. Wer sich in Schwedt umschaut könnte meinen er sei nicht im Krisental, sondern in Boomtown. Das Leipa-Kraftwerk wächst in die Höhe. Hinterm alten Markt drehen sich Krane für das bei den Schwedter schon gut nachgefragte Haus Polderblick. Am Brechtplatz und in der Berliner Straße werden neue Häuser hochwachsen. Allein auf diesen drei Baustellen investiert die Wohnbauten GmbH satte zehn Millionen Euro. Die gleiche Summe gibt das zweite große Wohnungsunternehmen aus, das das Lindenquartier auf dem ehemaligen Gaswerksgelände hochzieht. Derzeit wird die ehemalige Geriatrie entkernt und abgerissen. Für den Schwedter Bürgermeister klare Anzeichen für den Strategiewechsel beim Stadtumbau. Moderne Wohnungen mit guten Zimmerschnitten und komfortabler Ausstattung werden stärker in der Stadt nachgefragt. Die Großvermieter reagieren darauf, ziehen auf dem Feld nach, wo bislang vorrangig Privatinvestoren die Claims abgesteckt hatten. Dass zum Beispiel die Wohnbauten GmbH dazu in der Lage ist, hatte die Mannschaft von Geschäftsführer Manfred Wilke allerdings längst schon bewiesen. Am Waldrand stehen - preisgekrönt - Stadtvillen ähnliche Häuser. Aber auch die Wohnungsbaugenossenschaft hat längst Erfahrungen gesammelt. Auf breiter Front umgebaute Plattenwohnungen. Bürgermeister Polzehl glaubt: "Die Tür zum Neubau ist weit geöffnet worden. Die Krise wird als Chance genutzt, es wird investiert."
Aber auch anderenorts wird geklotzt. Die Lebenshilfe schafft den Hort im Eislerweg. Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk Lazarus ist aktiv, ebenso ackern Privatleute an Bauobjekten.
Dank des Geldregens aus dem Konjunkturpaket II hofft die Stadtverwaltung jetzt darauf, dass sogar schwierige Projekte wie die neue Dreiklanghalle als "Konjunkturbonbon" bezahlbar sind.
Aber es wird auch abgerissen. Verschwunden sind das Lenné-Gymnasium, Häuser in der Uckermärkischen Straße, in der Dobberziner und in der Kummerower. Im September wird Baufreiheit auf dem Brechtplatz geschaffen.
Die vielfältig nutzbare Fläche vor der Schlosspark-Schule ist fertig gestellt. Die Runderneuerung des Kosmonauten beginnt im August. Am Ende soll er neben der Musik- und Kunstschule nicht als hässliches Entlein stehen, sondern mit neuen Fenstern, Türen und außen pink besser glänzen. Bleiben noch der Sporthallenboden und ein paar andere Kleinigkeit sowie die derzeit leere Gaststätte im Haus.
Unter dem Schirm des Förderprogramms "Soziale Stadt" angesiedelt worden ist die Ertüchtigung des Freizeit- und Sportzentrums Külzviertel. Das Hallendach ist fertig. Der Sportplatz wird am 28. August eingeweiht. Ab November wird das Sozialgebäude auf Vordermann gebracht. Polzehl scherzt: "Wenn Schwedt dann nicht Stadt des Sports wird bei unserer Sportleistungsklasse und Vereinsdichte, weiß ich auch nicht mehr weiter."
Der Stadtumbau ist längst auch in der Altstadt und rund um die Lindenallee angekommen. Der Pikant-Platz nahe der Stadtparkhochhäuser ist fertig. Als das jüdische Ritualbad kürzlich für jedermann zu bestaunen war, hatte Museumsleiterin Anke Grodon vom vielen Erklären einen rauen Hals. So viele Leute wollten sehen und bestaunen, was lange verschlossen war.
Im Kietz sind die Wenden- und die Fischerstraße längst fertig, die Bau-Unbequemlichkeiten abgehakt. Weiter geht es im dritten Quartal dieses Jahres Am Kietz, einschließlich der Gehwege und des erforderlichen Sandfangs.
Ein paar Schritte weiter ziehen die Bauarbeiter zur Heinersdorfer Straße um. Vom Karlsplatz bis zur Auguststraße geht es ab Herbst los. Vielleicht steht an der schwer einsehbaren Kreuzung bald der Stadt-Kreisel Nr. 5.
Bis Jahresende sollen der Minikreisel Welkstraße/Suttnerstraße befahrbar sein und die zugehörigen Straßenabschnitte.
Die Bongossi-Brücke an der Querfahrt ist nach den Sturmschäden wieder für Kremser gefahrlos zu befahren.
Nach der Einebnung und Entgiftung des ehemaligen Kraftverkehrsgeländes an der Krumbachstraße steht der Erschließung als Eigenheimgebiet nichts mehr im Wege. Die ersten Bauanfragen liegen im Rathaus vor, bestätigt die Stadtverwaltung.
In den Ortsteilen geht es ebenfalls Stück für Stück voran. Bei Herrenhof wird der Oder-Welse-Radweg verlängert. Stendell bekommt nach langem Hin und Her seine neue Gemeindebaracke. In Criewen ist die alte Sporthalle vom Areal der Nationalparkverwaltung verschwunden. In der Kita Vierraden wird nach dem Bau der Fluchtwege nun der marode Sanitärbereich in Angriff genommen. Baubeginn ist voraussichtlich im November.
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