Donnerstag, 2. September 2010

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Glücksbringer in Schwarz

ArrayEs ist nicht nur das Gefühl, als Glücksbringer begehrt zu sein, dass Axel Irrling (49) an seinem Beruf schätzt, den er mit einer kurzen Unterbrechung seit 1978, dem Jahr seiner Gesellenprüfung, mit Freuden ausübt. "Wenn ich zum Beispiel auf einem Dach an der Danckelmannstraße oder am Drachenkopf stehe und die tolle Aussicht auf Eberswalde genieße, dann will ich mit niemandem auf der Welt tauschen", sagt er.

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Indes verbringt Axel Irrling längst den weitaus größten Teil seiner Arbeitszeit im Büro. Am Schreibtisch wertet er Protokolle aus, die beim Überprüfen von Heizungsanlagen in der Eberswalder Altstadt, in Ostend, Südend und Niederfinow entstanden sind. In seinem Kehrbezirk leben alles in allem 12 000 Einwohner, von denen die meisten mittlerweile mit Öl oder Gas, aber nicht mehr mit Kohle für Wärme sorgen.

Und so kommt es, dass auch der Altgeselle und der Azubi heute nur noch selten zu Kehrleine und Stielbesen greifen können, um auf dem Dach einen verrußten Schlot zu reinigen. "Das klassische Kehren macht bei uns im eher städtishen Bereich bloß zehn Prozent unserer Tätigkeiten aus", schätzt der Bezirksschornsteinmeister. Sein Bruder Lutz Irrling hingegen, der in Biesenthal den gleichen verantwortungsvollen Dienst versieht, hat sich noch weit häufiger um Kohle-Öfen zu kümmern.

Dass Axel Irrling einmal Schornsteinfeger werden würde, stand für ihn früh fest. Sein Vater Wolfgang Irrling war der Erste in der Familie, der den Beruf wählte. Bei ihm, dessen Dienstsitz Falkenberg war, sind beide Söhne in die Lehre gegangen. Als Junggeselle hat Axel Irrling viel in Bad Freienwalde gearbeitet, bevor er von 1980 bis 1982 seinen Meisterbrief erwarb und kurz danach zur Armee eingerufen wurde. Das war die Phase im Leben des jungen Mannes, in der er Lust bekam, beruflich etwas völlig Neues zu versuchen. Er nahm ein Studium zum Ingenieur für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik auf und arbeitete zwei Jahre lang als Berufsschulehrer. Aber noch vor der Wende entschied sich der gebürtige Frankfurter, doch in seinem ersten Beruf tätig zu werden und ging nach einer kurzen Einarbeitungszeit auf das Angebot ein, den Kehrbezirk in Passow (Uckermark) zu übernehmen.

Seit 1991 kümmert sich Axel Irrling um die Schornsteine und Heizungen in Eberswalde. Seinen vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Jungen, lässt er die Wahl, ob sie in seine Fußstapfen treten wollen. "Auf jeden Fall rate ich ihnen, zuerst ihr Abitur zu bauen und sich dann zu entscheiden, ob sie ein Handwerk erlernen oder studieren", sagt er.

Das Schornsteinfeger-Gewerk jedenfalls habe Zukunft, betont der Meister, der vor der Wende vom Rat des Bezirkes und danach vom Wirtschaftsministerium für Brandenburg in sein Amt bestellt wurde. Die hoheitliche Aufgabe, Heizungsanlagen zu überprüfen, werde immer bleiben. Und die steigende Zahl von Kaminen trage sogar dazu bei, dass es wieder mehr Kehr-Einsätze gibt.

In der Silvesternacht wird der Bezirksschornsteinfegermeister privat tanzen gehen. Und Tracht und Zylinder zu Hause lassen.



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