Petershagen-Eggersdorf . Am Sonntag öffnet der Heimatkundeverein von 14 bis 17 Uhr das Büdnerhaus am Dorfanger. Alle Einnahmen des österlichen Geschenkebasars gehen aufs Konto des Kirchenkronleuchters. Den baut Roland Burkhardt in mühevoller Kleinarbeit wieder auf.
Das wird einmal ganz unten hõngen: Roland Burkhardt zeigt das Schmuckelement, das die Mittelachse abschlie▀t. Foto: GMD/Gerd Markert
Am Anfang war ein undefinierbarer Stahlreifen - Durchmesser 1,60 -, den Roland Burkhardt 1989 auf sein Grundstück schleppte. Damals, als die Schrandtsche Werkstatt von einem Kunstschmied übernommen und zuvor allerhand aussortiert wurde. Gitter für Blumenkästen könnte er draus machen, sinnierte der einst zugezogene Petershagener.
Dann aber lag der ominöse Rundling beinahe 20 Jahre, bevor er eine völlig andere Bedeutung erhalten sollte. Der Heimatverein hatte sich als neues Projekt eine angemessene Deckenbeleuchtung für die Dorfkirche Petershagen ausgesucht und in Pfarrer Christoph Schlemmer einen Fürsprecher gefunden.
Denn den schmiedeeisernen Kronleuchter von 1913, der sich so gut in das außergewöhnliche Dekor der 1910 erbauten Kirche eingefügt hatte, gab es seit den 1970er Jahren nicht mehr. Er war bei umfangreichen Sanierungsarbeiten abmontiert worden und nie wieder aufgetaucht.
Doch es gab ja Roland Burkhardt, historisch interessiert und mit goldenen Händen, den fast besessenen Bastler, Sammler und universellen Handwerker, der bei so einem ehrgeizigen Unterfangen helfen könnte. Der alte Stahlreifen erschien diesem als Grundelement eines solchen Kronleuchters geeignet. Dass "alte" Kirchen-Kenner darin dann den verschollen geglaubten Basis-Ring des früheren Kronleuchters erkannten - was für ein Zufall!
Die Bestätigung fand Bärbele Buchmann auf einem alten Foto von 1938 im Schulmuseum. An diese schwer erkennbare Vorlage - inzwischen im Keller am Computer bearbeitet und vergrößert - ließe sich anknüpfen. Doch Einzelheiten zu erkennen, fiel schwer. "Das war 2002 und mancher Heimatfreund war schon mutlos geworden", schildert die Heimatfreundin.
Roland Burkhardt aber ließ der Kirchenkronleuchter keine Ruhe mehr. Er fand beim Stöbern auf dem Kirchenboden einige wenige Originalteile. Ein weiterer Zufall führte eine alte Dame in die Kirche, als er gerade Fotos machte. "Sie konnte sich an Details wie z. B. Blütenkelche erinnern, die ich auf dem alten Foto dann entsprechend identifizieren konnte", erzählt der gelernte Steinmetz und spätere Kupferschmied in einer Brauerei.
Detail für Detail kam so in Wochen und Monaten hinzu, bis das Bild des Kronleuchters wieder nahezu exakt bestimmbar war. Ein maßstabsgerechtes Modell, das Roland Burkhardt in 64 Stunden baute, überzeugte schließlich auch den Gemeindekirchenrat. Er gab grünes Licht.
Das gewaltige runde Basis-Element des Kronleuchters hat Roland Burkhardt in seiner winzigen Werkstatt ganz nach hinten verdrängt. Es ist ja bereits fertig und stört nur bei den anderen Arbeiten. Denn längst hat der fast 69-Jährige in zahllosen Stunden weitere Segmente für den riesigen Beleuchtungskörper der Dorfkirche fertig gestellt.
In einer Ecke wartet der Baldachin, in einer anderen liegen die 16 doppelten Leuchterarme mit Kerzen und gestapelte Rosetten, die den unteren Reifenrand schmücken werden. Anstelle des schweren Stahlblechs fertigt Roland Burkhardt aus Kupferblech die notwendigen 80 Glöckchen, 192 Blätter, 24 Blütenkelche, 16 Blumen, 56 Kugeln.
"Zum Schluss wird der Leuchter dennoch etwa 120 Kilo wiegen", schätzt er. Immerhin: Nur die Hälfte des Gewichts des einstigen Leuchters, der schmiedeeisern war und mit Gegengewichten versehen, um ihn per Flaschenzug zum Kerzenanzünden nach unten und oben ziehen zu können. Seine Abmaße: 2.90 mal 2,10 Meter.
Am Sonntag wird Kati Frädrich mit Kindern Gläser gravieren - für den fast fertigen Kronleuchter. 3000 Euro sollen zusammenkommen - kaum adäquat für die Leistung Burkhardts. Der aber ist froh, den merkwürdigen Reifen behalten zu haben.
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