. Biesenthal Was wird künftig sein? Kann es eine bessere Welt geben, mit mehr Menschlichkeit und einer solidarischen Ökonomie, fragten sich Besucher des Biesenthaler Kulturbahnhofs zum Abschluss des Filmfestivals "Über Morgen".
Gerade hatten sie den zweistündigen Film "LIP oder die Macht der Phantasie" gesehen, der in Rahmen des bundesweiten Filmfestivals "Über Morgen" aufgeführt wurde. Ulf Martin vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac in Berlin moderierte am Sonntag die Gesprächsrunde über den französischen Dokumentarfilm, die von den 70er-Jahren erzählt. Dargestellt wird darin der Kampf der Arbeiter und Angestellten der Uhrenfabrik LIP in Besançon für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Initiativreich und engagiert organisieren sie sich, erreichen zeitweilig Erfolge und scheitern schließlich ohne wirkliches Konzept, organisatorisches Rückgrat und ausreichend Kapital. Übrig geblieben seien wohl kleine Kooperativen zur Uhrenproduktion unter dem Namen LIP, hieß es.
Martins Frage, ob der Film für die Gegenwart reale Möglichkeiten enthalte, wurde unterschiedlich beantwortet. Lena Dittman aus Schleswig-Holstein fand den Film spannend. Das Thema sei ihr aus Südamerika bekannt. Wendy Vig aus Berlin sagte, dass LIP "ein Superfilm" sei. Er zeige, dass Menschen aus sich heraus in der Lage sind, etwas Neues zu machen, wenn sie verstehen, dass der Arbeitsplatz Teil ihres Lebens ist. Anne Schulz aus Biesenthal hält gemeinschaftliche Energie und Zusammenhalt für notwendig. "Heute wird aber die Vereinzelung des Menschen angestrebt", sagt die Bildhauerin. Im geförderten Trend zur Selbstständigkeit, einer modernen Form der Ausbeutung, komme das zum Ausdruck, meint Anne Schulz.
Die Perspektivlosigkeit von industriellen Kooperativen und Manufakturarbeit habe sich bereits in der Geschichte gezeigt, verwies eine andere Stimme auf die Versuche des kritisch utopischen Sozialisten Robert Owen (1771-1858). Der philanthropische und utopische Visionär scheiterte schließlich nach 1825 in den USA mit seiner Kolonie New Harmony - wie andere auch.
Zahlreiche Besucher interessierten sich für die insgesamt 13 Filme, die bei "Über Morgen" im Biesenthaler Kulturbahnhof gezeigt wurden. Es seien etwa 500 Besucher gewesen, schätze Josephine Löwenstein. Den größten Zuspruch hatte der Film "Unser Planet" erfahren, sagt die engagierte Biesenthalerin. Ebenso stark diskutiert worden sei der Streifen "Jesus Camp", wo es um die Vermischung von Politik und Religion und die Sektenbehandlung von Menschen geht. Bei "Eggesin", einem Militärstandort mit ostdeutscher Geschichte, standen Perspektiven von Menschen im Mittelpunkt. Andere Filme hießen "Paradies Europa", "Der dunkle Schirm", "Mit 25 geht´s bergab" oder "Hinter dem Zuckervorhang".
All diese Filme haben nichts mit gängigen kommerziellen Kinoware zu tun. "Uns bewegen reale Sorgen um Menschlichkeit und Arbeit", hob Josephine Löwenstein hervor. "Deshalb überlegen und fragen wir", sagt sie.
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