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Kampf ums Kindeswohl

Brandenburg/Havel . Fälle von Kindesvernachlässigung sind wie zuletzt in Löhme (Barnim) oft auch auf Behörden-Versagen zurückzuführen. Wie man es besser machen kann, beweist das Jugendamt Brandenburg/Havel, dessen Arbeit von der Deutschen Kinderhilfe ausdrücklich gelobt wird.

  Setzen auf Transparenz: Ina L³bke (l.) und Kerstin Sch÷be vom Jugendamt Brandenburg/HavelFoto: GMD/Mathias Hausding ©

Wenn Jugendamtsleiterin Kerstin Schöbe von ihrem Job spricht, klingt das wie der Bericht einer Managerin über Ziele und Strategien ihres Unternehmens. "Wir sind schon vor Jahren Selbstverpflichtungen eingegangen, haben Standards und Strukturen für unsere Arbeit definiert", berichtet die 42-Jährige. "Nachzulesen ist das in einem mit den freien Trägern abgestimmten Qualitätshandbuch, das regelmäßig überarbeitet wird."

So heißt es dort etwa: "Den Schwerpunkt der Arbeit bilden die Beratung und das Forcieren der eigenen Kompetenzstärkung in den Familien." Auf 20 Seiten listet das Jugendamt in diesem Stil auf, welchen Auftrag es für sich sieht, wie diese Pflichten wahrzunehmen sind und welche Arbeitsbedingungen - von der Personalausstattung über die Bürogröße bis hin zur Ausrüstung mit moderner Kommunikationstechnik - das Amt haben muss.

Spätestens an dieser Stelle wird ein solches Konzept Gold wert. Damit kann man zu den Stadtverordneten gehen und Forderungen stellen. So in Brandenburg/Havel im Jahre 2004 geschehen. "Damals haben wir gemerkt, dass die Fallzahlen zunehmen", erinnert sich Kerstin Schöbe. "Das hängt damit zusammen, dass wir - unserem Konzept folgend - genau hinschauen und den Fami­lien sehr früh Beratungsangebote machen, wenn etwas schiefläuft. Die Personaldecke war zu dünn, um unsere Ziele zu erfüllen."

Begeistert seien die Stadtoberen angesichts eines defizitären Haushalts nicht gewesen. Dennoch wurden vier zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter eingerichtet. Brandenburg/Havel mit seinen 73 000 Einwohnern hat sich das Leitbild "Familienfreundliche Stadt" gegeben. Und lässt weiter Taten folgen. So wurden jüngst zwei halbe Stellen für Familienhebammen geschaffen. Sie sollen allen Neugeborenen (rund 500 pro Jahr) einen Begrüßungsbesuch abstatten. "Lehnen die Mütter das Angebot ab, informieren wir die Geburtsklinik, dass sie dort ein Auge auf die Schwangere werfen", erklärt Ina Lübke. Sie weiß aber: "Es gibt genug Eltern, die alles im Griff haben und von uns in Ruhe gelassen werden wollen. Das respektieren wir." Im Amt laufe viel über eine Risikoeinschätzung durch erfahrene Sozialarbeiter.

Neben der Transparenz ist die Netzwerkarbeit eine weitere Säule im Jugendamt-Konzept "Kinder schützen - Eltern helfen". Erst vor ein paar Tagen war Kerstin Schöbe beim Stammtisch der Kinderärzte. Ähnliche Treffen gibt es mit Familien- richtern.

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