Wo Jörg Vogelsänger Arraybisher auftauchte, fühlten die Leute ihr Anliegen aufgewertet, weil sich der Bundestagsabgeordnete vor Ort zeigt. Das tat er sehr oft - bis zur Wahlschlappe im September. Der Erkneraner ist dennoch durchgestartet. "Herr Staatssekretär!", wurde er gestern respektvoll bei seinem ersten offiziellen Auftritt in seiner neuen Funktion begrüßt. Die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) hatte zur Jungfernfahrt ihrer ersten von drei Niederflur-Bahnen aus Cottbus eingeladen. Die Tour ging vom Depot einmal durch Rüdersdorf und zurück.
Strahlen mit Staatssekretõr J÷rg Vogelsõnger um die Wette: Stra▀enbahn-Betriebsstellenleiter Sebastian Stahl, B³rgermeister Heinrich J³ttner und Stra▀enbahn-Geschõftsf³hrer Detlef Br÷cker vor der neuen Niederflur-Tram aus Cottbus.
Vogelsänger überbrachte zunächst einmal die Grüße von Infrastruktur- und Landwirtschaftsministerin Jutta Lieske (SPD), hinter der er der zweite Mann in der Behörde mit rund 6000 Mitarbeitern ist. "Sie ist aus MOL, ich bin aus LOS - das passt ja", meinte er mit Blick auf die SRS-Trasse. "Im Flächenland Brandenburg sind Menschen auf Mobilität angewiesen", darum seien bereits 9 Millionen Euro Fördermittel aus der Landeskasse an die SRS und die Woltersdorfer Straßenbahn geflossen. Weitere 2,3 Millionen seien es in den Jahren 2008 bis 2011.
Das Geld allerdings steht nicht für Fahrzeuge zur Verfügung. Darum verwies Geschäftsführer Detlef Bröcker auf die begrenzten Möglichkeiten des Unternehmens. So hätten in den vergangenen zehn Jahren Bahnsteige und Gleise im Vordergrund gestanden, "um die Bahn zukunftssicher zu machen". Gerade erst sind zwei Haltestellen und 960 Meter Gleis in Rüdersdorf fertiggestellt worden. Doch barrierefreien Bahnsteige allein bringen ohne entsprechende Bahnen wenig. Als beste Variante habe sich herausgestellt, drei solcher Züge aus Cottbus zu kaufen, sagte Bröcker. "Das ist ein großer Fortschritt in einem Gebiet, wo zum Thema Alterung der Gesellschaft auch neue Angebote gehören."
Der Cottbus-Import ist eine Tatra-Bahn, Baujahr 1990 - sechs Achsen, zwei Gelenke und das Mittelteil für den ebenerdigen Einstieg in Bahnsteig-Höhe tiefergelegt. Cottbusverkehr hatte den Umbau 1996 machen lassen. Der dortige Geschäftsführer Ulrich Tomsch sagte: "Wir waren 2003 die ersten, die auf jeder Strecke Niederflur-Bahnen anboten und damit sehr gute Erfolge erzielt haben." Auch in Schöneiche und Rüdersdorf werden "alle älteren Leute im tiefergelegten Teil einsteigen, und drinnen doch die Stufen in die höheren Wagen steigen." Der Cottbusser Tatra-Zug hat 51 Sitz- und 93 Stehplätze. Für insgesamt drei dieser Züge will die SRS zwei ihrer alten, 18 Meter langen Tatras (33 Sitz-, 83 Stehplätze), Baujahr 1980, ausmustern. Der erste Cottbuser Tatra-Zug geht im Frühjahr in Dienst. "Bis dahin müssen wir noch einige Arbeiten machen", sagte Sebastian Stahl. Das heißt unter anderem: die Lackierung der SRS-Optik anpassen, Änderungen am Innenausbau und die Fahrkarten-Verkaufstechnik installieren. "Die anderen beiden Bahnen kommen etwa in einem Abstand von je einem halben Jahr."
Indessen nutzte Rüdersdorfs Bürgermeister André Schaller die Gunst der Stunde, um Vogelsänger bei der Tram-Rundfahrt auf Probleme beim Ausbau der Ortsdurchfahrt anzusprechen. "Rufen Sie mich im Ministerium an", sagte dieser. Und zur MOZ meinte der Staatssekretär: Es sei ein besonders schöner Termin für ihn bei der Straßenbahn in Schöneiche und Rüdersdorf.

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