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Beeskow ehrt seinen Weltmeister

Beeskow . Ein seltenes Ereignis steht Beeskow für diesen Sonntag bevor. Im Rathaus empfängt Bürgermeister Fritz Taschenberger einen Ehrengast, damit dieser sich in das Goldene Buch der Stadt einträgt. Zuteil wird die Auszeichnung dem 17-jährigen Leichtathleten Hagen Pohle, frischgebackener Jugend-Weltmeister im Gehen. Er ist der erste Beeskower seit vier Jahren und der sechste seit der politischen Wende, dem in dem Buch zwei Seiten gewidmet werden. Aus der DDR-Zeit existieren sogar zwei Ehrenbücher, doch Eintragungen gab es auch damals nur sehr sporadisch. Beide lagern im Stadtarchiv.

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Dick, groß und schwer ist das Goldene Buch der Stadt Beeskow. Im Alltag lagert es jederzeit sichtbar in einem Regal in Bürgermeister Fritz Taschenberges Büro. Golden ist an dem Buch streng genommen nur die Inschrift auf dem dunkelgrünen Einband. In größeren Städten ist eine solche Schrift Standard. "Aber Orte wie Beeskow haben bestimmt nicht alle eines", mutmaßt das Stadtoberhaupt. Auch die Kreisstadt war nach der deutschen Einheit zehn Jahre lang ohne, ehe Taschenberger eines anschaffen ließ.

Schon kurz danach wurde es erstmals für eine Eintragung aus dem Regal genommen. Der Radinkendorfer Jörg Schulze war im Jahr 2000 Junioren-Weltmeister im Rudern geworden. Ein Jahr später folgte zur Eröffnung von Stadtbibliothek und -archiv Ortschronist Klaus Koldrack. Dann vergingen drei Jahre, ehe Eberhard Keil zum 70. Geburtstag für seine Verdienste um die Marienkirche und den Ruderclub im Buch unterschreiben durfte. 2005 folgte ein Eintrag ohne persönliche Signatur. Maler Alexander Sementsov wurde posthum geehrt.

Nun folgt Hagen Pohle als Fünfter. "Als ich von seinem großartigen Erfolg gehört habe, war es einer meiner ersten Gedanken, dass er sich ins Goldene Buch eintragen darf", sagt Taschenberger. Der junge Sportler habe seine Heimatstadt positiv nach außen dargestellt, und viele Beeskower hätten an jenem 10. Juli mit großem Interesse seinen Wettkampf im italienischen Brixen verfolgt, der vom Fernsehsender Eurosport live übertragen wurde. Dass bis zur offiziellen Ehrung gut drei Wochen ins Land gingen, liegt daran, dass Hagen Pohle sich überwiegend in Potsdam aufhält, wo er trainiert und zur Schule geht.

Laut Taschenberger ist der Eintrag ins Goldene Buch die höchste Auszeichnung, die von der Stadt vergeben wird. Genaue Regeln gibt es nicht, so dass in der Praxis der Bürgermeister in Abstimmung mit dem Stadtverordnetenvorsteher entscheidet. "Als das Buch neu war, beauftragte ich den Kulturausschuss, Richtlinien zu erarbeiten", erinnert sich Taschenberger. Doch die Beratungen verliefen im Sande. Dass Hagen Pohle erst den fünften Eintrag in neun Jahren vornimmt und fast alle Seiten des dicken Schmökers noch weiß sind, findet das Stadtoberhaupt nicht schlimm. "Die Einträge sollen nicht zur Inflationsware werden." Ebenso halte er nichts davon, wie andernorts prominente Gäste unterschreiben zu lassen. "Als neulich der Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe da war, hätten wir das machen können. Aber dann hätte es von Anfang an so sein müssen."

Die Geschichte bringt es mit sich, dass das aktuelle bereits das vierte Goldene Buch Beeskows ist. In der DDR existierten gleich zwei, beide unter dem Namen "Ehrenbuch". Wie (noch) bei ihrem Nachfolger finden sich darin weitgehend leere Seiten. Verwahrt sind sie im Stadtarchiv in der Kupferschmiede. 1969 wurde das erste eröffnet, zum 20. Jahrestag der DDR. Fritz Seiffert, Bürgermeister von 1946 bis 1950, schrieb eine Widmung. Es war eine Art Gästebuch. Eine Handvoll Einträge ist vorhanden, nachzulesen aber nicht für jedermann, denn verfasst sind sie auf Russisch, Polnisch und Vietnamesisch. Letzterer immerhin, aus dem Jahr 1970, ist übersetzt. "Die ständige Entwicklung Ihrer Stadt ist auch Ausdruck der Entwicklung der DDR. Das ist eine feste Basis unseres Kampfes", heißt es dort. Buch Nummer zwei beginnt 1984, als die DDR 35 Jahre alt wurde. Statt mit einer Widmung durch den Bürgermeister beginnt es mit einem Zitat von Erich Honecker, darüber zieren Staats- und Stadtwappen die erste Seite. Geehrt wurden Beeskower unter anderem "für vorbildliche Leistungen bei der Erfüllung und Umsetzung der Beschlüsse der SED".

Das älteste aller Bücher ist im Rathaus aufbewahrt. Als Bürgermeister Taschenberger es Mitte der 1990er Jahre fand, waren bereits alle Seiten mit Einträgen entfernt. "Ich vermute, das stammt aus dem Nationalsozialismus", sagt der Bürgermeister.

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