. Für nächsten Montag ist das Umzugsunternehmen bestellt: Die ersten Mieter ziehen in die umgebauten Wohnungen der Aufgänge Müncheberger Straße 26 und 27 zurück. Ihre Zwei-Raum-Wohnungen sind kaum wiederzuerkennen. Wo bis August ihr Bett stand, pfeift jetzt der Fahrstuhl unsicht- und unhörbar auf und ab. Die damit weggefallene Wohnfläche haben sie jetzt als verglasten Erker in Richtung Müncheberger Straße hinzubekommen, außerdem einen großzügigen Balkon und vor allem die Möglichkeit, barrierefrei vom Hauseingang bis in die Wohnung zu gelangen.
Was relativ harmlos klingt, erforderte in der kurzen Bauzeit das koordinierte und reibungslose Zusammenwirken zahlreicher Baugewerke. Aufzugsbau und Fensterbauer, die Durchbrüche vom Keller, der untersten Station, bis ganz nach oben, die neu eingebauten Decken und Wände, die Balkonmontage, die neue Elektroverkabelung und viele andere Abläufe waren von der Planungsgesellschaft Madeyo aus Berlin zu managen. Das verlief in diesem Jahr mit weniger Reibungsverlusten als im Jahr zuvor, als im ersten Bauabschnitt die Eingänge 28 und 29 umgebaut wurden. Denn das war die Premiere für eine ungewöhnliche Investition der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau in die Zukunft.
"Natürlich hätten wir die Blöcke nach ihrer Sanierung 1994 so stehen lassen können, wie sie waren", blickt der kaufmännische Vorstand Heiner Böhme zurück. Doch sah er ab, dass sie in fünf bis zehn Jahren immer schwerer zu vermieten sein würden. Guter Nachfrage erfreuen sich hingegen anspruchsvollere Wohnungen, die besonders für ältere Menschen, aber auch junge Paare zentrale Lage mit Komfort verbinden. "Generationenwohnen nennen wir unser Vorhaben deshalb, weil hier Leute, deren Kinder aus dem Haus sind, mit ihren betagten Eltern unter einem Dach leben können, und zwar jeder in seiner abgeschlossenen Wohnung", sagt Heiner Böhme.
Die Idee zu dem grundlegenden Umbau der Aufgänge, kam von den technisch-kreativen Köpfen der Madeyo Planungsgesellschaft Mathias Tietze und Detlef Dänschel. Ihnen hatten die Aufbau-Vorstände Heiner Böhme und Klaus Weinzierl die alten Planungsunterlagen des Genossenschaftsblockes mitgegeben und um einen Umgestaltungsvorschlag gebeten, der auch noch wirtschaftlich darstellbar sein sollte. Das war 2007, als das Land Brandenburg seben ein Förderprogramm für den Einbau von Aufzügen aufgelegt hatte.
"Das Modell, das sie daraufhin mitbrachten, ließ sich auseinander ziehen und innen betrachten, das hat uns von seinem mutigen Herangehen her sehr beeindruckt", sagt Heiner Böhme. Die Genossenschaft ging das unternehmerische Risiko ein, um mittelfristig Leerstand zu vermeiden, gleichzeitig mit der Investition aber auch den Eingang in die Altstadt architektonisch aufzuwerten. Jetzt erinnert die gegliederte Fassade des vorderen Teils mit ihren verglasten Erkern, Balkonen und Eingängen an eine Stadtvilla. Alle Wohnungen sind vermietet. Viele fragen danach, ob diese Umgestaltung fortgesetzt werde. Das aber können die Genossenschaftsvorstände nicht positiv beantworten, denn die vier Eingänge sind das einzige Eigentum der Aufbau an dieser Stelle.
Die kaufmännischen Rechner haben Aufwand und Refinanzierung durchgerechnet. Nach knapp zwölf Jahren ist die von der Genossenschaft aufgewandte Summe von 733 000 Euro wieder im Kasten, sogar unter dem Umstand, dass die Kaltmiete sechs Euro pro Quadratmeter nicht erreicht.
Die Mieter waren zwischenzeitlich bei Verwandten, in Sommerhäusern oder Gästewohnungen der Genossenschaft untergekommen. Für die Bauphase erhielten sie Mietminderungen.
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