. Bernau Gemacht aus Adams Rippe, das "schwache Geschlecht" - von wegen. Frauen stehen schon lange ihren Mann. In unserer Serie stellen wir starke Frauen aus dem Barnim vor. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und beweisen Stärke auf den verschiedensten Gebieten, aber sie alle sind etwas Besonderes. Heute Teil 6: Doreen Peglau, die mit ihrem Kind den Blutkrebs besiegte.
Als sie ihre kleine Tochter Leonora zum ersten Mal in den Armen hält, fällt Doreen Peglau die kleine Beule an der Augenbraue sofort auf. Doch weder sie, noch die Ärzte sind zu Beginn sonderlich beunruhigt. "Die Ärzte haben vermutet, dass es sich um so etwas wie einen Grützbeutel handelt. Sie meinten bloß, dass die Beule auf das Auge drücken könnte und wollten sie deshalb möglichst schnell entfernen", erinnert sich die Mutter. Nur drei Wochen nach ihrer Geburt wird Leonora operiert.
Danach ist schnell klar, ein harmloser Grützbeutel war es nicht, den die Ärzte entfernt hatten. Das Gewebe wird ins Labor geschickt. Doreen Peglau macht sich immer noch keine allzu großen Sorgen, schließlich war bislang immer alles gut verlaufen. Eine gesunde große Tochter hatte die Bernauerin schon und auch die Schwangerschaft mit Leonora war ganz normal verlaufen. Alle Vorsorgeuntersuchungen hatte sie mitgemacht, etwas Auffälliges hatten die Ärzte nicht gefunden.
Anderthalb Wochen später ist das Ergebnis da. "Der Arzt empfing mich gleich mit dem Satz, dass er leider keine guten Nachrichten habe", erinnert sich Doreen Peglau zurück. Dann die schlimme Diagnose: Ihr Kind hat Leukämie. Doreen Peglau trifft es wie ein Schlag. "Der Arzt hat immer weiter geredet, aber ich war wie benebelt, ich konnte einfach gar nichts mehr aufnehmen. Ich dachte immer nur: Das kann doch nicht sein."
Alles muss plötzlich schnell gehen. Die Ärzte wollen sofort mit der Chemotherapie beginnen. Doch Doreen Peglau erbittet sich ein Wochenende Zeit, will noch ein unbeschwertes Wochenende mit ihren Töchtern verbringen. Die Ärzte willigen ein. "Das mit dem schönen Wochenende hat natürlich gar nicht geklappt. Ich habe gar nicht geschlafen, konnte an nichts anderes denken." Die 29-Jährige informiert sich im Internet über Leukämie, liest seitenweise, was der Krebs anrichten kann im Körper ihrer Tochter. Meistern muss sie die Situation ganz allein. Ihr Freund verlässt sie, als er hört, dass Leonora krank ist.
Dann geht sie mit Leonora ins Krankenhaus nach Berlin-Buch. Auf der Kinderkrebsstation ist es so ganz anders, als Doreen Pagel befürchtet hat. "Alles ist hell und freundlich, es gibt einen Clown für die Kinder und manchmal herrscht dort eine ganz fröhliche Stimmung. Trotz der ganzen schlimmen Sachen, die natürlich auch passieren." Doreen Peglau erinnert sich an einen 14-jährigen Jungen, der den Krebs scheinbar überwunden hatte und entlassen wurde. "Kurze Zeit später bekam er einen Rückschlag, kam zurück und ist gestorben. So etwas wirft einen natürlich um. Aber man findet dort Eltern, die einen verstehen, weil sie es selbst erleben." Für Doreen Peglau ist das ganz wichtig.
Acht Tage dauert die erste Chemotherapie für Leonora. Über einen Katheter bekommt sie das Mittel, das die Krebszellen abtöten soll. Leonoras Blutwerte werden schlechter, sie braucht Bluttransfusionen. Ansonsten übersteht sie die anstrengende Prozedur gut. "Sie war meistens sogar relativ fröhlich drauf, hat gelacht, wenn die Ärzte den Katheter gereinigt haben", erinnert sich Doreen Peglau.
Aber es gibt auch die schlimmen Zeiten. Wenn Leonora sich ständig erbricht, ihr die Haare ausfallen. Die Mutter weicht nicht vom Krankenbett. "Die meiste Zeit funktioniert man einfach. Dann wieder gibt es Zeiten, da fällt man in ein tiefes Loch und kann nicht mehr aufhören zu weinen", schildert die 29-Jährige.
Nach einer zweiten Chemotherapie haben die Ärzte endlich gute Nachrichten für die junge Mutter. Der Krebs hat nicht gestreut. Blut und Knochenmark sind nicht betroffen. Die Prognosen für Leonora sind gut.
Mittlerweile ist die kleine Familie wieder komplett. Während die große Tochter Darleen zur Schule geht, erkundet Leonora mittlerweile krabbelnd ihre Umgebung. Bis auf die kleine Narbe über dem Auge erinnert nichts daran, dass die Kleine noch vor Kurzem so krank war.
Angst vor einem Rückfall verdrängt Doreen Peglau. "Ich versuche, nur nach vorne zu schauen." Mittlerweile kann sie der Krise in ihrem Leben sogar etwas Gutes abgewinnen. "Früher habe ich oft Angst gehabt, ob ich es als junge Mutter mit zwei Kindern alleine schaffe. Aber diese Sache hat mich stark gemacht. Ich sehe viele Dinge jetzt mit ganz anderen Augen."
Und die Bernauerin will anderen helfen. So auch dem Baby Helene aus Berlin. Das zwei Monate alte Mädchen hat eine besonders aggressive Form der Leukämie, braucht dringend einen Knochenmarkspender (www.hilfe-fuer-helene.de). Doreen Peglau hat von Helenes Schicksal gelesen und war sofort berührt. Sie mobilisierte bereits Freunde und Bekannte,sich registrieren zu lassen in der Deutschen Knochenmarkspendedatei. "Vielleicht kann man damit ein Leben retten und dafür lohnt sich der Einsatz doch", findet Doreen Peglau.
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch neu an Leukämie. Diese bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen entsteht im Knochenmark, dem Blut bildenden Organ des menschlichen Körpers. Viele der Patienten sind Kinder und Jugendliche. Häufig gelingt es, die Patienten durch eine Chemotherapie zu retten. Doch nicht immer. In einem solchen Fall ist die Übertragung von gesunden Stammzellen die letzte Chance, das Leben der Patienten zu retten. So auch für die zwei Monate alte Helene. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sucht Spender für Helene. Einen Schnelltest kann man bei der DKMS anfordern ( www.dkms.d e ). Voraussetzung: Spender müssen zwischen 18 und 55 Jahre alt und gesund sein. Stammzellen werden entweder über das Blut oder per Knochen-markentnahme aus dem Beckenknochen entnommen. 1,7 Millionen Spender sind in Deutschland registriert, doch das ist viel zu wenig. Für jeden sechsten Patienten, der eine Stammzellentransplantion benötigt, kann kein geeigneter Spender gefunden werden.
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