Eberswalde . Das Bündnis für ein demokratisches Eberswalde will sich nicht länger nur in der Kreisstadt in der Politik einbringen, sondern auch im Landkreis - und strebt deshalb Sitze im Kreistag an. Die MOZ sprach darüber im Vorfeld der Kommunalwahl mit Albrecht Triller.
"Wir wollen uns auch im Kreis einmischen." Albrecht Triller, in Eberswalde unter anderem stadtbekannt als Ortsteilbürgermeister von Finow, Flughafengegner und Kämpfer für die Finower Oberschule, will "über Eberswalde hinausschauen". Auch wenn das Bündnis den Namen der Stadt im Namen trägt, wo es 2006 in Zeiten des Kampfs um den Erhalt der Einstein-Oberschule und der Abwahl des Bürgermeisters Reinhard Schulz entstand. Woraus sich auch erklärt, dass Triller, der übrigens bis 2003 als damaliges PDS-Mitglied bereits einmal im Kreistag saß, besonders Augenmerk auf die Bildung legt.
Die vom Kreis bevorzugten "Schulkombinate", sagt Triller, seien keine gute Lösung. "Wir meinen, Schulen gehören in die Dörfer und Ortsteile." In der Bildung müsse es "eine deutliche Wende geben". Denn kleine Klassen, individuelle Lernpläne, jahrgangsübergreifender Unterricht, Ganztagsbetreuung hält das Bündnis für ein demokratisches Eberswalde heutzutage für absolut notwendig. Genauso wie einen kurzen Weg zur Schule - "durch ewig lange An- und Abreise wird wertvolle Jugendzeit vergammelt".
Auch das Soziale liegt dem Bündnis am Herzen, So hat man vor dem Kreistag für das Sozialticket demonstriert - und ist mit dem nun immerhin geltenden Mobilitätsticket längst nicht zufrieden. Zudem wurden, sagt der gelernte Diplomlandwirt Triller, ganz bewusst auch Arbeitslose als Kandidaten zu den Kommunalwahlen aufgestellt. Kommunalpolitik müsse sozial gestaltet werden. Wozu auch gehöre, dass kommunale Energiepolitik die Bürger entlasten müsse.
Triller kämpft für "maximale Bürgerbeteiligung". Im Vorfeld von Entscheidungen, wie er betont. Um etwa zusammen mit den Betroffenen zu klären, wie eine Straße ausgebaut werden soll. Einen Bürgerentscheid über den Bau einer Straße allerdings möchte Triller nicht. Straßen dürften nicht nach Belieben gebaut werden, "sondern nur bei echtem Bedarf, und dann sparsam und umweltschonend". Ein großes Ärgernis ist für das Bündnis weiterhin der Flughafen Eberswalde-Finow. Der habe eine Unrechtsbasis, bestehe nämlich aufgrund von einstigem Besatzungsrecht, und drohe nun, noch ausgebaut zu werden. Triller befürchtet, dass in einigen Jahren Charterflugzeuge oder Transportmaschinen den Airport anfliegen werden. Nämlich dann, wenn Schönefeld an die Kapazitätsgrenze gelange. "Scheibchenweise", so mutmaßt Triller, werde das Land dann für Eberswalde-Finow immer größere Flugzeuge zulassen. Für Triller ein Unding, gegen das es zu kämpfen gilt.
Albrecht Triller räumt ein, dass es für die Wähler nicht ganz einfach ist, angesichts der diversen Angebote, die sich als Bürgerbewegungen sehen, den Überblick zu behalten. "Die angebliche Vereinigung der Bürgerbewegungen hat hier vor Ort jedenfalls zu einer Spaltung geführt." Das Zusammengehen der Eberswalder AfW, mit der Triller nach eigenem Bekunden längere Zeit in diversen Bürgerinitiativen guten Kontakt hatte, mit 50plus kann er nicht nachvollziehen. Eine Argumentation "Die haben Geld, wir Wähler, das passt doch gut", findet er unangebracht. "Wir wollen nicht nur von Parteien unabhängig sein, sondern auch von solchen Geldgebern." Er habe sich angesichts der Vereinigung der Bürgerbewegungen gefragt, was eigentlich inhaltlich hinter dem Zusammengehen steckt. "Und wir haben festgestellt, das sind Inhalte, die wir nicht wollen." Wer etwa den Schutz des deutschen Arbeitsmarktes vor ausländischen Arbeitnehmern fordere und der Dritten Welt keine Entwicklungshilfe mehr geben wolle, sei für ihn kein Partner. Triller tanzt bei dieser Wahl gleich auf drei Hochzeiten - er strebt erneut das jetzt Ortsvorsteher getaufte Amt des Ortsteilbürgermeisters in Finow an, bewirbt sich für die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung und eben auch für den Kreistag. Alle drei Posten auf einmal wären ihm aber zu viel. Dann müsse man gegebenenfalls überlegen, wie das aufzuteilen wäre. Gelänge dem "lockeren Bündnis von Bürgern" etwa mit einem Abgeordneten der Einzug in den Kreistag, werde man sich wohl, sagt Albrecht Triller, keiner Fraktion anschließen, sondern als Einzelner sachbezogen arbeiten. Und warum will man sich als 70-Jähriger, der 15 Enkel und ein Urenkel hat, überhaupt solche Posten noch antun? "Ich gehöre noch nicht zum alten Eisen, ich will mich nützlich machen. Ich kann noch viel schaffen."
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