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Das Georg Kolbe-Museum: Bildhauers Einsiedlerklause

ArrayBerlin Mag die harte Kubatur der Baukörper auch ans Bauhaus erinnern. Kolbe selbst nannte das Atelierhaus, welches er sich 1928/29 durch den Architekten Ernst Rentsch im Berliner Westend errichten ließ, nur seine "Burg". "Streng will ich meinen letzten Lebensabschnitt dort führen - dem Werk soll das gut bekommen!", schreibt er in einem Brief an eine ehemalige Schülerin. "Dieses zukünftige Asyl macht mir für meine Gipsmenschen mehr Sorge als für mich."

  Blick ins Atelier: Diese historische Aufnahme zeigt, wie es bei Georg Kolbe (1877-1947) um 1930 aussah. Foto: promo ©

Nach dem Tod seiner Frau Benjamine gibt der Bildhauer seine repräsentative Wohnung im Tiergartenviertel auf. Um seiner Gattin näher zu sein, die auf dem Friedhof in der Heerstraße liegt, zieht er in seine, wie er selbst sagt, "Einsiedlerklause", die damals noch am Waldrand liegt.

Exakt 80 Jahre ist das nun her. Bis zu seinem Tod im Jahr 1947 wohnt Georg Kolbe in der Sensburger Allee 25/26. In seinem Testament verfügt er, das Atelierhaus solle danach in den Besitz einer Stiftung übergehen, die 1949 dann auch gegründet wird. Gleich zwei Jubiläen stehen im Jahr 2009 also an. Anlass genug für das Georg Kolbe Museum, mit einer Ausstellung das Atelier des bedeutendsten deutschen Bildhauers des beginnenden 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Während im großen Raum, beinahe wie zu Lebzeiten des Künstlers, die Gips- und Steingussmodelle etwa seiner "Jungen Frau" von 1926 oder seiner "Niedersinkenden" von 1927 stehen und historische Fotos an der Wand hängen, ist im ehemaligen Wohnatelier die Kunstsammlung Kolbes zu sehen: Schmidt-Rottluffs "Radieschen auf einer Zeitung", die Kolbe von seinem Malerfreund zum 60. Geburtstag geschenkt bekam, oder die zwei Blätter, die er sich 1908 vom Besuch bei Rodin aus Meudon mitbrachte. Daneben werden Sandguss- sowie Wachsausschmelzverfahren auf Informationstafeln erläutert und ein bewegliches Drahtgerüst präsentiert, mit dem der Bildhauer immer wieder seine Tonskulpturen fixierte.

Weil Kolbe über den Tod seiner Frau nicht hinweg kommt, zieht seine Tochter Leonore mit ihrem Mann, dem Maler Kurt von Keudell, in das ehemals als Wohnhaus geplante kleinere Gebäude des Doppelgrundstücks, während der Bildhauer selbst nebenan im Atelierhaus mit seinen Hunden und Katzen haust. Das Haus wird mit all den Gipsmodellen schnell zu klein. Weil sein Architekt Ernst Rentsch nicht mehr in Deutschland weilt, beauftragt Kolbe 1932/33 den früheren Bauhausschüler Paul Linder mit dem Anbau eines Tonateliers. Die kühle Moderne der neuen Sachlichkeit, die heute nicht nur Architekturkennern einen wohligen Schauer über den Rücken treibt, kommt nicht bei allen Zeitgenossen gut an. Ein Nachbar sieht durch Kolbes Atelier sogar den Wert seines eigenen Hauses gemindert. Der "gewerbliche Bau" mit seinem Ziegelmauerwerk und dem großen Garagentor auf der Rückseite für die Skulpturen entspreche nicht dem "Charakter eines Villengrundstücks".

Bis 17. Januar, Kolbe Museum, Berlin-Charlottenburg, Sensburger Allee 25/26, Di-So 10-18 Uhr



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