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09.07.2009 08:00 Uhr

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Neuanfang statt Abrissbagger

. Aus drei Hochhäusern mitten in Frankfurt soll ein Ort für gemeinsames Wohnen werden. Die Wohnungswirtschaft hat gestern Abend ihr Projekt für eine Neugestaltung des Pablo-Neruda-Blocks 1-4 den Mietern vorgestellt. 62 Frauen und Männer folgten der Einladung in das Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Viadrina. Am kommenden Mittwoch soll das Vorhaben bei einer Bürgerwerkstatt weiter besprochen werden.

Eine ausgewogene soziale Mischung in den vier Hochhäusern ist das Ziel des Umbaus, wie Architekt Mathias Tietze vom Berliner Planungsbüro Madeyo erläuterte. Es gehe zudem darum, die Gebäude langfristig vermieten zu können, ergänzte Wowi-Geschäftsführer Ronald Schürg. Mit dem Projekt beschreite der Großvermieter nicht den üblichen Weg, sondern wolle Mieter und andere Interessierte möglichst früh in das Vorhaben einbeziehen. Wenn die Planungen weiter vorangeschritten sind, sollen Förderanträge gestellt werden, möglicherweise werde das Pilotvorhaben für soziales Wohnen auch durch eine brandenburgische Spezialförderung unterstützt. Die Kosten veranschlagt die Wowi zum jetzigen Zeitpunkt auf 19,6 Millionen Euro. Miethöhen könne er noch nicht nennen, sagte Schürg. Dem Vermieter sei aber bewusst, dass die Mieten bezahlbar bleiben müssten.

In den Häusern sollen sich mit dem Umbau 70 Wohnungen weniger als die heutigen 328 befinden, wie Tietze erläuterte. Es werde ganz verschiedene Grundrisse geben, vor allem seien Zweiraumwohnungen geplant. Auf die Frage eines Mieters, ob die Grundrisse auch anzusehen wären, kündigte Tietze an, dass dies beim Bürgerforum möglich sein soll.

Dabei soll es auch um Umzüge gehen, die während des Umbaus nötig werden könnten. Schürg sicherte den Mietern zu, dass individuelle Lösungen gefunden werden sollen. Das werde auch für Mieter angestrebt, die in der Vergangenheit mit Einwilligung der Wowi aufwändige Umbauten in ihren Wohnungen vorgenommen hätten. Sorgen der Mieter, das mit dem Umbau die Statik der Häuser in Gefahr geraten könne, trat der Architekt entgegen: Dies sei bei der Projektierung selbstverständlich gründlich geprüft worden.

Neben Wohnungen sollen Begegnungsorte für die Bewohner in dem Haus Platz finden. Ein Privatgymnasium und Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind geplant. Daneben sollen über einen Concierge Dienstleistungen vermittelt werden. Manche Mieter befürchteten mit den Neuerungen mehr Lärm im Haus. Ganz konnte Geschäftsführer Schürg diese Bedenken nicht zerstreuen, sagte aber zu, dass nach 22 Uhr keine Veranstaltungen in den Gemeinschaftsräumen mehr stattfinden sollen.

Schürg und der als Vermittler zwischen Vermietern und Mietern gewonnene frühere Sozialdezernent Christian Gehlsen warben aber auch um Geduld und Engagement. Mit dem Vorhaben bestehe die Möglichkeit, etwas ganz Neues in Frankfurt zu schaffen, sagte Gehlsen. Damit ergebe sich auch die Möglichkeit, sich für das Projekt einzusetzen. Er wolle diesen Prozess gern begleiten. Gehlsen schlug monatliche Treffen vor, um weiter im Gespräch zu bleiben.

Gespräche wünschten sich auch Vertreter des Mehrgenerationenhauses Mikado schräg gegenüber. Die Pläne für den Pablo-Neruda-Block hätten für einige Verwirrung gesorgt, berichtete ein Mitarbeiter. Auf Unverständnis sei gestoßen, dass in den Hochhäusern auch ein "Haus der Generationen" enstehen soll, unter anderem mit einer Selbsthilfewerkstatt. Der Architekt gab zur Antwort, dass diese Angebote die des Mikado ergänzen sollten. Ohnehin gehe es nicht darum, mit dem Pablo-Neruda-Block Bestehendem Konkurrenz zu machen.

Die Bürgerwerkstatt findet am 15. Juli ab 18 Uhr im Gräfin-Dönhoff-Gebäude statt.

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