Donnerstag, 2. September 2010

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Steg-Streit am Werbellinsee

Joachimsthal ArrayHorst Dahlke versteht die Welt nicht mehr. Ringsherum wird gebaut, werden Stege anlegt. Am gegenüberliegenden Ufer des Werbellinsees soll die Kapazität der Bootsliegeplätze sogar erheblich erweitert werden. Nur er dürfe nicht bauen. Ihm verweigere die Naturschutzbehörde seit Jahren die Genehmigung für einen Steg, klagt er.

Im Jahr 2004 hat Familie Dahlke ein Grundstück am Werbellinsee gekauft. Eine Teilfläche des alten Sägewerkes in Elsenau. Eine Industriebrache also. "Dies mit der Option, dort einen Steg für unser Hobby, den Wassersport, errichten zu können", sagt Horst Dahlke. Im März 2006 habe er von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung - der Werbellinsee ist eine Bundeswasserstraße - das Okay für den Bau des Steges erhalten. "Doch dann begann sogleich das Drama", erzählt der gebürtige Joachimsthaler. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) kassierte seinen Worten zufolge diese Genehmigung - und verweigerte ihrerseits die Zustimmung. Ein Bebauungsplan sollte her. Der wurde von der Stadt auch beauftragt. Die Anlieger bezahlten. Aber: Dieser Bebauungsplan mit dem Titel "Ferienhäuser Seerandstraße" wurde ebenso abgelehnt. Im August 2008. Unterdessen wurde ringsherum fleißig gebaut. Dahlke verweist u. a. auf das neu errichtete Café Wildau, das neue Pflegeheim in Altenhof, auf die genehmigte Marinaresidenz Schorfheide, auf den Betrieb des Fischers nebenan oder die neu errichteten Stege in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Wobei Dahlke betont, dass er keineswegs gegen diese Investitionen sei. Vielmehr fordert er eine Gleichbehandlung ein.

"Erst hieß es, ohne Haus kein Steg. Aber auch der Hausbau wurde ja abgelehnt", schildert Dahlke die Odyssee. Dann habe er gehört, dass die Kapazität der Bootsliegeplätze am Werbellinsee nicht erweitert werden soll. "Nun lese ich wiederum, dass in Altenhof richtig aufgestockt wird." Dabei habe er selbst alle Auflagen erfüllt. "Die Wasserseite unseres Grundstückes haben wir beispielsweise aufwendig beräumt." Nur den Stempel für seinen Steg, den habe er noch immer nicht. "Es ist wie ein Haus, in das ich nicht einziehen darf", beschreibt Dahlke das Kreuz mit seinem Grundstück, für das er Grundsteuer zahlt, das er aber praktisch nicht nutzen kann.

Im Mai 2009 wandte er sich in seiner Not an den Ministerpräsidenten, Matthias Platzeck. Doch das Ergebnis konnte Horst Dahlke nicht unbedingt zufriedenstellen. Im Antwortschreiben aus Potsdam heißt es, der Entwurf des Bebauungsplanes sei in Teilen "nicht mit dem Schutzzweck für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu vereinbaren". Das Fachministerium verweist auf das Werbellinseekonzept des Kreises, das eine Obergrenze von Liegeplätzen und eine Konzentration der Steganlagen vorsehe. Was "dem Erhalt des Werbellinsees für die Allgemeinheit"diene. Nicht auszuschließen sei, so das Ministerium, dass ein überarbeiteter Bebauungsplan "Genehmigungsfähigkeit erlangen kann".

Marianne Schlestein, Pressesprecherin des Landkreises, erklärte auf Anfrage der MOZ, dass der geplante Stegbau Dahlkes 2006 von der UNB abgelehnt wurde, weil die "Voraussetzungen für die Erteilung einer naturschutzrechtlichen Befreiung vom Bauverbot" in der Biosphäre nicht gegeben waren. In anderen Fällen hätten diese vorgelegen. Im Übrigen hätte, z. B. im Fall des Fischers, das Versagen eine "nicht beabsichtigte Härte" bedeutet.

In puncto Bebauungsplan sagte Schlestein weiter, dass dieser - nach den Differenzen mit dem zuständigen Ministerium - derzeit überarbeitet wird. Die UNB gehe davon aus, dass mit dem Inkrafttreten für die Errichtung von Bootsstegen "die Genehmigungsvoraussetzungen vorliegen werden". Eberhard Schröder, Bauamtsleiter von Joachimsthal, bestätigte: "Ja, der Plan wird gerade angepasst."



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