Berlin ArrayVier Monate nach den schweren Mai-Krawallen in Berlin-Kreuzberg müssen sich zwei Schüler wegen Mordversuches an Polizisten verantworten. Zum Prozessauftakt am Berliner Landgericht bestritten die jungen Männer am Dienstag die Vorwürfe. Laut Anklage sollen die damals 17 und 19 Jahre alten Schüler am 1. Mai einen Brandsatz auf Polizisten aus Münster und Mecklenburg-Vorpommern geworfen haben. Sie trafen stattdessen eine junge Frau, die schwere Brandwunden erlitt. Die Jugendlichen sitzen seit Mai in Untersuchungshaft. Versuchter Mord ist der schwerste Vorwurf, den ein Gericht bisher im Zusammenhang mit Maikrawallen erhoben hat.
Die Verteidigung geht von einer Verwechslung aus und fordert Freispruch. Nach eigenen Angaben hielt sich der 19-Jährige meist am Rand der Demonstration auf. Als Steine flogen, habe er sich zurückgezogen. Auf dem Weg zu einer Bank sei er überraschend festgenommen worden. Verteidigerin Ulrike Zecher vermutete, dass die Staatsanwaltschaft nach den schweren Mai-Krawallen "aus politischen Gründen eine Verurteilung anstrebt, selbst um den Preis der Unschuld". Die Ermittlungen seien nicht neutral geführt worden.
Staatsanwalt Ralph Knispel wies die Vorwürfe zurück. Nach seiner Darstellung wurden die Angeklagten bei der Tat von Polizisten beobachtet.
Der Prozess dauert zunächst bis zum 10. Oktober. Wenige Tage vorher beginnt ein Prozess gegen einen 24-jährigen Bundespolizisten aus Hessen. Er soll gezielt drei Steine auf andere Polizisten geworfen haben. Die Gewaltausbrüche in Berlin waren in diesem Jahr schlimmer als in den Vorjahren. 479 Polizisten wurden verletzt, 289 Randalierer festgenommen. In rund einem Dutzend Strafverfahren verhängte die Justiz zum Teil harte Strafen zur Abschreckung.

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