Donnerstag, 2. September 2010

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Deportation jetzt Thema fürs Rathaus

Eisenhüttenstadt ArrayVon der Nachricht, dass der "Zug der Erinnerung" nicht in Eisenhüttenstadt halten wird, ist das Rathaus "überfahren" worden. Die Entscheidung sei dem Büro des Bürgermeisters Dienstagnacht per E-Mail mitgeteilt worden, sagte am Mittwoch der Erste Beigeordnete Thomas Kühn - der davon auch erst von der MOZ erfuhr. Am Dienstagvormittag habe man noch mit dem Verein gesprochen, da sei von der Absage keine Rede gewesen. Die Recherche-Ergebnisse des Stadtarchivs zu Schicksalen deportierter Juden aus Fürstenberg sollen in der nächsten Woche im Rathaus ausgestellt werden.

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Ein Dutzend Blätter im A3-Format liegen auf den Tischen im Stadtarchiv. Auf einem findet sich die Bescheinigung über die Ausstellung eines Passes, den Arthur Klein für sich und seine Kinder Edith und Klaus Anfang 1939 beantragt hatte. Die jüdische Familie aus Fürstenberg wollte nach Bolivien auswandern. Auch Klaus Klein kam nicht nach Südamerika, er wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und wenige Wochen nach der Ankunft im Todeslager ermordet. Da war er 20 Jahre alt. Schicksalen wie diesen ist das Stadtarchiv in den vergangenen Wochen nachgegangen, hat im eigenen Bestand geforscht, das Gedenkbuch des Bundesarchivs zu Hilfe genommen. Auch ein Schreiben an den Landrat in Guben, dass die Familie Klein nach Berlin umgezogen sei, fand sich. Das ist ebenso auf einem der vorbereiteten Blätter zu sehen wie der Pass von Edith Klein. Auch zwölf Namen von Kindern, die 1943 und 1944 von Zwangsarbeiterinnen in Fürstenberg geboren wurden, sind aufgelistet. Und der vor vier Jahren in der Märkischen Oderzeitung erschienene Bericht über den Eisenhüttenstadt-Besuch von Ralf Fellert, dem Neffen von Siegfried Fellert, der wie seine Frau Emma 1945 ermordet wurde und nach dem eine Straße in Fürstenberg benannt ist. "Die Quellenlage ist dünn. Wir haben stundenlang Sterbebücher durchgesehen", sagt Stadtarchiv-Mitarbeiterin Ina Trautmann, "von Desinteresse kann also keine Rede sein." Das aber wirft der Bürgerverein "Zug der Erinnerung" der Kommune vor.

Im Stadtarchiv verweist man auf einen Anruf am Dienstagvormittag, in dem der Initiative mitgeteilt worden sei, was in Eisenhüttenstadt vorbereitet wurde. Allerdings war da nicht zu erfahren, wann der Zug ankommen wird.

Der steht noch in Guben und wird in Eisenhüttenstadt wohl durchfahren. Thomas Kühn bedauert das. Der Erste Beigeordnete verweist darauf, das anfangs wegen des "knappen verfügbaren Zeitrahmens" und der da noch fehlenden Informationen im Stadtarchiv kein Schülerprojekt initiiert worden sei. Durch die Verwaltung wurden dank der Hinweise des Vereins aber Recherchen zu deportierten Kindern gestartet. Außerdem hat die Stadt, die den Verein wegen der desolaten Haushaltslage selbst nicht finanziell unterstützen konnte, die Hilfe durch die EKO-Stiftung Bildung Ostbrandenburg vermittelt. Die Zusage, dass die Stiftung 7200 Euro gibt, habe der Verein bereits am 23. Oktober erhalten - vier Wochen vor der Bestätigung durch den Stiftungsrat. "Die Stadt hat alle Absprachen eingehalten", betont Kühn. Auch eine Eröffnung der Ausstellung, bei der der Bürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher reden sollten, sei vorbereitet worden. Das alles sieht Kühn nicht als vergebliche Mühe. "Das war mehr als eine Anregung, sich mit diesem Teil der Geschichte und der Deportation zu befassen, die vorher nicht so ein Thema war." Nach der historischen Aufarbeitung zum Kriegsgefangenenlager Stalag III B wird nun ein weiterer Abschnitt speziell zur Deportation von Fürstenberger Juden folgen. Dies könne, so Kühn, auch im Rahmen eines Schülerprojekts geschehen.



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