Berlin Array"Großes weißes Ei auf kleinem weißen Hai" hat einer der Künstler sein Werk betitelt. Ein anderer hat seine Kunst einfach auf einen gelben Briefumschlag gezeichnet. Bei einer Collage im Postkartenformat wurden pinkfarbene Federn aufgeklebt. Doch nirgends findet man einen Vermerk, wer die Urheber der Kunstwerke sind.
Zum Einheitspreis: Von wem die Arbeit stammt, erfõhrt der Kõufer erst, wenn er bezahlt hat. Foto: bl³tenweiss
700 solcher Bilder unterschiedlichster Materialien und Techniken sind noch bis zum 17. Januar im Kunstraum Bethanien in Berlin-Kreuzberg ausgestellt. Hinter der Schau "Anonyme Zeichner N°10" steht ein außergewöhnliches Konzept: Der Ausstellung ging ein Aufruf zur Teilnahme im Internet voraus, bei der sich Künstler bewerben konnten. Knapp 1700 Einreichungen gab es. Die Zeichner kommen aus allen Teilen der Welt.
Die Besucher können die Bilder für 150 Euro erwerben und direkt mit nach Hause nehmen. "Sobald ein Interessent ein Bild kauft, machen wir eine kleine Performance. Wir ziehen uns weiße Handschuhe an, nehmen das Bild ab und schreiben mit weißem Stift den Namen und das Herkunftsland des Künstlers auf die leere Stelle", sagt die Berliner Künstlerin Anke Becker, die die Kunstaktion im Rahmen des Kunstprojektes blütenweiss jetzt schon zum zehnten Mal organisiert hat. Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Zugunsten des Werkes soll der Fokus auf der Kunst liegen und nicht auf dem Namen hinter dem Bild. 28 Werke sind so seit Eröffnungsbeginn verkauft worden, darunter auch Arbeiten von zwei Autisten aus Berlin.
650 etablierte Künstler und Laien stellen im Kunstraum aus - der Betrachter wird herausgefordert, selbst zu entscheiden, was für ihn Kunst ist und was nicht. Einheitspreis und Anonymität lassen eine ganz eigene Kunstinterpretation zu - frei von üblichen Kunstkontexten.
Bunte Kinderzeichnungen hängen neben naturalistischen Aktstudien, fantasievolle Comics neben Kugelschreiberkritzeleien auf ausgerissenen Notizblöcken, filigrane Scherenschnitte neben gezeichneten Schriftzügen. "Durch die Vielfalt der Einzelstücke hat die Ausstellung eine ganz besondere Energie", sagt Lena aus Berlin-Friedrichshain, die mit ihren beiden Freundinnen die Ausstellung besucht. Immer wieder hört man die drei über einzelne Werke diskutieren und sieht sie verwundert den Kopf schütteln.
Bis 17. Januar, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, Berlin; tgl. 12-19 Uhr, 24.-26., 31.12. und 1.1.2010 geschlossen

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