Müllrose . Es war ein ungewöhnlicher Abend in Müllroser. Erstens, weil die erfolgsverwöhnten Landesliga-Handballer der HSG Schlaubetal, eben erst ungeschlagen Herbstmeister geworden, ein Heimspiel verloren haben. Zweitens, weil das 28:31 (12:17) niemanden sonderlich störte. Denn Gegner war niemand geringeres als die Bundesliga-Frauen des Frankfurter HC, die bei dem Freundschaftsspiel für eine proppevolle Schlaubetalhalle sorgten.
Die Bundesliga-Spielerinnen von der Oder bescherten mit ihrem Gastspiel dem Müllroser SV zum Ende seines Jubiläumsjahrs des 110-jährigen Vereinsbestehens noch einmal einen Höhepunkt. Die HSG Schlaubetal war vor wenigen Jahren durch Fusion mit Schwarz-Gelb Görzig aus dem MSV hervorgegangen. Frankfurts Trainer Dietmar Schmidt sah die Begegnung aber auch eigennützig. Nach drei Wochen Athletiktraining während der europameisterschaftsbedingten Liga-Pause komme so ein Spiel gelegen. "Als Bundesligist wollen wir uns aber auch in der Region zeigen und Werbung für den Handball machen. Ich denke, das ist uns gelungen", sagte der Olympiasieger von 1980.
In der Tat. Vor allem in der ersten Halbzeit ließen seine Spielerinnen das Publikum immer wieder staunen. Im Angriff kombinierten sie teilweise traumhaft sicher, in der Abwehr blockte die 1,92 Meter große Junioren-Weltmeisterin Franziska Mietzner immer wieder Würfe der Schlaubetaler. Im Tor zeigte Melanie Herrmann, die nach der Pause von Vanessa Beier abgelöst wurde, Paraden, die in der Männer-Landesliga selten sind. Dass der FHC ohne die bei der EM weilende Nationalspielerin Mandy Hering sowie ohne die erkrankten oder angeschlagenen Anne Jochin, Susann Schneider und Bianca Trumpf angereist war, störte niemanden.
Die Schlaubetaler taten sich am Anfang schwer. Die Umstellung auf den kleineren Frauen-Ball, mit dem gespielt wurde, machte ihnen zu schaffen, Nervosität tat ihr Übriges. Resultat waren zahlreiche einfache Fangfehler, die Angriffsversuche immer wieder zunichte machten. Die Gastgeber lagen nie in Führung, ein 9:15 fünf Minuten vor der Pause war der höchste Rückstand.
Während bei den Gästen in der zweiten Halbzeit vor allem Anja Scheidemann glänzte, kam die HSG Stück für Stück heran. Drei Minuten vor Schluss stand es nur noch 27:28. Auf einmal zeigte sich, dass auch in einem solchen Freundschaftsspiel niemand gerne verliert. Die Deckungsreihen packten auf beiden Seiten nun etwas energischer zu. Doch gegen die Cleverness der Frankfurterinnen hatten die Schlaubetaler das Nachsehen. Eine Zwei-Minuten-Strafe machte die leise Hoffnung auf ein Überraschungs-Unentschieden zunichte.
"Auch, wenn das Ergebnis letztlich egal ist: Ehrgeizig ist man immer", sagte der Schlaubetaler Trainer Olaf Ermling, der während des Spiels immer wieder taktische Anweisungen gegeben hatte. "Das Wichtigste war aber, dass sich hier niemand verletzen sollte." Für seine Spieler sei es daher eine interessante Erfahrung gewesen, in der Verteidigung ungewohnt körperlos zu spielen und daher umso mehr auf optimales Stellungsspiel zu achten. Angesichts eines gelungenen Abends durfte sich am Ende ohnehin jeder als Gewinner fühlen. Das Ergebnis dürfte hingegen schnell vergessen sein.
HSG Schlaubetal:Marco Schwadtke, Michael Stalla, Martin Graffenberger - Michael Schmidt (4/1), Uwe Bannert (3), Ralf Hale (3), Adrian Haase (5), Andreas Schutty (2), Matthias Gliese (1), Marc Eschenbach (5), Philipp Ermling (3/2), Tobias Hötzel (2)
Frankfurter HC:Melanie Herrmann, Vanessa Beier - Franziska Mietzner (10/2), Carolin Groke, Kristin Krone (1), Emilia Rogucka (2), Arjenne Paap (3), Anja Scheidemann (8), Christine Beier (7), Franziska Gabel
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