Donnerstag, 2. September 2010

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Meister Isegrim in der Heide geblitzt

Lieberose ArrayFörster beobachten das Phänomen, dass sich das Rotwild von der Lieberoser Heide aus vor allem im Winter in den Spreewald zurückzieht und sich dort zu Großrudeln gruppiert. Nun wurden Jungwölfe, die die weiten Sandflächen durchstreifen, als eine Ursache für das Verhalten der Pflanzenfresser ins Gespräch gebracht.

Romeo Buder, Revierförster in der Lieberoser Heide: "Seit vier Jahren beobachte ich Wölfe, die sich vor allem im Winter in der Lieberoser Heide aufhalten." Mittels Fotofalle habe er schon so manchen Meister Isegrim bildlich festgehalten. "Bis vor Weihnachten konnte ich mehrere Jungwölfe beobachten, im Moment ist es nur noch einer." Bei den Tieren handele es sich meist um einjährige Exemplare, die von ihren Rudeln nach dem Erreichen der Geschlechtsreife ausgesondert worden waren und die auf der Suche nach neuen Revieren auch die Lieberoser Heide durchstöbern: "Die Lieberoser Heide mit ihren weiten baumlosen Flächen ist ein idealer Lebensraum für die Raubtiere, die nach Sicht jagen. Ausserdem sind es große unzerschnittene Flächen, die den Tieren Ruhe bieten." Woher die Wölfe stammen, kann Buder nicht mit letzter Gewissheit bestimmen, allerdings scheint es naheliegend zu sein, dass es sich um Jungwölfe aus den sächsischen Rudeln handelt: "Der Wolf kann jeden Tag Dutzende von Kilometern wandern." Bei den beobachteten Tieren handele es sich um "durchreisende" Tiere. Ein heimisch gewordenes Rudel gebe es in der Lieberoser Heide bisher nicht.

Indirekt hat auch Buders Kollege, Karl-Heinz Funda vom Revier Schützenhaus (Straupitz), Erfahrung mit den Wölfen in der Lieberoser Heide gemacht, denn offenbar zieht sich das Rotwild (Hirsche, Kahlwild, Kälber) vor dem Wolf zunehmend in den Spreewald zurück und bildet dort Großrudel. "Das schilfreiche, von vielen Wasserläufen durchzogenen Gebiet mag der Wolf nicht, deshalb nutzt das Rotwild den Spreewald immer häufiger als Rückzugsgebiet." Warum das Phänomen nur bei Rotwild auftritt, erklärt Funda so: "Schwarz- und Rehwild sind viel standorttreuer als Rotwild." Rotwild dagegen habe viel größere Lebensräume, ähnlich wie die Wölfe. Aus Sicht der Förster ist das massierte Auftreten des Wildes im Spreewald nicht unproblematisch, denn Knospen und junge Triebe leiden unter den Pflanzenfressern, ganz zu schweigen von den Schäden an Rinde und Borke der Bäume.

Offenbar nehmen nicht alle Hirsche mit ihren Kühen und den Kälbern Reißaus vor dem Wolf. Buder beobachtet, dass es auch in der Lieberoser Heide zur Bildung von Rotwild-Großrudeln kommt: "Ich habe auf der ehemaligen Schießbahn dieser Tage 70 Stück auf einer baumlosen Fläche stehen sehen, das war schon ein imposanter Anblick", so der Revierförster. "Die Bildung von Großrudeln ist eine typische Verhaltensform, die auf einen hohen natürlichen Bejagungsdruck hindeutet."

Dennoch bleibt Buder angesichts des Wolfes gelassen, eine Gefahr für den Menschen gehe von den Tieren nicht aus: "Der Wolf ist scheu, das gesunde Tier meidet den Menschen." Gefährlich könne der Wolf allerdings für Hunde werden, aber unangeleint dürfe sowieso kein Hund im Wald laufen gelassen werden.



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