Eberswalde ArrayEinen Tag, nachdem ein Löwe aus dem Circus William ausbrechen konnte, haben im Zirkus selbst die Nachforschungen über die Ursachen begonnen. Vermutlich hat ein Pfleger eine Tür offengelassen, so dass der eineinhalbjährige Löwe Simba ungehindert auf den Zirkus-Vorplatz spazieren konnte. Wie gefährlich die Situation tatsächlich war, beschreibt Dompteur Manuel Wille so: "Es war echter Kampf. Simba hat angegriffen, ich habe mich verteidigt. Simba war angiffslustig und panisch zugleich." Nikolaus Meier von der Eberswalder Feuerwehr ist indes über das Verhalten einiger Bürger entsetzt. So habe eine Mutter mit ihrem Kind extra noch an der Absperrung vorbei kommen wollen, um bessere Sicht zu haben.
Was Nikolaus Meier vom Einsatz der Feuerwehr berichtet, klingt unglaublich. Demnach habe die Feuerwehr sofort nach Bekanntwerden des Ausbruchs am Donnerstagnachmittag die Kunden des nahegelegenen Penny-Marktes informiert und diese aufgefordert, entweder im Markt zu warten oder in die Autos und damit in Sicherheit zu flüchten. "Einige Leute machten keine Anstalten und schienen eher bereit, sich das Schauspiel aus größtmöglicher Nähe anzusehen", so Meier. Noch schlimmer aber habe sich eine Mutter verhalten, die an der Heegermühler Straße mit ihrem kleinen Kind unterwegs war. Statt das Weite zu suchen, versuchte diese noch an den Absperrungen vorbei einen möglichst guten Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Dabei war den Feuerwehr-Leuten selbst ziemlich mulmig zumute. "Wir hätten uns dem Löwen nicht entgegenstellen können, darum hatten wir schon Kontakt zu einem Tierarzt aufgenommen, der ein Betäubungsgewehr besitzt und bedienen kann", so Meier. Überdies seien die Männer "erleichtert" gewesen, die bewaffnete Polizei neben sich zu sehen.
Dompteur Manuel Wille kann genau einschätzen, wie gefährlich die Situation war. "Simba gehört zu unserer Junggruppe. Ich habe ihn mit der Flasche aufgezogen. Aber er war vollkommen panisch und hat in keinster Weise auf meine Kommandos reagiert." Mit einer sogenannten Gabel - ein zwei Meter langes Gerät mit stumpfen Spitzen - konnte sich der Dompteur den kampfstarken Löwen vom Halse halten. Simba wiegt 90 Kilogramm, ist über 1,10 Meter hoch und hat mit seinen Pranken ausreichend Kraft, um einen trainierten Sportler mühelos umzuhauen. "Es war Schwerstarbeit und gefährlich. Als Simba eingefangen war, brauchte ich eine Stunde, um halbwegs wieder zu mir zu finden."
Derweil hat im Zirkus die Debatte über die Schuldfrage begonnen. "Ein Pfleger hat wahrscheinlich die Tür offengelassen, nachdem die Tiger zum Training in die Manege geführt wurden. Vom Freigehege aus konnte der Löwe die offene Tür zur Flucht nutzen. Das darf auf keinen Fall passieren und wird hier sorgfältig besprochen", versichert der Dompteur.
Wie Wille einschätzt, verleitete die reine Neugierde Simba zum Ausflug. Als völlig normal charakterisiert er die Panik, die der junge Löwe dann bekam. "Die Raubtiere brauchen ihre gewohnte Umgebung. Wenn sich etwas ändert, werden die Tiere nervös und reagieren aggressiv." Laut Wille habe es im Zirkus erstmalig ein derartiges Ereignis von dieser Tragweite gegeben. "Vor vielen Jahren ist einmal ein Tigerjunges ausgerückt, konnte gleich eingefangen werden."
Glück hatten alle Beteiligten, da Simba das Zirkus-Gelände nicht verlassen hatte. Er versteckte sich mal unter den Wagen, mal im Gebüsch. Schließlich war es gelungen, ihn ins Freigehege zurückzudrängen. Aufgrund der Umstände musste am Donnerstagabend die Raubtiernummer mit den zwei weißen Tigern und den Junglöwen ausfallen. Nikolaus Meier gab zu bedenken: "Man stelle sich nur mal vor, der Löwe wäre in Richtung Finowkanal ausgebrochen. Eberswalde hatte großes Glück."

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