Samstag, 4. Februar 2012

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Auf den Spuren der Vorfahren

. Knapp 80 Frankfurter nahmen Allerheiligen an einem vom Frankfurter Lokalhistoriker Eckard Reiß geleiteten Spaziergang zu den Friedhöfen in Slubice teil. Die Veranstalter - Viadrina-Studenten vom Institut für angewandte Geschichte und auch Eckard Reiß - waren von dieser hohen Besucherzahl überrascht; in den vergangenen Jahren waren rund 20 Teilnehmer gekommen. Die Route führte am Sonnabend wie üblich zum alten jüdischen Friedhof sowie zum heutigen kommunalen Friedhof. Beide Orte liegen am Ortsausgang der Stadt in der Nähe des Stadions.

Eckard Reiß gab vor dem jüdischen Friedhof einen kurzen Überblick über die Geschichte der Begräbnisstätte. Der Platz war 1399 urkundlich zum ersten Mal schriftlich erwähnt worden, doch der Lokalhistoriker geht davon aus, dass die Anlage wahrscheinlich mindestens hundert Jahre älter ist und dort folglich vielleicht sogar einige Augenzeugen der Stadtgründung von 1253 bestattet wurden. Dieser Platz gehöre damit zu den ältesten jüdischen Begräbnisstätten Europas, sagte Eckerd Reiß. Der Friedhof überstand Nazi-Diktatur und Krieg fast unbeschadet; zerstört wurde er erst in den 70er Jahren durch die polnische Verwaltung, die Steine wurden zerschlagen und die Gräber eingeebnet.

Heute bemühe man sich um eine Rekonstruktion der Anlage. Wie Eckard Reiß berichtete, wurden bei den Ausgrabungen in den vergangenen Monaten 31 jüdische Grabsteine gefunden.

Die Anlage gehört heute einer Stiftung zur Wahrung des jüdischen Kulturerbes in Polen; sie hat ihren Sitz in Warschau.

Anders als in den Vorjahren konnte man in diesem Jahr den Friedhof aber nicht mehr betreten, da das ganze Areal durch einen neuen Zaun gesichert wird. Direkt hinter dem Gitter befinden sich mehrere neu gesetzte Gedenksteine, die in hebräischer Sprache an einige berühmte Rabbiner erinnern. Die Frankfurter stellten ein Licht zum Gedenken an die dort beerdigten jüdischen Frankfurter auf.

Im Frühjahr 2009 werde eine internationale Rabbiner-Gruppe wieder Slubice besuchen, kündigte Eckard Reiß an. Er plane, zu diesem Treffen eine öffentliche Führung über den Friedhof. Auch wolle man überlegen, in welcher Form man an den 610. Jahrestag der Ersterwähnung des Friedhofes erinnern wolle. Eckard Reiß will seine bereits einige Jahre alte Studie zu dem jüdischen Friedhof überarbeiten und in aktualisierter Form vor dem Historischen Verein vortragen. Alle Termine werde er über die MOZ rechtzeitig bekannt gegeben, sagte er. Auf die Nachfrage eines Teilnehmers zum geplanten neuen jüdischen Friedhof in Frankfurt antwortete der Frankfurter Stadtpolitiker Hans Dieter Wachner, dass die Stadtverwaltung sich auf ein Übertragungsangebot geeinigt und man dieses der Jüdischen Gemeinde vorgelegt habe.

Anschließend ging es weiter zum kommunalen Friedhof. Diese Anlage diente auch schon in deutscher Zeit als Begräbnisstätte. In deutscher und auch in polnischer Zeit war der Friedhof eine städtische Einrichtung und nicht kirchlich gebunden. Die deutschen Grabsteine sind nicht mehr erhalten, auch sie wurden zerschlagen. Nur mit Mühe und großen Ortskenntnissen kann man heute noch Spuren aus deutscher Zeit finden.

Die jetzigen Gräber waren Allerheiligen von den Polen mit Blumen und Kerzen geschmückt; die Frankfurter Gruppe war sichtlich beeindruckt von der melancholischen Lichterstimmung in der Abenddämmerung.

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