ArrayKarl Gustav Wilhelm Ritter war in der Dammvorstadt, dem heutigen Slubice zu Hause. Seit gestern erinnert ein Stolperstein in der einstigen Holzhofstraße Der erste Stolperstein von Slubice erinnert seit gestern an Verfolgte des Nazi-Regimes. Heute sollen in Frankfurt weitere Steine verlegt werden. An die Zerstörung jüdischen Lebens in Frankfurt erinnert eine neue Ausstellung in der Jüdischen Gemeinde.
18, heute Kopernikusstraße, an den engagierten Gewerkschafter, der 1933 im Konzentrationslager Sonnenburg ums Leben kam. "Ich bin froh, dass wir gemeinsam lernen, dass eine Stadt nicht nur von ihren Bewohnern lebt. Sie lebt auch von ihrer Geschichte", machte Frankfurts Stadtverordnetenvorsteher Peter Fritsch (SPD) auf die Besonderheit des Ortes aufmerksam. "Es gab auf beiden Seiten Opfer des Totalitarismus, in diesem Fall des Nationalsozialismus", ergänzte sein Slubicer Amtskollege Piotr Kiedrowicz. Es sei wichtig, die Erinnerung an diese Menschen wachzuhalten und damit auch auf beiden Seiten der Grenze bestehende Vorurteile abzubauen.
Dass der Stolperstein für Karl Ritter gleichzeitig der erste in Slubice ist, liegt nach Worten von Initiator Carsten Höft darin begründet, dass bislang kein weiterer Verfolgter des Nazi-Regimes aus der einstigen Dammvorstadt recherchiert worden ist. Daten aus dem Leben Ritters haben Viadrina-Studenten in einem vom Institut für angewandte Geschichte angebotenen Seminar zusammengetragen. "Wir haben Informationen bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, im Stadt-, dem Landes- und dem Bundesarchiv gesammelt", berichtet Sabrina Corsi, Studentin der Kulturwissenschaften. Vieles im Leben des 1899 geborenen Karl Ritter sei jedoch im Dunkeln geblieben. Die Studentin spricht von Eckdaten. Ob Ritter Frau und Kinder gehabt habe, sei unbekannt. Über die Hintergründe seiner Verhaftung existierten zwei Versionen. Ziemlich sicher ist nach Sabrina Corsis Worten, dass der Stellmacher dem linken politischen Spektrum zugeordnet werden kann. Anliegen des von dem Kölner Künstler Gunter Demnig begründeten Projektes ist es, an Verfolgte des Nationalsozialismus zu erinnern - an politisch Verfolgte ebenso wie an Menschen, die aus religiösen Gründen missliebig waren. Die größte Gruppe der Opfer in Frankfurt, an die Stolpersteine erinnern, sind Juden. 33 der 42 Steine erinnern an sie, inklusive der 17, die heute im Stadtgebiet verlegt werden sollen.
Dem Schicksal dieser Menschen ist auch eine Ausstellung im Haus der Jüdischen Gemeinde in der Halben Stadt gewidmet. Die von mehreren Frankfurtern konzipierte Schau dokumentiert Orte jüdischen Lebens im alten Frankfurt und zeigt, wie es systematisch zerstört wurde. Jakob Molchadskiy, Mitglied der neuen Frankfurter jüdischen Gemeinde, sprach gestern zur Eröffnung von der Zerstörung der Geschichte von 700 Jahren deutsch-jüdischen Zusammenlebens. 1933 lebten demnach 800 Juden in Frankfurt. 1945 waren es noch fünf.

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