Donnerstag, 2. September 2010

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Manche mögen’s leiser

Eberswalde ArrayEs heißt, die Eberswalder lieben ihren Obus. Viele hängen aber nicht nur an der "Strippe" an sich. Mancher trauert auch jetzt schon den älteren Modellen hinterher, die seit 1993 in der Waldstadt unterwegs sind. Bis 2012 will die BBG zwölf neue Fahrzeuge vom polnischen Hersteller Solaris anschaffen. Eine Probefahrt.

Rammelvoll ist der Bus am Donnerstagnachmittag gegen 16 Uhr. An der Eisenbahnstraße wird es noch ein bisschen enger. So eng, dass niemand umfallen kann, der stehen muss. "Es sind mehr Stehplätze als im alten Bus", fällt der 13-jährigen Lisa nicht nur deshalb auf. Die Schülerin kennt die Strecke auch zu weniger befahrenen Zeiten. Ihre Freundin Kessy benutzt den Obus dagegen nur, wenn sie "zu Freunden will, von Westend nach Ghetto", wie die 14-Jährige das Brandenburgische Viertel nennt. Sie will aber schon bemerkt haben, dass der Salzburger Bus leiser ist als der Eberswalder. "Bis auf die Türen", die sich unter lautem Fiepen schließen.

Dass der Bus in Rot-Weiß statt im Weiß-Grün der Barnimer Busgesellschaft (BBG) an die Haltestellen rollt, fällt kaum noch jemandem auf. Der "Solaris Trollino 18" ist seit dem 6. Januar und noch bis zum 23. Januar als Testfahrzeug im Eberswalder Liniennetz unterwegs - ein Modell aus Salzburg. Die österreichische Obus-Stadt hat insgesamt 80 Obusse im Verkehr und rüstet ihre Flotte derzeit wie die BBG beim polnischen Hersteller Solaris auf.

Die Eberswalder Haltestellen hat der Salzburger offenbar noch nicht eingespeichert. Angesagt werden sie jedenfalls nicht. Das ist einer Frau aufgefallen, die am Kleinen Stern in Finow zusteigt. Aber nach Plan fahre der Bus bei Eis und Schnee derzeit ohnehin nicht. An anderes müsse man sich indes wohl gewöhnen. "Die Sitze sind anders aufgeteilt. Teilweise sind die Plätze so hoch. Aber es sitzt sich ganz gut."

"Die Sitze sind ganz schön hart", hält eine andere Frau dagegen, die zugehört hat. "Außerdem ist der Bus lauter als der alte." Yvonne Gebhardts Wahrnehmung ist eine andere. "Mir war der Alte zu laut", sagt die 23-Jährige. Im Kinderwagen die zwei Monate alte Annika-Marie hat die Neu-Eberswalderin in der hintersten Ecke Position bezogen. "Bisschen enge", befindet sie über das Innere des Busses. Beim Ein- und Ausstieg mit dem Kinderwagen habe sich aber nichts verändert - über den Schneehuckel und die Lücke bis zur Bordsteinkante braucht die junge Frau jedenfalls Hilfe, als sie bei Kaufland aussteigt.

Lauter oder leiser, innen schmaler oder breiter - die Meinungen der Fahrgäste gehen denkbar weit auseinander. BBG-Chef Frank Wruck bestätigt den Eindruck. "Es gibt schon einige Hinweise von Kunden. Manchmal auch widersprüchliche." Und objektiv sei einiges anders zu beurteilen. Die neuen Fahrzeuge seien breiter "als der alte Bus und auch breiter als die Fahrzeuge anderer Anbieter". Weil die Radkästen herausragen, entstehe der Eindruck engerer Gänge. "Kritisiert wird, dass das Gebläse relativ laut ist", sagt Wruck. Auch Sitzflächen, Beinfreiheit und Gesamtzahl der Sitze stünden häufiger in der Kritik. "Unsere Busse werden aber eine andere Innenausstattung haben als die Salzburger Ausführung." Beispielsweise hätten die BBG-Trollinos genauso viele Sitzplätze wie die aktuellen Mercedes-Busse. Für mehr Knieraum könnten sie auch anders angeordnet werden, ergänzt er. "Wir werden noch mal mit dem Hersteller reden."

Inge Badtke und Inge Rink könnte das ein wenig beruhigen. Die 73-jährigen Frauen kennen sich zwar nicht, kommen über die Fragen nach dem neuen Obus aber schnell ins Gespräch. "Ich habe nichts gegen den Neuen. Von außen ist er ganz schön. Aber hier passen ja gar nicht viele Leute rein", bemängelt Inge Badtke. Inge Rink behagt auch das Äußere nicht. Einig sind sich die Frauen aber mit anderen Fahrgästen in einem Punkt: "Der neue Obus ist für junge Leute gut, für alte schlecht." Sie meinen damit vor allem die Sitze über den Radkästen, die erst erklettert werden müssen.

Christine Tomschin hat es zudem mit dem Rollator schwer. "Die Busse halten so weit weg von der Bordsteinkante", sagt sie. Ob die Rampe ausgefahren wird, liege am Fahrer. Wie der auf Knopfdruck reagiert, testet die 67-Jährige in Stadtmitte mehrmals und bekommt prompt Ärger mit dem Busfahrer - aussteigen will sie erst in Ostende. Der Mann am Steuer will die Verspätung nicht noch ausdehnen. Der neue Bus fahre sich "sehr gut", erklärt er. Die Absenkung für Rollstuhlfahrer funktioniere in der Tat aber nur hin und wieder.

BBG-Chef Wruck zufolge werten die Busfahrer ihrer Erfahrungen in der nächsten Woche aus. Und auch Kunden können den Obus noch eine Woche testen. So wie am Donnerstag eine Frau um die 40. "Ich bin als Kind am liebsten im Hänger mitgefahren", erinnert sie sich bei der Fahrt auf der Linie 862. "Der schuckelte immer so schön." Doch auch wenn sich am neuen Modell manches noch verändern wird - die Zeiten der Obus-Hänger sind wohl endgültig vorbei.



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