. Berlin Mit den Händen sehen, Einkaufen ohne zu sprechen, sich irren und verirren: Nicht normal sein. Vom Reichtum des Andersseins handelt die neue Erlebnis-Ausstellung im Labyrinth Kindermuseum Berlin. Mädchen und Jungen können dort erforschen, wie es ist, blind oder taub zu sein.
Erfahren durch Tasten: Die neunjõhrige Clara testet im Kindermuseum, wie es sich anf³hlt, blind zu sein. Foto: Steffi Bey
Bevor es in das Restaurant, den Irrgarten oder den Supermarkt geht, treffen sich alle Kinder auf der großen Pausentreppe. Von dort oben können sie schon mal wunderbar auf die kunterbunten Papp-Kulissen blicken. Sie hören es Kreischen und Lachen, bekommen immer mehr Lust, selbst das Anderssein auszuprobieren.
Dazu tauchen sie in der nächsten Stunde in eine andere Welt ein: Sie lassen sich blickdichte Tücher vor die Augen binden oder setzen komische Brillen auf, durch die man kaum etwas sieht. Sandra vom Museums-Team hilft den Kleinen dabei und begleitet die Gruppe durch verwinkelte Wege und Sackgassen. "Tastet euch vorwärts, berührt die Wände und versucht etwas zu erkennen", ruft sie in den schmalen Gang.
Clara und Helene, die beiden neunjährigen Mädchen, bewegen sich unsicher. Sie taumeln ein bisschen und nehmen trotz ihrer gespielten Blindheit plötzlich ganz viel wahr. Ihre kleinen Hände streichen über nachgemachte Strandutensilien und erkennen einen Sonnenhut, eine Mütze, Gummischuhe und eine Ente. Auf Strümpfen überwinden sie dabei stachlige, weiche und harte Untergründe.
Eine Tür öffnet sich und die Mädchen stehen im "Restaurant Fledermaus". Sie tasten sich zunächst durch den Raum: Vorbei an Holztischen, zu den Regalen. "Hier liegt Besteck", sagt Clara und lässt den Löffel lautstark in das Kästchen fallen. Helene fühlt Eierbecher, Teller, Plastikobst und Gemüse. Noch schwieriger wird es, als sie die Aufgabe bekommen, blind den Tisch richtig schön zu decken. Aber sie schaffen es - vor allem, weil sie pausenlos miteinander reden.
Am anderen Ende vom Irrgarten ist es dagegen ganz still. "Unterhalten im Supermarkt verboten", steht an der Papp-Fassade. Nur mit Gebärden und Mimik darf man sich dort verständigen. Um ein Gefühl vom Taubsein zu bekommen, setzen sich manche Kinder Kopfhörer auf. Erstaunlich, wie gut so ein stummer Einkauf funktioniert. Wer will, schaut sich vom Moderator im Monitor die Gebärdensprache ab. Ein Erwachsener erklärt dort mit den Händen verschiedene Waren.
Auch in der oberen Etage des alten Fabrikgebäudes, in dem sich das Museum befindet, gibt es Anderes zu entdecken: Im Auskunftsbüro, im Sprachlabor, in einer Fußgängerzone oder im A (l)telier beispielsweise.
"Wir möchten den Kindern vermitteln, der andere Mensch ist immer anders, denn jeder ist einzigartig", erklärt Geschäftsführerin Roswitha von der Goltz. Dass Toleranz und Respekt im Umgang miteinander ganz wichtig seien, können die Besucher an den verschiedenen Stationen erleben. Eineinhalb Jahre hat sie gemeinsam mit Mitarbeiterin Ursula Pischel am Konzept gearbeitet. "Die Resonanz ist durchweg positiv", freut sich die Geschäftsführerin. Sie würde die Ausstellung auch gern auf Wanderschaft schicken.
"Alle anders anders" ist in Deutsch und Englisch zu erleben und wird durch Projekte an Kitas und Schulen sowie Fortbildungsangebote ergänzt. Hauptsponsor ist die Aktion Mensch.
Labyrinth Kindermuseum Berlin, Osloer Straße 12; weitere Infos unter Telefon: 030 800931150
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