ArraySerwest. Zu einem Erlebnistag hatten am Sonnabend die Betreiber des Schafgutes in Serwest eingeladen. Bei schönstem Wetter kamen viele Schaulustige. Hauptattraktion war die Schur.
Einmal Fell kurz: Scherer Jens Gerbert zeigt, wie schnell die Schafschur gehen kann. Nur drei Minuten braucht er, um die Wolle f³rs Spinnen zu gewinnen. Foto: Anja Sokolow
Jens Gerbert braucht für seine Kunden im Schnitt nur drei Minuten, schafft also um die 20 Frisuren pro Stunde. Von solchen Quoten kann so mancher Friseur nur träumen. Allerdings sind die Schnitte, die Gerbert seinen vierbeinigen Kunden verpasst, auch nicht so anspruchsvoll wie Dauerwelle oder Hochsteckfrisur und kosten in der Regel auch weniger.
Etwa 1,70 Euro zahlen Besitzer von Schafherden pro Tier. Einfach nur kurz muss das Fell nach dem Winter sein, wenn es für die Schafe heißt:
ab auf die Weide.
Am Sonnabend demonstrierte der aus der Nähe von Wriezen stammende Scherer, der sonst in ganz Deutschland und Europa unterwegs ist, sein Können auf dem Schafgut in Serwest. Die Inhaber Heike Preuße und Norman Utke aus Eberswalde hatten zu dem Aktionstag "Schneiden, Waschen, Färben" eingeladen, um Besuchern alles rund um die Schafwolle näher zu bringen.
Der Scherer musste nicht im Akkord arbeiten, sondern konnte ganz gemächlich vor den Augen der neugierigen Zuschauer ein Rauhwolliges Pommersches Landschaf nach dem anderen bearbeiten. Die Betreiber des Schafgutes besitzen derzeit nur 17 Tiere. Dafür hatte Gerbert drei Stunden Zeit. Frank Lusche, ein Mitstudent von Norman Utke, demonstrierte, wie die pro Schaf anfallenden etwa drei Kilogramm Wolle gereinigt werden. Die Mitinhaberin des Gutes, Heike Preuße, wies einige Gäste in die Kunst des Spinnens. Zu ihnen gehörte auch Judith Krügel, die extra aus Berlin angereist war: "Ich wollte das schon immer mal probieren", sagte sie.
Am benachbarten Stand von Sandra Hahmann erfuhren die Besucher, welche farbliche Vielfalt sich mit Rohstoffen aus der Natur erzielen lässt.
So hatte die Eberswalderin unter anderem Wolle im Angebot, die mit Indigo, Studentenblume oder Karmin gefärbt wurde. Letzterer ist ein Farbstoff, der aus der Cochenilleschildlaus gewonnen wird.
Bei schönstem Sonnenschein konnten die zahlreichen Besucher einen abwechslungsreichen Tag verbringen. Neben den Schafen waren auch frisch geschorene Alpakas zu bestaunen. Die Inhaber des neuen Alpakahofes aus Serwest waren mit ihren aus Südamerika stammenden Exoten zu Gast. Arnold Joswig aus Berlin, Großvater des Hobbyschäfers und seit Kindheitstagen mit der Schafzucht vertraut, zeigte sich beeindruckt von der guten Qualität der Wolle. "Früher haben wir alles aus Wolle gemacht, Socken und Pullover. Das ist eine schöne Sache", sagte er.
Norman Utke, der im sechsten Semster "Ökolandbau und Vermarktung" an der Fachhochschule Eberswalde studiert, hat die Tiere mit Heike Preuße im vergangenen Jahr vom Verein "Institut für Naturschutz und Nutztierökologie" übernommen, als dieser sich wegen finanzieller Schwierigkeiten auflöste. Die Beiden setzen die Schafe vor allem zur Pflege von Wiesen in der Region ein. Noch seien die Tiere vor allem ein teures Hobby, was sich aber voraussichtlich ändern wird, denn Utke beendet sein Studium demnächst und hat dann mehr Zeit dafür, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Meist kommentierte Artikel
29.08.2010 18:46 Nachrichten
Sarrazin legt nach
15.06.10 20:15 LR Fürstenwalde
Beim 4. Kind soll ein Tragetuch genügen
23.07.10 08:01 LR Frankfurt (Oder)
Polen kaufen gern in Frankfurt ein
05.07.10 19:27 Berlin/Brandenburg
Frankfurt verliert Polizeipräsidium
19.04.10 21:06 LR Uckermark
„Korfu“ in Schutt und Asche