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Mit 80 immer noch im Ruderboot

. Horst Büring hat Rudergeschichte in der Oderstadt mitgeschrieben. Der langjährige Bezirkstrainer hat sich vor allem um die Förderung des Nachwuchses verdient gemacht, zahlreiche Talente in die damaligen Leistungszent- ren delegiert. Heute feiert das Mitglied des FRC von 1882, das immer noch regelmäßig in der Seniorengruppe rudert, seinen 80. Geburtstag.

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Der am 22. August 1928 in Hannover geborene Horst Büring wuchs in Stralsund bei seinen Großeltern auf, die in der Ostseestadt ein Schuhgeschäft betrieben. 1944 mit 16 Lenzen zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, wurde er zur Infanterie-Aufstellungsdivision nach Dänemark versetzt und geriet 1945 in englische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung im Juli 1945 musste er in der britischen Besatzungszone ein Jahr lang auf einem Bauernhof arbeiten, bevor er nach Stralsund zurückkehren durfte. Dort besuchte er eine Finanzschule, wurde Steuerinspektor und qualifizierte sich zum Betriebsprüfer.

"Ich wollte unbedingt Wassersport betreiben, deshalb schloss ich mich 1949 den Kanuten der SG Hansa an, obwohl ich eigentlich Rudern wollte. Doch auf dem Gelände lagen noch zwei alte Ruderboote, die ich mit zwei Freunden wieder herrichtete, so konnten wir mit dem Rudern beginnen. Das war der Anfang meiner Ruderkarriere", erinnert sich Horst Büring.

1951 gründete er mit Gleichgesinnten den Stralsunder Ruderclub, war dort bis 1957 Ruderwart, Sektionsleiter sowie als Trainer für die Ausbildung junger Sportler verantwortlich, nahm zudem selbst erfolgreich an Regatten teil. Zwischendurch bildete er sich auf Lehrgängen weiter. Eine Schulung zum Lehrwart im Jahre 1956 an der Sportschule in Berlin-Grünau veränderte sein gesamtes Leben. Denn der 28-Jährige lernte dort die Rüdersdorfer Trainerin Ilse Knappig kennen. "Sechs Wochen lang ging der Lehrgang. Da war genügend Zeit, sich richtig kennen- und sogar lieben zu lernen", erinnert sich Ilse Büring (74) heute noch gern an die Zeit. Die Liebe hielt auch der Entfernung zwischen Rüdersdorf und Stralsund stand. Ostern 1957 heiratete Horst Büring seine Ilse. Im Oktober desselben Jahres nahm er ein Angebot aus Rüdersdorf als hauptamtlicher Trainer an. Büring ging neue Wege und schnitt so manchen alten Ruderzopf ab. So baute er erstmals eine Schülerabteilung auf - ungewöhnlich, weil bis dato erst mit 14 Jahren mit dem Rudern begonnen werden durfte. Mit seiner engagierten Arbeit machte er sich schnell einen guten Namen, zumal seine Rüdersdorfer Sportler teilweise sogar in die Phalanx der DDR-Sportclubs eindringen konnten. Inzwischen hatte Büring längst sein Hobby zum Beruf gemacht. "Als Betriebsprüfer für das Auslaufmodell private Wirtschaft hatte ich ohnehin in der sozialistischen Volkswirtschaft keine Perspektive", erklärt der Jubilar.

1964 nahm er in Leipzig an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) ein Trainer-Fernstudium auf, das er 1966 erfolgreich abschloss und anschließend als Bezirkstrainer in Frankfurt einstieg. Als seine Frau 1970 eine Trainerstelle in der damaligen BSG Halbleiterwerk aufnahm, zogen beide von Rüdersdorf in eine Neubauwohnung in Frankfurt Süd, wo sie immer noch im selben Haus im Gagarinring wohnen.

Ihre gemeinsame Liebe zum Rudern konnten beide auch auf ihre drei Kinder Heike (51), Jens (49) und Ilka (43) übertragen. "Sie hatten keine andere Chance, denn bei uns zu Hause drehte sich ohnehin alles um das Rudern", erklärt Ilse Büring.

"Auf zirka 150 Delegierungen in die damaligen Leistungszent- ren beim SC Berlin-Grünau und Einheit Dresden haben wir es in den 25 Jahren meiner Bezirks- trainertätigkeit gebracht. Das war damals ein prima arbeiten, denn in den acht Trainingszent- ren des Bezirkes Frankfurt hatte ich jeweils zwei hauptamtliche Trainer vor Ort", so Büring.

Auch im Ruhestand sind beide ihrer Profession beim FRC von 1882 treu geblieben. "Wir sind eine eingeschworene Senioren-Truppe, die sich einmal wöchentlich zum Rudern auf der Oder trifft. Zudem spielen wir Männer mittwochs unseren Skat und die Frauen Rommé. Und einmal im Jahr machen wir gemeinsam eine große Ruderfahrt. Diesmal war es eine etwa 150 Ki- lometer lange Boddentour von Stralsund bis Prerow und zurück", berichtet der Jubilar.

Zum harten Kern der Senioren-Ruderer gehören Gudrun Herzog (70), Werner Block (70), Eva Garret (77), Karl-Ernst Ewald (70), Siegfried Wenck (73), Peter Schulz (70), Rolf Doehl (78) und Michael Kunath (65). "Darunter sind einige, die erst als Rentner mit dem Rudern begonnen haben und nun regelmäßig unsere Touren mitmachen", erzählt der agile Rentner und ergänzt schmunzelnd: "Das war aber die letzte Seniorenfahrt, die ich organisiert habe. Ab sofort sind die jüngeren aus unserer Truppe dran."

Überhaupt haben die Bürings keine Minute ihres gemeinsamen Hobbys bereut. Die Liebe zueinander und zum Rudern hat sie zusammengeschweißt. "Rudern ist eben nicht nur ein Sport, da werden auch sehr enge soziale Bindungen untereinander aufgebaut. Und für ihre Geselligkeit sind wir Ruderer ohnehin bekannt", erklärt Horst Büring, der zu Recht stolz auf das Geschaffene beim FRC von 1882 ist, "woran viele ältere und auch junge Mitglieder gleichermaßen ihren Anteil haben".

Heute gibt Horst Büring im FRC-Vereinshaus von 10 bis 12 Uhr für seine Ruderfreunde einen aus, ehe ab 15.30 Uhr ganz in Familie im Turm 24 und abends im Kartoffelhaus weiter gefeiert wird.

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