Kienitz . Seit kurzem steht auf dem Grundstück von Familie Brunat ein Schäferwagen nach alter Tradition. Die Eheleute wollen einen fast ausgestorbenen Klassiker für Romantiker in Kienitz bald Wirklichkeit werden lassen: Radfahrern und andern Touristen soll der Wagen als außergewöhnliche Unterkunft dienen.
Klein aber fein: Mal anders als im Bett schlafen k÷nnen Touristen im Schõferwagen von Bõrbel Brunat.Foto: GMD/Mandy Timm
Hinter der Blockhütte von Familie Brunat zupfen Schafe emsig das letzte Grün in diesem Jahr. Zwischendrin wachsen schlanke Bäume und Sträucher, eine weite Wiese beginnt. Auf dem Grundstück steht seit kurzem ein kleiner Wagen ganz aus Holz, so wie ihn Wanderschäfer jahrhundertelang als Wohn- und Schlafwagen nutzten. Innen herrscht wild-romantische Stimmung. Ein kleiner Kanonenofen sorgt für wohlige Wärme. Von der Decke baumelt eine Laterne, darunter befindet sich über Eck eine Sitzgarnitur. Sie lässt sich zu einer großen Liegefläche umbauen.
Bärbel und Karl-Heinz Brunat haben eine pfiffige Idee in die Tat umgesetzt. Sie sind jetzt stolze Besitzer eines Schäferwagens. Damit wollen sie im Frühjahr und Sommer vor allem Radfahrer ansprechen. Sie sollen in dem Holzwagen übernachten können. "Wir haben uns damit einen Traum erfüllt", sagt Bärbel Brunat aus Kienitz zufrieden. In ihrem Leben dreht sich sowieso schon eine Menge ums Schaf. Nicht nur das Familie Brunat hinter ihrer Blockhütte eine kleine Herde Skudden, eine alte ostpreußische Rasse, hält. Auf dem Erlenhof im Oderbruch vertreibt Bärbel Brunat in ihrem Laden lauter Dinge rund um die Tiere. Handgesponnene Wolle liegt dort neben selbstgestrickten Socken in der Auslage, Kuschelschäfchen für Kinder, Seife und Kosmetik aus Schafsmilch. "Wenn man sich einmal in eine Sache verliebt hat", sagt Bärbel Brunat, "dann kommt eins zum anderen." Irgendwann verliebte sich die Kienitzerin in die Idee, Touristen Urlaub im Schäferwagen anzubieten. Ihr gefällt der Gedanke der Unabhängigkeit besonders und dass sich ein Schäferwagen unproblematisch versetzen lässt. Sie und ihr Mann suchten also einen straßentauglichen Wagen für das Konzept. Gefunden haben sie ihn bei einem Mann in Süddeutschland, der "Schäferkarren" nach altem Vorbild baut.
Brunats Modell heißt "Romantik". "Sogar die Wände sind mit Schafwolle isoliert", erzählt die Frau. Während die zweirädrigen Karren oder Wagen früher von einer Kuh oder einem Pferd von Weideplatz zu Weideplatz gezogen worden sind, geht das heute viel einfacher mit Hilfe einer Anhängerkupplung per Auto oder Traktor. Zwei Leute - die sich mögen - finden einen bequemen Schlafplatz im Inneren. Frau Brunat denkt besonders an die vielen Fahrradtouristen, die im Sommer oft in die Gegend kommen. Im kommenden Jahr soll auch eine sanitäre Einrichtung fertig sein. Diese fehlt nämlich im knapp zweimeter langen Schäferwagen.
Wer mehr rund ums Thema Schaf und den Schäferwagen nach altem Vorbild wissen will, kann sich am Freitag, 5. Dezember ab 14 Uhr auf dem Erlenhof im Oderbruch in Kienitz umschauen und erkundigen. Familie Brunat lädt an diesem Tag zu einem gemütlichen Adventsnachmittag ein.
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