Bralitz . Mitglieder des Künstlervereins Kopflos aus Hannover richten zum siebten Mal in Folge ihren 14-tägigen Sommerworkshop im ehemaligen Bahnhof Bralitz aus. Zur Aktmalerei am Sonntag waren Künstler aus der Region eingeladen. Heiner Wörl, Hobbymaler aus Harnekop, war der Einladung als einziger gefolgt.
Modell Ute aus Hannover braucht dringend eine Pause. Seit Stunden muss sie je nach Wunsch in wechselnden Posen vor einem Nebengebäude des Bralitzer Bahnhofs jeweils zwischen fünf und 20 Minuten ausharren. Das schlaucht. Ihre Füße schmerzen wegen des Splits auf dem Boden. "Sie muss die Köperspannung halten, das geht auf die Muskulatur", sagt Susanne Hornig. Sie müsse testen, in welcher Pose sie es länger aushält.
Um das Modell herum haben Susanne Hornig, Ralf Ludewig, Dieter Zawischka, Heiner Wörl und Peter Hoffmann-Schoenborn ihre Staffeleien aufgestellt.Sie halten ihre Sicht auf den Körper des Models mit dem Zeichenstift fest. "Ich nutze den Workshop als Übung für Körperstudien", erklärt Susanne Hornig, die eigentlich Bildhauerin ist. Die Proportionen des Körpers müssen ausgewogen sein. Susanne Hornig arbeitet meist mit Kalkstein und Marmor. Ob die Zeichnungen als Grundlagen für Skulpturen dienen, weiß sie noch nicht.
Auffällig ist die Ruhe, jeder Künstler konzentriert sich auf seine Arbeit. Im Hintergrund dringt aus einem Rekorder brasilianischer Bossa-Nova. Die Atmosphäre ist entspannt.
"Wir haben alle einen Brötchenberuf", sagt Hoffmann-Schoenborn, der bei der Immobilienverwaltung des Bundes arbeitet. Auch ein ehemaliger Physik-Professor sei dabei. Die Kunst sei eine Nebenbeschäftigung, die die Männer und Frauen verbindet. In Hannover befindet sich ihr Atelier in einer ehemaligen Bettfedernfabrik. In Bralitz genießen sie die Ruhe und die Weite der Landschaft. "Wir fahren auch mit dem Rad an der Oder entlang und haben das Kloster Chorin besucht", so Hoffmann-Schoenborn. Nicht nur Malen ist angesagt, sondern Erholung vom Stadtleben.
Per Zufall über Mund-zu-Mund-Propaganda - "einer kennt einen und der kennt wieder einen" - sei der Verein Kopflos vor sieben Jahren auf Bad Freienwalde aufmerksam geworden.
Heiner Wörl kam durch einen Artikel in der MOZ auf die Idee, am öffentlichen Aktmalkurs teilzunehmen. "Ich male vor allem Landschaften in Aquarell und Tiere", sagt der Harnekoper. Er habe häufig bei einem Malverein in Seelow mitgemacht. Es sei ihm inzwischen zu weit, dorthin zu fahren. Deshalb nahm er gern das Angebot in Bralitz wahr.
Hoffmann-Schoenborn hebt die besonders gute Zusammenarbeit mit der Bad Freienwalder Stadtverwaltung hervor, die den Künstlern bei der Motivsuche hilft. Weil es zum Ende des Workshops eine Ausstellung in der AHG Klinik und Moorbad geben wird, haben die Künstler als Verneigung vor Bad Freienwalde Motive wie das Kurmittelhaus, die Stier-Skulptur oder eine alte Schmiede an der Grünstraße gemalt.
Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr im Foyer der AHG Klinik und Moorbad. Die Laudatio hält Ulrich Weyel.
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