Märkische Höhe . Der kleine Louis aus Strausberg staunt nicht schlecht, als er neugierig einen Blick durch eins der Gucklöcher wirft: Als würde sie unmittelbar vor ihm hängen, kann er dort eine Fledermaus ganz genau betrachten. Sie flattert nicht etwa unruhig davon, bewegt sich sogar überhaupt nicht. Denn es handelt sich in dem Kasten mit der Bezeichnung Batbox nicht um lebende Exemplare, sondern 3D-Projektionen.
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Faszination Fledermaus: Auf dem Arm von Opa Hans-J÷rg Ludwig schaut der kleine Louis (16 Monate) durch eines der "Guckl÷cher" in der Batbox. Foto: Thomas Berger
Die Tiere in Fleisch und Blut leben eine Etage höher unter dem Dach. Dort befindet sich die Wochenstube der Großen Bartfledermaus. Die ist 1995 im Rahmen eines Artenschutzprojektes im Naturpark Märkische Schweiz entdeckt worden, erklärt Ursula Grützmacher gerade einer Besuchergruppe bei einer Führung über das Gelände. Sie ist sozusagen die Mutter des Fledermausmuseums - vor zehn Jahren hatte die Regionalgruppe des NABU, der sie vorsteht, die Idee für das Fledermausmuseum entwickelt. 2006 öffnete dieses erstmals seine Pforten, im vorigen Jahr wurden schon 3000 Besucher in der Saison gezählt, die ja nur sechs Monate läuft. Die Zahl steigt stetig, aktuell sind es bereits fast 1900.
Der NABU betreibt das Museum rein ehrenamtlich, erhält über Arbeitsförderprojekte Unterstützung durch einige MAE-Beschäftigte. "Es vergeht im Grunde kein Tag, an dem nicht wenigstens ein paar Interessenten kommen", verrät Gabriele Wolter. Manchmal sind es ganze Busladungen voll, neulich sogar Blinde und Sehbehinderte. Eine kleine Extra-Herausforderung, doch auch auf solche Gäste stellt sich das Team schnell ein. Statt der Bilder in der Ausstellung gibt es eben mehr Erläuterungen sowie Objekte zum Fühlen.
Dass es nur eher zufällig einmal auf dem Außengelände eine lebende Fledermaus zu sehen gibt, gehört für manchen zu den Aha-Effekten. Der Nachwuchs in der Wochenstube, der jetzt ausfliegt, darf schließlich nicht gestört werden. Künftig soll aber eine Webcam zur Beobachtung installiert werden, ähnlich wie im Spreewald bei den "Internet-Störchen".
Reichhaltig sind dafür die Ausstellungen. Insbesondere die des Landesumweltamtes mit Steckbriefen zu den einzelnen Arten. 18 sind in Brandenburg heimisch, davon 14 im Naturpark Märkische Schweiz nachgewiesen, 25 in ganz Deutschland. Weltweit gibt es sogar 900 Arten der fliegenden Säugetiere, deren Geschichte 900 Millionen Jahre zurückreicht, wie Ursula Grützmacher erläutert. Zu den außereuropäischen Vertretern ist für nächstes Jahr ein Erlebnisbereich vor dem Haus geplant.
Neuerungen gibt es ständig. So ist 2008 dank einer Praktikantin der Fledermausgarten entstanden - Käferbeet, Fledermauswiese, Kräuterspirale oder Nachtfalterbeet zeigen die Verbindung zwischen bestimmten Pflanzen und Insekten, die wiederum einzelnen Fledermausarten als Nahrungsquelle dienen. Nebenbei erfahren Kinder und Erwachsene mit Staunen, dass eine Wasserfledermaus bis zu 200 Kilometer an einem Abend zurücklegen kann.
Eine weitere Attraktion ist der bereits 2001 sanierte Eiskeller, mit 40 Quadratmetern Grundfläche und fünf Meter Höhe einer der größten in der Region. 1,85 Meter dick sind die Wände, und das Objekt ist Winterquartier für etliche Fledermäuse, die sich während der kalten Jahreszeit in den Mauerspalten niederlassen. "Die hohe Luftfeuchte hier unten ist wichtig, außerdem passen sich die Tiere der Umgebungstemperatur an", erläutert Ursula Grützmacher.
Das Museum ist Teil des Berliner Ferienpasses. Es kommen aber auch Gruppen von den Kitas der Umgebung oder einfach Großeltern mit ihren Enkelkinder.
Statt Eintrittsgeld eine Spende
Feste Eintrittspreise gibt es nicht. Besucher sind aufgerufen, am Ende eine kleine oder größere Gabe zum weiteren Ausbau des Fledermausmuseums in der Spendenbox zu hinterlassen. Ein Beitrag wird lediglich für Führungen erhoben. Bei Gruppen kann er ausgehandelt werden, bei Einzelbesuchern liegt der Richtwert bei drei Euro pro Person. Geöffnet ist die von der Regionalgruppe Märkische Schweiz/Strausberg des Naturschutzbundes (NABU) betriebene Einrichtung von Mai bis Oktober täglich zwischen 10 und 16 Uhr.
Bestens geeignet für Kindergeburtstage
Schon mehrfach hat das Team auch die Organisation von Kindergeburtstagen übernommen. Die Ausstattung einschließlich Mal- und Bastelmaterial ermöglicht es, einen ganzen Tag für die kleinen Gäste erlebnisreich zu gestalten. Absprachen unter Tel. 033437 15256.
Fledermauskästen zum Selbstbauen
Im Vorjahr von einer Praktikantin erarbeitet, gibt es mittlerweile auch eine Infobroschüre mit Anleitungen, um verschiedene Fledermauskästen selbst zu bauen. Einige Modelle hängen am Museum aus, und weitere können erworben werden, wenn jemand der Eigenbau zu aufwendig ist.
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