Groß Neuendorf/Golzow . "Fisch grenzenlos - Quappen- und Fischwochen" hieß es am vergangenen Wochenende in jenen Gaststätten, die sich zum Oder Culinarium zusammengeschlossen haben. Die Gastwirte setzten das Motto unterschiedlich um und wünschen sich, dass solche Aktionstage vom BTE Tourismusmanagement, das für das Konzept des Oder Culinariums verantwortlich ist, stärker beworben werden.
Zander mit Kartoffelkruste: Erik Wagner (Gasthaus und Pension Wagner) auf Golzow bietet wõhrend der aktuellen Aktionswochen des Oder Culinariums einen besonders schmackhaften, einheimischen Fisch an. Foto: Joahnn M³ller
Das Oderland zu einem Geschmackserlebnis machen - das wollen 24 Gastwirte auf deutscher und polnischer Seite, die seit April 2006 in einem Verbund kooperieren, der sich Oder Culinarium nennt. Dazu gehören der Kunstspeicher in Friederdorf, Schechert's Hof in Marxdorf, das Anglerheim Lebus, Gasthaus und Pension Wagner in Golzow und das Landfrauencafé in Groß Neuendorf. Das Oder Culinarium möchte Einheimische, Ausflügler und Touristen neugierig auf die regionale Küche machen und möchte das auf den Tisch bringen, was typisch ist für die Region. Und weil Fisch schon immer zum Oderland gehörte, hat der Verbund eine Fischwoche ausgerufen. "Fisch grenzenlos" ist ihr Motto. Begonnen hat sie vergangenes Wochenende. Diesen Sonnabend und Sonntag wird sie fortgesetzt.
Stefanie und Erik Wagner aus Golzow haben sich dafür eine sehr schmackhafte Komposition einfallen lassen: Zanderfilet mit Kartoffelkruste an einer Senf-Dill-Soße mit Möhrenstiften und knackfrischem Salat. Der Fisch und die Kruste aus geraspelten Kartoffeln und Eigelb ist genauso ein Gedicht wie die feinen Möhren. "Das ist ein Essen, das sehr gut die Philosophie des Oder Culinariums widerspiegelt", sagt Erik Wagner. Der Zander ist der vielleicht schmackhafteste Fisch, der in den Gewässern der Region schwimmt. Die Senfsoße wird mit Wriezener Senf gemacht. Und die verwendeten Gemüse sind oderbruchtypisch. "Unsere Gäste fragen gezielt nach regionaler Küche", betont der Gastwirt. "Das fängt beim Bier schon an." Weil die Region mit Brauereien eher weniger gesegnet ist, bieten Wagners das Potsdamer Rex-Pils an. Das ziert das Konterfei des Alten Fritz und Friedrich II. und das Oderbruch, das passt ja wieder zusammen.
Von Anfang an sind die Wagners beim Oder Culinarium dabei. "Es war eine gute Entscheidung", meint der Chef des Hauses. Auch wenn solche Aktionstage wie jetzt die Fischwochen nicht unbedingt der große Besuchermagnet sind. Wagner macht dafür auch das BTE Tourismusmanagement mit verantwortlich, das das Oder Culinarium moderiert und begleitet und nach Wagners Auffassung stärker die Werbetrommel rühren müsste.
Das Gute an dem Verbund sei zweifellos, dass er den Austausch unter den Gastwirten ungemein fördere, sagt Wagner. "Sonst kocht ja jeder in unserer Branche sein Süppchen im wahrsten Sinne des Wortes für sich allein." Wagner gibt zu, dass das Oder Culinarium ihn auch den Sinn dafür geschärft hat, verstärkt auf regionale Küche und regionale Produkte zu setzen. Bei seinen Gästen - im Sommer kommen 60, im Winter 20 Prozent von auswärts - kommt das gut an. Mit dem vergangenen Jahr seien sie sehr zufrieden, sagen Wagners, obwohl sie etwas abseits der eigentlichen Tourismusrouten liegen.
Deutlich schwerer war 2007 für Karin Rindfleisch und ihr Team vom Landfrauencafé Groß Neuendorf. Obwohl der Ort direkt an der Oder und am Oder-Neiße-Radweg liegt, hat die ehemalige Bürgermeisterin des Dorfes erst jüngst im Hauptausschuss der Gemeinde Letschin über sinkende Besucherzahlen geklagt. Das Landfrauencafé will sich davon aber nicht unterkriegen lassen, kämpft weiter und konzentriert sich ebenfalls auf regionaltypische Küche, auf Zander und Wels, der frisch aus Altfriedland oder Gorgast geliefert wird. Das Gemüse beziehen die Landfrauen zum größten Teil von der Agrargenossenschaft Golzow. Die Landfrauen halten sich strikt an jene Regel des Oder Culinariums, die besagt, dass mindestens 75 Prozent der Produkte auf jedem Teller aus einheimischer Produktion und frisch zubereitet sein müssen.
Damit stärken die Wirte des Verbundes auch die Stellung der Landwirtschaft in der Region. Zugleich ist diese erzeugernahe Verarbeitung sehr umweltfreundlich, weil keine langen Transporte notwendig sind.
Wie die Wagners sind auch die Groß Neuendorfer Landfrauen von Anfang an beim Oder Culinarium dabei. Sie haben unter anderem an einem Kochbuch, einem kulinarischen Reiseführer durch das Oderland, mitgearbeitet, das in Kooperation mit dem Oder Culinarium herausgegeben wurde. Im Landfrauencafé in Groß Neuendorf wird es auch verkauft.
Dieses Kochbuch entstand, eben weil es so ein großes Interesse an der regionalen Küche gibt, nach der die Gäste des Landfrauencafés vorzugsweise fragen. "Wir haben im Sommer wie im Winter 95 Prozent auswärtige Besucher", erklärt Karin Rindfleisch. "Sie erwarten einfach, dass sie bei uns Oderbruchtypisches auf den Teller bekommen." Und natürlich müsse der Preis stimmen.
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