zentralrat der Juden. Deshalb kann er nicht verstehen, warum sich die Einwohner nicht an der Suche beteiligen. "Dort herrscht ein Ort des Schweigens. Man könnte sogar Antisemitismus vermuten", so der zuständige Mitarbeiter für Gedenkstätten und Erinnerungspolitik.
Lieberose war von 1943 bis 1945 eins der rund 100 Außenlager des KZ Sachsenhausen. Unter den 11 000 Häftlingen befanden sich vor allem ungarisch-jüdische Häftlinge. Die waren aus Auschwitz und Groß Rosen zur Zwangsarbeit nach Jamlitz deportiert worden. Das Lager hieß zwar Lieberose, befand sich aber im Nachbarort. Hinzu kamen Sachsenhausen-Häftlinge, die zur Strafverschärfung dorthin verlegt wurden. Sie sollten für die Waffen-SS den Truppenübungsplatz "Kurmark" anlegen. Mehrere Tausend starben an der "Vernichtung durch Arbeit".
Bei der Evakuierung des Lagers, Anfang Februar 1945, wurden die noch Lebenden zum Teil per Bahn in das KZ Sachsenhausen abtransportiert und dort sofort ermordet oder mussten auf den "Todesmarsch" in das Stammlager. Am 3. und 4. Fe- bruar 1945 erschossen SS-Männer 1342 zurückgelassene kranke oder schwache Gefangene und verscharrten sie in zwei Massengräbern. Historiker konnten die genaue Zahl der Opfer und der Massengräber anhand der Auswertungen von Dokumentationen und Zeitzeugenberichten ermitteln.
Bis zur Wende erinnerte in dem kleinen Dorf nichts an das KZ-Außenlager. Das ehemalige Lagergelände ist in den 50/60er Jahren mit Wohnhäusern bebaut worden. Direkt an der Frei- luftdokumentation, die im Jahre 2003 errichtet wurde, steht das Haus von Hans-Jürgen H. Das hat er von seinen Eltern geerbt. Er selbst lebt in Bayern, kommt nur ein paar Mal im Jahr ins Brandenburgische - um nach dem Rechten zu sehen.
Um das 5000 Quadratmeter große Grundstück ist seit einiger Zeit Streit entfacht, weil dort das größte Massengrab Deutschlands vermutet wird. Aber Hans-Jürgen H. verweigert seit Jahren den Zutritt auf seinen privaten Grund und Boden. "Wir haben zig Briefe geschrieben, sogar zu einem persönlichen Gespräch nach Potsdam eingeladen, aber es gab und gibt keine Lösung", erklärt Geert Piorkowski, Sprecher des Innenministeriums.
Die Verweigerung ohne Begründung kann auch Bernd Boschan, Direktor des Amtes Lieberose-Oberspreewald, bestätigen. Er ist von Gesetzes wegen für die Suche zuständig. Deshalb wollte er nun eine Grabungsgenehmigung beim Amtsgericht Guben durchsetzen. Der Antrag sei aus "formalen Gründen" abgelehnt worden, so der Amtsdirektor. Jetzt wurde Beschwerde vorm Landgericht Cottbus eingelegt. "Es gibt noch keinen Gerichts- termin. Die Kammer wird Ende Januar, Anfang Februar darüber beraten", sagt Gerichtssprecher Ralph Matzky.
"Das ist natürlich eine sensible Sache, weil es sich um ein Wohngrundstück handelt", erklärt Geert Piorkowski. Dem seien sich auch alle Beteiligten bewusst. Zumal sich vor zwölf Jahren der Zentralrat der Juden dafür einsetzte, die Suche zu intensivieren. Und das Innenministerium deshalb extra eine Arbeitsgruppe Jamlitz gründete, die von Historikern unterstützt wird. Mittlerweile sind sieben Verdachtsflächen abgesucht - ohne Funde. Als einziges ist das Grundstück von Hans-Jürgen H. übrig geblieben.
Peter Fischer vom Zentralrat der Juden hofft, dass 63 Jahre nach Ende des Krieges endlich die Opfer gefunden werden. Denn für Menschen jüdischen Glaubens sei es eminent wichtig zu wissen, wo Angehörige beerdigt sind.
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