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Rotkäppchen hätte Bauklötzer gestaunt

Groß Schönebeck . Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Die über 40 Besucher der dritten Vollmondwolfsnacht im Wildpark ganz gewiss nicht (mehr). In der Nacht zum Sonnabend, 7. Febraur, sind sie den sonst so scheuen Räubern ungemein nah gekommen. Und waren durchweg hellauf begeistert von allem, was sie da zu sehen und zu hören bekamen.

  Im Fackelschein durch den Wildpark: 100 Hektar ist die Anlage gro▀, in der es ein sieben Kilometer langes Wegenetz gibt. Auf dem Weg zum Wolfsgehege kommen die Spaziergõnger an so manchem Gatter vorbei. Knapp 300 Tiere leben in dem Areal. ©

Mit der Veranstaltungsreihe ist der Wildpark-Leiterin Imke Heyter und ihren derzeit neun festangestellten Mitarbeitern ein Volltreffer geglückt. Auch zur dritten Vollmondwolfsnacht sind Gäste aus halb Brandenburg nach Groß Schönebeck gereist. "Der Mythos Wolf lebt", erklärte sich Imke Heyter den Andrang. In Nordeuropa habe der Wolf schon im Mittelalter als böse und verschlagen gegolten. Kaum ein anderes Tier sei daher einem derart starken Jagddruck ausgesetzt gewesen, berichtete die Wildpark-Leiterin, während sich die Neugierigen nebenbei bereits am Büfett bedienten, das in der Kräuterküche aufgebaut war. Der schlechte Ruf des Wolfs wirke bis heute nach, auch wenn er zu 99,9 Prozent unberechtigt sei. "Dies ist das Rotkäppchen-Syndrom", sagte die Gastgeberin der Vollmondwolfsnacht, die bei noch zunehmendem Mond stattfand, weil die Veranstalter sonst bis Montag hätten warten müssen.

Dann ging es im Schein der Fackeln durch den Wildpark bis zum vorderen der beiden Wolfsgehege, in dem neun Tiere leben, die allesamt mit der Flasche aufzogen wurden und damit sozialisiert sind, wie Tierpfleger Benjamin Schütze-Schulze erläuterte. "Wenn wir die Welpen nicht am zehnten Lebenstag von ihren Müttern trennen würden, wären sie nicht mehr an ein Leben in der Nähe von Menschen zu gewöhnen", sagte er. Dann würden sie jeden Zweibeiner instinktiv als Todfeind ansehen und sich auf Nimmerwiedersehen verstecken. Dies sei eine instinktive Reaktion auf den jahrhundertelangen Jagddruck.

Schon auf dem Weg zu den Wölfen war ihr Geheul zu vernehmen, mit dem sie vor allem Zusammengehörigkeit im Rudel bekräftigen. "Irre - ich bekomme Gänsehaut", rief Noah Nauke (7) aus Frankfurt (Oder) aus, dem seine Eltern und sein Opa den Ausflug in den Wildpark spendiert hatten.

"Wer diesen Chorgesang hört, dem ist klar, warum die Wölfe den Menschen früher unheimlich waren", sagte Harald Schaefer aus Angermünde und nahm seine Frau Karla in den Arm.

An dem mit einem 3,50 Meter hohen Zaun geschützten Gehege angekommen, verteilten Imke Heyter Bauchlappen vom Rind und Rippchen so in dem einen Hektar großen Gelände, das die Wölfe im schwachen Mondlicht überall zu sehen waren - wenn auch nur jeweils für Sekunden. Als Erster fasste Timo Mut. Der im vorigen Jahr von der Spitze des Rudels verdrängte Wolf schnappte sich einen Fetzen Fleisch nach dem anderen und bewies damit, dass er sich auch als Nummer zwei behauptet.

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