Seelow ArrayDie Neutrebbiner Bürgerinitiative gegen CO 2 -Verpressung im Oderbruch macht seit Wochen mobil. Ihr Vorwurf: Mögliche Gefahren, die von einer unterirdischen CO 2 -Speicherung ausgehen könnten, seien bislang nur unzureichend erforscht. Sie wollen ein Endlager in ihrer Heimat verhindern. Am Freitag gab es erneut eine Infoveranstaltung - diesmal in der Kreisstadt. Es war bislang die größte in der Region. Während Vertreter der Bürgerinitiative ankündigten, gerichtliche Schritte gegen das Vorhaben des Energiekonzerns Vattenfall einzuleiten, setzt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers auf Dialog.
Voller Saal, bewegendes Thema: Die Referenten des CO2-Infoabends im Seelower Kreiskulturhaus. Foto: Johann M³ller
Sie protestieren in auffälligen, gelben T-Shirts, morgen in Wriezen sogar mit Traktoren. Sie haben riesige Banner drucken lassen, unzählige Handzettel sowie Infomappen, um damit auf die Gefahren hinzuweisen. Wer sich an ihrer Heimat durch eine mögliche CO 2 -Speicherung tief im Erdreich vergehen will, der bekommt den Gegenwind der Neutrebbiner Bürgerinitiative zu spüren. Diese Botschaft richtet sich vor allem auch an die Adresse des Energiekonzerns Vattenfall, der die gigantische CO 2 -Verpressung im Oderbruch plant. Ulf Stumpe, Sprecher der Bürgerinitiative, kündigte während der größten Infoveranstaltung in der Region an, jetzt auch mit gerichtlichen Schritten gegen die Vattenfall-Pläne vorzugehen. "Wir wollen das CCS-Gesetz und Probebohrungen zur Lagerung von CO 2 in unterirdischen Gesteinsschichten verhindern", sagte er. Laut Stumpe hat der Energiekonzern im Oderbruch gar nicht vor, ein Endlager zu ergründen. "Im Antragsverfahren steht", sagte er, "dass der Konzern stattdessen Vorkommen von Solewasser erkunden will. Was aber will er damit? Hier wurde bisher seitens der Politik nicht nachgefragt." Mit der Erforschung von Solevorkommen würde der Konzern lediglich versuchen, dass sogenannte CCS-Gesetz zu umgehen, so Stumpe. Die Pläne für das Erkundungsverfahren würden auf einem unklaren Antragsverfahren beruhen. Vor dem Verwaltungsgericht wolle die Bürgerinitiative klären, ob dieses Verfahren rechtmäßig ist und wer für etwaige Schäden haftet.
Die Gefahren, die von CCS-Technologie und CO2-Speicherung ausgehen, sind nicht nur aus Sicht der Bürgerinitiative groß: "Zu teuer, zu gefährlich - und durch CCS-Technologie wird zu viel Energie verschwendet", erklärte etwa der Professor und Wissenschaftler vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Ralf Kreibich. Bei der neuen CCS-Technologie soll CO 2 von Schornsteinen aufgefangen und unterirdisch entsorgt werden. Dafür sei allerdings ein enormer Energieaufwand durch Kohle etwa nötig, machte er deutlich. "Dieser Mehrverbrauch steht im Widerspruch zu nachhaltigen Energiekonzepten." Nicht zuletzt birgt die Technologie aus Sicht des Zukunftsforschers ein hohes Sicherheitsrisiko. "Wenn überhaupt CCS, dann muss sie sicher sein. Dauerhaft. Das ist aber bislang nahezu unmöglich." Weil es zu wenige Erkenntnisse darüber gebe, begründete er. Laut Kreibich gibt es weltweit kein Beispiel für großtechnische Anlagen, wie sie in Brandenburg geplant ist. Die Erforschung einer sicheren Technologie würde in Deutschland bis zu 20 Jahre dauern.
Kreibich setzt wie andere Redner an diesem Abend stattdessen auf einen nachhaltigen Energiemix aus Wasser, Wind, Sonne und Erdwärme. CCS-Technologie würde den Fortschritt, der in den zurückliegenden Jahren damit gemacht worden sei, verhindern. Sie sei keine Alternative, sondern eine "Fata Morgana" und dürfe keiner Region zugemutet werden. "Wenn das Geld, dass in Kohle verfeuert wird, konsequent in erneuerbare Energien gesteckt werden würde, in vernünftige Speichermodelle beispielsweise, dann könnten wir uns bis 2040 vollkommen darüber versorgen."
Linkenpolitiker Ralf Christoffers, Brandenburgs neuer Wirtschaftsminister und Gast der Veranstaltung, setzt unterdessen auf den Dialog mit den Menschen vor Ort. Er erhielt kurz das Wort und kündigte weitere Infoveranstaltungen an - wie morgen, 18 Uhr, eine Podiumsdiskussion mit Landwirtschaftsministerin Jutta Lieske im Saal des Amtes Barnim-Oderbruch. Im Februar plant sein Ministerium eine Tagung zur CO 2 -Problematik in Potsdam. Christoffers verwies auf ein neues Internetportal, das am 1. Dezember online geschaltet wird.
Die Bürgerinitiative machte deutlich, dass ihr Protest gegen die CO 2 -Endlagerpläne unvermindert anhalten wird. Jetzt heiße es, Kräfte zu Bündeln und gegen die Endlager-Pläne vorgehen - wenn es sein muss auf dem juristischen Weg. Die vielen ungeklärten Fragen würden für zig Klagen reichen, sind sich die Mitstreiter einig.

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