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Zepernick: Geteiltes Heim und neue Konflikte

Zepernick . Gut 100 Tage nach der Teilung des Zepernicker Seniorenheims haben sich die ersten öffentlichen Konflikte zwischen den Beteiligten gelegt. Und sowohl das Eichenhof getaufte Haus 11 von Burchard Führer, als auch der jetzt Seniorencentrum Zepernick - Rotunde heißende Neubau der Firma SPC gehen eher unaufgeregt ihrer Arbeit nach. Doch hinter den Kulissen brodelt es. So versuchen offenbar Gemeindevertreter und Führer-Gruppe, Gisa Kuhn als Chefin der Gemeinnützigen Gesellschaft für Senioren und Behinderte abzusetzen. Dieser gGmbH war von der Heimaufsicht wegen schwerer Pflegemängel das weitere Betreiben der Einrichtung untersagt worden. Was letztlich zur Teilung des Heims führte.

  Hinter dem Zaun: Die Gelõnde von Eichenhof (im Bild) und Rotunde sind mittlerweile durch einen Zaun getrennt. Foto: GMD/Sergej Scheibe ©

"Wir haben die Kommunikation revolutioniert." So fasst Imke Egger, die Pflegedienstleiterin des Eichenhofs, die Bemühungen der neuen Heimleitung zusammen, alle 80 Mitarbeiter des Zepernicker Plattenbaus umfassend zu informieren und an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Denn ein unzureichender Informationsfluss in der Zeit von Gisa Kuhn sei einer der Gründe gewesen, so Heimleiterin Heike Tenge, die zu den von der Heimaufsicht gestoppten Zuständen geführt hätten. "Aus ausführenden Mitarbeitern werden sich konstruktiv einbringende Mitarbeiter", sagt Heike Tenge. Die nicht ausschließt, dass es "einige wenige geben kann, die letztlich nicht zu diesem Arbeitsstil passen". Im Grundsatz aber sei man gerade dabei, so Imke Egger, "das Stimmungsbarometer in der Belegschaft auf schön zu stellen". Einbringen können sich laut Eichenhof-Spitze auch Bewohner und Angehörige. So geschehen bei der Gestaltung des seit vergangener Woche geöffneten Cafés. Auch einen eigenen Friseur hat der Plattenbau jetzt.

Beteiligen will sich Heike Tenge auch an der Arbeit des Fördervereins für Senioren und Behinderte Niederbarnim. Dieser, sagt Gemeindevertreter Burkhard Thomaschewski, könnte die Ära von Gisa Kuhn als Chefin der Gemeinnützigen Gesellschaft für Senioren und Behinderte Niederbarnim beenden. Und so bekamen nicht nur Tenge und Thomaschewski mitgeteilt, dass ihren Aufnahmeanträgen nicht entsprochen wird. Auch Burchard Führer selbst sowie die Abgeordneten Sigrun Pilz und Prof. Jürgen Elsner, die wie Thomaschewski in der Seniorenheim-Arbeitsgruppe des Parlaments Führer als Betreiber ausgesucht hatten, sowie Bürgermeister Rainer Fornell erhielten eine Absage.

Sie hatten allesamt nach der Kündigung des Pachtvertrages für den Plattenbau eine Lösung für das Seniorenheim ohne Gisa Kuhn gesucht. Und vergeblich an den Förderverein appelliert, der Kuhn-Ära ein Ende zu setzen. Der Förderverein aber, unter Vorstandsvorsitz von Gisa Kuhn, galt als Kuhn-treu. Mit neuen Mehrheiten könnte sich das ändern.

Wer aber Gisa Kuhn absetzen will, verfolgt "keine satzungsgemäßen Ziele", findet Peter Mauel, der Anwalt von Gisa Kuhn. Der auch den Abgelehnten den negativen Vorstandsbeschluss des Fördervereins mitteilte. "Wir haben uns das bisherige Verhalten der Antragsteller angesehen und uns gefragt, ob dieses den wahren Interessen des Vereins entsprochen hat", sagt Mauel. Ein gutes Dutzend Anträge auf Aufnahme seien eingetroffen, von denen man aber nicht alle abgelehnt habe.

"Ich habe Widerspruch eingelegt und bestehe darauf, zur Mitgliederversammlung eingeladen zu werden", sagt Sigrun Pilz. Denn die, bestätigt auch Peter Mauel, könnte die Entscheidung des Vorstandes kippen. Und etwa den Argumenten von Imke Egger und Heike Tenge folgen, die angeben, mit ihrem Sachwissen etwas auch für Senioren außerhalb des Eichenhofs bewirken zu wollen.

Die ersten öffentlichen Reibereien dagegen, in den es etwa um das Ausräumen von Mobilar und das gegenseitige Abdrehen von Telefonleitungen ging, sind in Grundsatz vorbei. Wenn auch nicht ganz: Die Reparatur der Telefonanlage, ärgert sich SPC-Chef Peter A. Wittke, werde wegen eines lange nicht lieferbaren Ersatzteils wohl erst in dieser Woche abgeschlossen sein. Sonst aber gebe es "eine normale Nachbarschaft". Eichenhof-Leiterin Heike Tenge meint: "Jeder macht für sich seine Arbeit." Auch wenn es gerade etwas Streit um fehlgeleitete Post gebe. An den von der gGmbH gezogenen, eher niedrigen Zaun, der einen Durchgang hat, haben sich Bewohner und Angehörige wohl langsam gewöhnt.

Wittkes SPC übernahm mittlerweile übrigens zudem den ambulanten Pflegedienst von der gGmbH. Und Peter A. Wittke freut sich, dass die 45 Plätze in der Rotunde voll belegt sind. "Wir erfreuen uns reger Nachfrage und könnten mehr aufnehmen, wenn wir den Platz hätten." Einen "regen Zulauf" konstatiert auch Heike Tenge - allerdings gibt es im Eichenhof noch Platz: Derzeit sind 137 von 168 Plätzen belegt.

Ob es SPC aber tatsächlich zusteht, den einen Teil zu betreiben, daran hat die Arbeitsgruppe des Parlaments Zweifel. Die Gemeinde habe ja für das fragliche Gelände, sagt Sigrun Pilz, mit der gGmbH einen Erbpachtvertrag. Und man wisse etwa gar nicht, ob die SPC in die Investitionsvereinbarungen eingetreten sei. "Wir stimmen der Unterverpachtung an SPC nicht zu", so Burkhard Thomaschewski.

Für genügend Konfliktstoff in den nächsten 100 Tagen scheint also gesorgt.

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