Donnerstag, 2. September 2010

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Strom aus Strausberger Sonne

ArrayFür manche Ausschussmitglieder war es keine bloße Beratung über ein Papier. Im Vorfeld hatte Procon für die Strausberger eine Exkursion zum Paneel-Lieferanten First solar in Frankfurt (Oder) und in die Lieberoser Heide organisiert. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz steht Deutschlands derzeit größte Freiflächen-Fotovoltaikanlage - 157 Hektar, mit einer Leistung von 53 Megawatt, die für rund 15 000 Haushalte reichen.

Der Eindruck bei den Teilnehmern war offenbar positiv, denn Stadtplanungsamtsleiter Thomas Elsner konstatierte im Nachhinein "weitgehend Einigkeit", dass mit der Aufstellung eines Bebauungsplans der Boden für ein ähnliches Vorhaben hier bereitet werden sollte. Der Beschluss bedeute für die Verwaltung einen "Arbeitsauftrag". Es würden Stellungnahmen von Fachbehörden eingeholt und Untersuchungen angestellt, die auch Fragen von Stadtverordneten beantworten könnten. Zum Beispiel jene nach Konflikten mit geplanten Wohnbebauungsflächen wie dem Areal Fasanenhöhe. Aus seiner Sicht würde das Gebiet frühestens benötigt, wenn die Anlage schon wieder abgebaut ist, sagte Elsner. Ebenfalls einbezogen wird die Luftfahrtbehörde. Denn eine Frage war auch, ob Spiegelungen den Flugplatzbetrieb beeinträchtigen könnten.

Am wichtigsten erschien vielen Ausschussmitgliedern indes der optische Eindruck. So befürchtete Jens Knoblich (offene Fraktion), dass die Fläche mit Modulen "zugepflastert" wird. Immerhin wolle Strausberg Raum für Naherholung bieten. "Im Lieberoser Wald ist es fernab der Zivilisation, aber hier direkt an den Straßen", warnte er. Ähnliche Bedenken äußerten auch andere Stadtverordnete.

Klaus Hoff, Projektverantwortlicher von Procon, verwies darauf, dass die drei Meter hohen Module mindestens 150 bis 250 Meter von der Straße entfernt und demzufolge von dort kaum noch zu sehen seien. Überdies seien Erdwälle und Grüngürtel möglich. Wie Elsner ergänzte, werde im Verfahren auch ein Landschaftsplaner eingeschaltet, der Auswirkungen auf Landschaftsbild und Arten darstellen werde. Zudem verwies er darauf, dass in der Vorlage eine "Maximalvariante" von 155 Hektar dargelegt sei. Denkbar sei aber auch ein Minimalversion mit 90 bis 95 Hektar.

Steffen Schuster fragte auch nach möglichen Nachteilen für die Stadtwerke, da der in der Anlage produzierte Strom ins Netz eingespeist werden müsse. Laut Elsner gibt es "keine unmittelbaren Auswirkungen", denn das Solarkraftwerk solle über ein eigenes Umspannwerk direkt ins Hochspannungsnetz der E.ON edis einspeisen.

Klaus Linke, sachkundiger Bürger für die Linke, bezeichnete die Fotovoltaik als "Brückentechnologie für eine dezentrale Versorgung" und wünschte sich sogar eine Beteiligung der Stadtwerke, sein Kollege Andreas Fuchs (CDU) sah ebenfalls derart regenerative Energie als eine gelungene Ergänzung zur vorhandenen Kraft-Wärme-Kopplung im Heizkraftwerk Nord. Stadtwerke-Chef Andreas Gagel will indes eher kleinere Brötchen backen: "Das ist nicht unsere Größenordnung", sagte er. Allerdings denke das Unternehmen auch über Fotovoltaik nach, um den CO 2 -Ausstoß weiter zu senken. Es plane eine kleinere eigene Anlage.

Die von Procon soll nach Möglichkeit bis Ende 2011 stehen. Dazu müsste möglichst schnell Baurecht geschaffen werden. Deshalb soll der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan bereits bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung gefasst werden. Denn die Interessenten haben gewissen Zeitdruck: Zum einen sinken laut dem Erneuerbare Energien Gesetz von 2000 jedes Jahr die Einspeisevergütungen, zum anderen wird damit gerechnet, dass das Gesetz Mitte 2010 von der schwarz-gelben Regierung in Berlin novelliert wird. Davon soll das Projekt nach Möglichkeit nicht mehr betroffen sein, so das Ziel.

Strom liefern sollen die Module, die nicht auf Betonfundamenten ruhen, sondern auf in den Boden gerammten Trägern, voraussichtlich 20 Jahre. Danach sei ein kompletter Rückbau vorgesehen, für den entsprechende Gelder hinterlegt werden.



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