. und Dietmar Rietz
Katastrophale Zustõnde: Wie dieser Hund leben Hunderte Tiere in M÷nchehof eingepfercht und vernachlõssigt. Foto: Aktion Tier
Prenzlau In einem Uckermark-Dorf halten Tiermessis schätzungsweise 250 Tiere auf einem verwahrlosten Grundstück. Tierschützer laufen Sturm gegen die Zustände auf dem Hof, auf dem Heike B. mit ihrem Sohn lebt. Sie haben jetzt Strafanzeige gestellt.
Das etwa 2000 Quadratmeter große Anwesen liegt, isoliert von der übrigen Wohnbebauung, am Rand von Mönchehof, einem Ortsteil von Grünow bei Prenzlau (Uckermark). Ein Wirrwarr aus provisorischen Tiergehegen umgibt ein kleines, heruntergekommenes Haus und mehrere laienhaft zusammengeschusterte Schuppen. Mitten im Chaos aus Müllbergen, alten Wohnwagen, kaputten Möbeln, Tierbehausungen und einem Haufen Bauschutt vegetieren Tiere - und Heike B. mit ihrem Sohn. Tierschützer haben den Hof seit Jahren im Visier. Letztmals Ende Juni haben sie die Zahl der verwahrlosten Tiere geschätzt: ein Dutzend zum Teil angeketteter Bernhardiner, Deutsche Doggen, Bobtails, rund 30 Chihuahua, Dackel, Pinscher und Französische Bulldoggen, zwei Minischweine und Kaninchen, eingesperrt in kleine Ställe. Dazwischen Massen von Hühnern, Enten und Tauben, einige Pfauen, Puten und Perlhühner.
Auf den benachbarten kahlgefressenen und verunkrauteten Weideflächen suchen etwa 50 Schafe und Ziegen, sowie mehrere Rinder, Kälber und Lamas nach den letzten verwertbaren Grashalmen. Als Stall dient ein ausrangierter, rostiger Wohnwagen. Als "Aktion Tier" alarmierende Fotos aus der Uckermark zugespielt wurden, gingen die Tierschützer in die Offensive und riefen Polizei und Veterinäramt auf den Plan.
"Wir haben es hier mit einem typischen Fall von krankhaftem Tiersammeln zu tun", sagt Ursula Bauer von der "Aktion Tier". "In miserabelsten hygienischen Verhältnissen leben hier anscheinend weitere Kleinhunde, zum Teil ohne Wasser und Futter in winzigen Käfigen eingesperrt. Durch die Anhäufung von Tieren verschiedenster Arten werden selbst Mindeststandards der Tierhaltung nicht mehr eingehalten." Der Wohnbereich der Menschen und die Aufenthaltsräume der Tiere seien mit Kot, Abfall und Müll verschmutzt, beschreibt die Biologin die Zustände. Der Tierbestand sei erheblich vernachlässigt. Es gebe kranke und verletzte Tiere. Die Ernährung sei sichtbar mangelhaft. Ursula Bauer kommt zu dem Schluss: "Wie allen Tiermessies fehlt auch dieser Frau die Einsicht, dass ihre Tierhaltung Tierquälerei ist." Dabei war sie einst Leiterin eines Tierheims.
Die selbst von außen erkennbaren Defizite in der Tierhaltung sind nach Meinung der Tierschützer Grund genug, den gesamten Tierbestand sofort zu beschlagnahmen. "In der Konsequenz müsste nach der Wegnahme dann auch ein Tierhalte- und Tierbetreuungsverbot ausgesprochen werden, damit ,Animal Hoarder e_SSLq wie die Frau in Mönchehof und ihr Sohn nicht sofort wieder ihrer krankhaften Sammelleidenschaft frönen", fordert die Biologin Ursula Bauer.
Seit 2003 kontrolliert das Veterinäramt des Landkreises Uckermark die Tierhaltung in Mönchehof und erteilte bereits mehrfach Auflagen. Im einem Protokoll zu einer Tierschutzkontrolle vom 15. März 2007 schrieb der zuständige Amtstierarzt Dr. Achim Wendlandt damals, dass die Besitzerin die Hundehaltung nicht mehr ausreichend überschaut, da sie die genaue Anzahl ihrer Hunde nicht kennt. Er schlug schon vor zwei Jahren vor, die Anzahl der Hunde von damals 69 auf zehn zu reduzieren. Bei der jüngsten Kontrolle vor wenigen Tagen vegetierten auf dem Messie-Hof immer noch 38 Hunde. "Trotzdem hat der Amtsveterinär auch am 29. Juni nichts unternommen", klagt Ursula Bauer. Den Tieren ginge es seiner Ansicht nach gut, kleinere Missstände würde man mit Auflagen beheben können.
Die "Aktion Tier" stellte darauf hin Strafanzeige gegen die beiden Hofbetreiber. Da der zuständige Amtstierarzt nach Meinung der Tierschützer "gravierende Verstöße gegen Tierschutzvorschriften" nicht konsequent und sofort unterbunden hat, erwägt der Verein nun auch eine Strafanzeige wegen Unterlassung gegen die Behörde.
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