Donnerstag, 2. September 2010

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Das Quartett zum Bankrott

Berlin ArrayDie Finanzkrise zählt viele Verlierer, aber auch einige Gewinner, zum Beispiel vier Berliner Studenten. Sie haben die Horror-Zahlen aus der Wirtschaft zu einem Kartenspiel verarbeitet. Dies verkauft sich sehr gut - Banker und Manager sind die besten Kunden.

  Zocken mit schwindelerregenden Zahlen: Die angeschlagene Immobilienbank Hypo Real Estate ist im Spiel ein guter Trumpf, aber nicht der beste. Foto: Fabian Renk ©

In der Rubrik Staatshilfen schlagen die Hypo Real Estate (HRE) nur wenige: 102 Milliarden Euro sind auf die Karte gedruckt, jede Null ausgeschrieben. Die Immobilienbank ist ein guter Trumpf. Gut bebildert ist sie auch: Über die Zahlen wurde ein zusammengesacktes Haus gedruckt, irgendwo in der Provinz. Auch der tief gefallene Aktienkurs von HRE (-97,35 Prozent) lässt den ungeübten Spiler vermuten, dass der Wert jede andere Karte aussticht. Doch es geht noch besser, oder schlimmer, je nach Sichtweise.

Wer etwa die Citigroup auf den Tisch legt, kann HRE locker übertrumpfen. Die amerikanische Großbank hat gar 345 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand erhalten, auch der Stellenabbau (75 000) kann sich sehen lassen. Dagegen braucht man die West LB erst gar nicht zu zücken: Mickrige neun Milliarden Staatsgelder hat die Landesbank erhalten, entlassen wurden nur 1700 Angestellte.

Das Finanzkrisen-Quartett, das vier Studenten der Freien Universität (FU) auf den Markt gebracht haben, mutet auf den ersten Blick makaber an. Das klassische Auto-Kartenspiel, bei dem Geschwindigkeit, Beschleunigung und Pferdestärken zählen, wurde auf Pleite-Banken übertragen. Als Stich zählt bei "Zocken wie die Manager" auch, wer den höchsten Chef-Bonus oder den größten Verlust vorweisen kann. Sieger ist, wer am Ende alle Karten hat.

Schwarzer Humor also, doch das Zocken sei auch lehrreich, meinen die Erfinder des Quartetts. "In den vergangenen Monaten wurden so vielen Zahlen genannt, die wirken fast schon abstrakt. Die Leute haben den Zusammenhang verloren", sagt Dorothee Zombronner. Das Quartett habe einen pädagogischen Ansatz. "Die Auswirkungen der Krise werden eben nicht auf Sachbuch-Art, sondern spielerisch vermittelt." Schließlich könne man ja auch familienfreundlich die Karten ausspielen, so die Studentin für Archäologie. Dann zählen eben die niedrigsten Entlassungen. Zudem gebe es noch die Kategorie "Helden": Dort sind vier Vorzeige-Unternehmen abgebildet. In der ersten Auflage zählte auch Porsche zu dieser Gruppe. "Aber dann kamen die riesigen Verluste."

Mit ihrer Idee haben die Studenten einen Preis beim FU-Gründerwettbewerb "Funpreneur" gewonnen - als Startkapital bekamen sie symbolische fünf Euro von der Universität. Dass aus ihrer Idee eine kleine Firma wurde, daran dachte keiner der Vier. Mittlerweile gibt es die zweite Auflage des Kartenspiels mit 2000 Stück. "Da wurden auch Fehler ausgemerzt", sagt Zombronner, die sich um das Layout kümmert.

Die Idee war bei den jungen Berlinern schon länger gereift, etwa bei gemeinsamen politischen Podiumsdiskussionen. Die Jungunternehmer engagieren sich in der Grünen Jugend. Demzufolge ist die Besetzung der Firma ganz paritätisch und im Sinne der Öko-Partei: Zwei Frauen und zwei Männer entscheiden gemeinsam.

Der Erfolg hat alle überrascht. "Das trifft wohl den Nerv der Zeit", der sagt Fabian Renk, der als BWL-Student das Geschäftliche von seinem WG-Zimmer aus regelt. "Kurios ist, dass vor allem Manager, Banker und Firmenchefs das Quartett bestellen."Auf Wunsch könne man auch das Firmenlogo hinten auf die Karte drucken. "Das ist wohl als Geschenk für die Kunden gefragt."

Inzwischen grübeln die Macher schon an neuen Varianten. "Warum nicht auch ein Quartett mit Atomkraftwerken herstellen, die Trümpfe sind dann eben Laufzeiten oder Störfälle", sagt Zombronner. Geld für neue Ideen ist da. "Wir sind jetzt im grünen Bereich", sagt Renk.

www.finanzkrisenquartett.de



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