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"Weil jede Stimme zählt"

. Im Straßenbild sind die Plakate, mit denen die Parteien um Stimmen zur Europawahl werben, nicht zu übersehen. Obwohl mittlerweile mehr als die Hälfte der in der Bundesrepublik geltenden Gesetze aus Brüssel kommt, hält sich die Wahlbeteiligung seit Einführung der Abstimmung in Grenzen. Brüssel sei weit weg und die Funktionsweise der Europäischen Union zu abstrakt, lauten gängige Begründungen für die mangelnde Begeisterung. Auch unter den Studierenden der Europa-Universität Viadrina sind die Meinungen geteilt. Dennoch wollen viele am 7. Juni wählen und mitbestimmen in Europa.

  Reden ³ber Europa: Remigiusz Ratajczak, Natalia Kaczmarek, Agata Zimnoch und Signe Hohw³ Olesen (von links) am Sprachenzentrum der Viadrina. ©

Wenn am kommenden Sonntag die Abgeordneten für das Europäische Parlament in Deutschland gewählt werden, können viele Studierende der Europa-Universität mitbestimmen.

Daniel Ambach, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeiner Studierenden Ausschuss (AStA), betont: "Für uns an der Viadrina sind Umgang und Austausch mit vielen verschiedenen Nationen und Kulturen alltäglich." Er ist überzeugt, "dass die, die sich an der Wahl beteiligen, konkrete Forderungen an die Politik der EU haben."

Vor allem die Debatte um die Einführung des Euro und die Frage, ob die Türkei der Europäischen Union angehören soll, bewegt derzeit Signe Hohwü Olesen. Abstimmen wird die 20-Jährige am Sonntag in der Dänischen Botschaft in Berlin.

Umweltthemen, Bildung und Datenschutz sind Hanna Dede wichtig. Für wen sie sich entscheidet, weiß die 21-Jährige, die aus Norddeutschland zum Studieren an die Oder gezogen ist, noch nicht. Bis Sonntag will sie deshalb Wahlprogramme vergleichen.

Rund um die Europawahl fanden verschiedene Veranstaltungen an der Viadrina statt, bestätigt Annette Bauer, Pressesprecherin der Europa-Universität. "Die Studierenden waren sehr aktiv und haben selbst viel auf die Beine gestellt um ihre Kommilitonen zu informieren."

Auch in den Landeskunde-Kursen am Sprachenzentrum stand das Thema Europa in diesem Semester auf dem Lehrplan. Doris Lütjen, die Studierenden aus aller Welt die deutsche Sprache beibringt, hat festgestellt, dass die Europawahl bei ausländischen Studenten durchaus auf Interesse stößt. Jedoch sei das Prozedere im Einzelfall oft umständlich, hat die Dozentin beobachtet. "Manche können in ihrem Konsulat wählen, andere müssen in ihre Heimatländer fahren."

Dafür hatten Natalia Kaczmarek und Agata Zimnoch keine Zeit. "Leider haben wir es auch verpasst, uns rechtzeitig in Slubice zu melden", sagen die Austauschstudentinnen aus Poznan, die gern für Kandidaten aus ihrem Land gestimmt hätten. Von der EU wünschen sie sich vor allem Antworten auf die Wirtschaftskrise.

Dass auf ihrem Wahlzettel vor allem deutsche Parteien stehen, stört Marcella Dzienieska nicht. Weil die Polin hier gemeldet ist, kann sie bequem im Wahllokal in Frankfurt abstimmen. Sich an der Europa-Wahl zu beteiligen ist für die Wirtschaftsstudentin Pflicht, "weil jede Stimme zählt."

Ihr Landsmann Remigiusz Ratajczak ist sich noch nicht sicher, ob er sein Wahlrecht nutzt. "Ich hatte noch keine Zeit mich zu informieren und weiß gar nicht, wer die Kandidaten sind."

Als Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung ist Ulyana Feshko bestens über die Europawahl informiert. Die 24-Jährige studiert in Frankfurt Jura und würde gern wählen. "Die Menschen in der EU wissen gar nicht mehr, was es bedeutet für jede Reise ins Ausland ein Visum zu beantragen.", seufzt die Ukrainerin.

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