Samstag, 4. Februar 2012

Frankfurt
bedeckt
-9°C/-7°C

03.07.2009 19:36 Uhr

artikel-ansicht/dg/0/

Hunderte verwahrloste Tiere

. und Dietmar Rietz

  Katastrophale Zustõnde: Wie dieser Hund leben Hunderte Tiere in M÷nchehof eingepfercht und vernachlõssigt. Foto: Aktion Tier ©

Prenzlau In einem Uckermark-Dorf halten Tiermessis schätzungsweise 250 Tiere auf einem verwahrlosten Grundstück. Tierschützer laufen Sturm gegen die Zustände auf dem Hof, auf dem Heike B. mit ihrem Sohn lebt. Sie haben jetzt Strafanzeige gestellt.

Das etwa 2000 Quadratmeter große Anwesen liegt, isoliert von der übrigen Wohnbebauung, am Rand von Mönchehof, einem Ortsteil von Grünow bei Prenzlau (Uckermark). Ein Wirrwarr aus provisorischen Tiergehegen umgibt ein kleines, heruntergekommenes Haus und mehrere laienhaft zusammengeschusterte Schuppen. Mitten im Chaos aus Müllbergen, alten Wohnwagen, kaputten Möbeln, Tierbehausungen und einem Haufen Bauschutt vegetieren Tiere - und Heike B. mit ihrem Sohn. Tierschützer haben den Hof seit Jahren im Visier. Letztmals Ende Juni haben sie die Zahl der verwahrlosten Tiere geschätzt: ein Dutzend zum Teil angeketteter Bernhardiner, Deutsche Doggen, Bobtails, rund 30 Chihuahua, Dackel, Pinscher und Französische Bulldoggen, zwei Minischweine und Kaninchen, eingesperrt in kleine Ställe. Dazwischen Massen von Hühnern, Enten und Tauben, einige Pfauen, Puten und Perlhühner.

Auf den benachbarten kahlgefressenen und verunkrauteten Weideflächen suchen etwa 50 Schafe und Ziegen, sowie mehrere Rinder, Kälber und Lamas nach den letzten verwertbaren Grashalmen. Als Stall dient ein ausrangierter, rostiger Wohnwagen. Als "Aktion Tier" alarmierende Fotos aus der Uckermark zugespielt wurden, gingen die Tierschützer in die Offensive und riefen Polizei und Veterinäramt auf den Plan.

"Wir haben es hier mit einem typischen Fall von krankhaftem Tiersammeln zu tun", sagt Ursula Bauer von der "Aktion Tier". "In miserabelsten hygienischen Verhältnissen leben hier anscheinend weitere Kleinhunde, zum Teil ohne Wasser und Futter in winzigen Käfigen eingesperrt. Durch die Anhäufung von Tieren verschiedenster Arten werden selbst Mindeststandards der Tierhaltung nicht mehr eingehalten." Der Wohnbereich der Menschen und die Aufenthaltsräume der Tiere seien mit Kot, Abfall und Müll verschmutzt, beschreibt die Biologin die Zustände. Der Tierbestand sei erheblich vernachlässigt. Es gebe kranke und verletzte Tiere. Die Ernährung sei sichtbar mangelhaft. Ursula Bauer kommt zu dem Schluss: "Wie allen Tiermessies fehlt auch dieser Frau die Einsicht, dass ihre Tierhaltung Tierquälerei ist." Dabei war sie einst Leiterin eines Tierheims.

Die selbst von außen erkennbaren Defizite in der Tierhaltung sind nach Meinung der Tierschützer Grund genug, den gesamten Tierbestand sofort zu beschlagnahmen. "In der Konsequenz müsste nach der Wegnahme dann auch ein Tierhalte- und Tierbetreuungsverbot ausgesprochen werden, damit ,Animal Hoarder e_SSLq wie die Frau in Mönchehof und ihr Sohn nicht sofort wieder ihrer krankhaften Sammelleidenschaft frönen", fordert die Biologin Ursula Bauer.

Seit 2003 kontrolliert das Veterinäramt des Landkreises Uckermark die Tierhaltung in Mönchehof und erteilte bereits mehrfach Auflagen. Im einem Protokoll zu einer Tierschutzkontrolle vom 15. März 2007 schrieb der zuständige Amtstierarzt Dr. Achim Wendlandt damals, dass die Besitzerin die Hundehaltung nicht mehr ausreichend überschaut, da sie die genaue Anzahl ihrer Hunde nicht kennt. Er schlug schon vor zwei Jahren vor, die Anzahl der Hunde von damals 69 auf zehn zu reduzieren. Bei der jüngsten Kontrolle vor wenigen Tagen vegetierten auf dem Messie-Hof immer noch 38 Hunde. "Trotzdem hat der Amtsveterinär auch am 29. Juni nichts unternommen", klagt Ursula Bauer. Den Tieren ginge es seiner Ansicht nach gut, kleinere Missstände würde man mit Auflagen beheben können.

Die "Aktion Tier" stellte darauf hin Strafanzeige gegen die beiden Hofbetreiber. Da der zuständige Amtstierarzt nach Meinung der Tierschützer "gravierende Verstöße gegen Tierschutzvorschriften" nicht konsequent und sofort unterbunden hat, erwägt der Verein nun auch eine Strafanzeige wegen Unterlassung gegen die Behörde.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

26.01.2012 06:31 Thema

Beschwerde gegen Amtstierarzt

Uckermark (MOZ) Bürger wendet sich an Dienstaufsicht Gegen den uckermärkischen Amtstierarzt Dr. Achim Wendlandt sowie gegen die Leiterin des Gesundheits- und Veterinäramts... mehr

01.02.2012 07:20 Thema

Fehlerhafter Bußgeldbescheid

Uckermark (MOZ) Niederlage des Veterinäramts wegen Verstoß gegen das Tierkörperbeseitigungsgesetz im Fall Frauenhagen Im Fall der verwahrlosten Tierherde in Frauenhagen... mehr

24.01.2012 21:01 Thema

Jahrelange Prozesse gegen Tierhalter

Uckermark (MOZ) Frauenhagener Herde wird reduziert / Neue Eigentümerin sucht Gespräch mit Landrat / Kühe bekommen Tränken Gemeinsam mit der neuen Tierhalterin will... mehr

Aus der Region
04.02.2012 07:56

Kreisverkehr hält Dornröschenschlaf

Pinnow (MOZ) Neue Protestaktionen am Kreisverkehr bei Pinnow kündigt die Bürgerinitiative Kreisel 21 an. Deren Mitglieder fühlen sich von der Politik verschaukelt. Zwar ist der geplante und heftig umstrittene Bau einer Kreuzung auf der B 2 zwischen Angermünde und... mehr

04.02.2012 07:30

Gelungene Auswahl

Eisenhüttenstadt (MOZ) Bis zum 5. Februar können die Leser der Märkischen Oderzeitung für ihre Athleten zur Wahl der populärsten Sportler des Kreises stimmen. Die MOZ stellt... mehr

04.02.2012 07:27

Winterharte Mutterkühe auf eiskalter Weide

Neuzelle (MOZ) Nachttemperaturen bis zu minus 17 Grad Celsius lassen uns derzeit bibbern - doch den Kühen der Agrargenossenschaft Neuzelle scheint die sibirische... mehr

04.02.2012 07:00

Die Zwickmühle von Jamikow

Jamikow (MOZ) Von außen macht das Gutshaus in Jamikow noch immer etwas her. Es ist der Mittelpunkt des Dorflebens. Das gilt aber nur für das sanierte Erdgeschoss.... mehr

04.02.2012 06:59

Auf rutschendem Berg wird gebaut

Lebus (MOZ) Soll das Bauprojekt auf dem historischen Turmberg "durchgezogen" werden, obwohl der Berg seit dem vorigen Jahr so stark abrutscht wie lange nicht? Die... mehr

04.02.2012 06:50

Fluglärm bereitet Bürgern Sorgen

Gosen/Erkner (MOZ) Künftig vom Schönefelder Fluglärm betroffene Bürger aus Gosen-Neu Zittau, Erkner und Wernsdorf sowie Vertreter von Bürgerinitiativen haben am Freitag... mehr

04.02.2012 06:49

Eigentümer müssen zahlen

Bad Saarow/Reichenwalde/Langewahl (MOZ) Unmut in der Gemeindevertretung von Bad Saarow hat die Beitragserhöhung des Wasser- und Landschaftspflegeverbands "Untere Spree" hervorgerufen. Vor... mehr

04.02.2012 06:30

Debatte zu Untersuchungen

Vogelsang (MOZ) Über die geplanten seismischen Untersuchungen zur Erforschung von unterirdischen Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten will am Donnerstag der Amtsausschuss... mehr

04.02.2012 06:19

Größte Zuwendung an tanzende Botschafter

Altlandsberg (MOZ) Ohne rührige Vereine in den Ortsteilen wäre das gesellschaftliche Leben in der Stadt um ein Vielfaches ärmer. Die Stadt unterstützt daher jedes Jahr... mehr

04.02.2012 06:14

Zwei Frauen archivieren Jahrhunderte

Herzfelde (MOZ) Die Informationen aus der Arbeitsgruppe Herzfelder Chronik sind heiß begehrt. Fast wöchentlich kommen Anfragen nach Zeitdokumenten hinter aktuellen... mehr


Regionalnavigator

Angermünde Bad Freienwalde Beeskow Bernau Eberswalde Eisenhüttenstadt Erkner Frankfurt (Oder) Fürstenwalde Schwedt/Oder Seelow Strausberg

Ort, PLZ oder Redaktion



Regional

© 2010 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG
...