ArrayHarald Haase ist gestern wieder zum See gelaufen. "An den Ort des Geschehens", wie er sagt. Symbolische Medaillen lässt sich der 57-jährige Eichhorster nicht anheften. "Das ist ja wohl jedes Menschen Pflicht", erklärt er. "Ich hoffe, der Frau geht es wieder gut." Dass er nass geworden ist bei minus 13 Grad und selbst in den Rettungswagen musste, "das ist nebensächlich", sagt auch Lutz Hamann bescheiden. Nach dem dramatischen Unfall auf dem dünnen Eis des Werbellinsees am Dienstag hat sich ihr couragierter Einsatz in dem kleinen Ort aber längst herumgesprochen.
Haase geht am Dienstag mit den Hunden spazieren. Er hat Urlaub, will Wild beobachten. Als er über den Campingplatz "Süßer Winkel" laufen will, hört er Rufe. "Das klang wie ,Hil..., Hil...'", gibt er später wieder. Er rennt zur Badewiese, sieht die Schlittschuhläuferin im Eisloch, wagt sich ein Stück aufs Eis, hat aber kein Handy dabei, keine Hilfsmittel. Sie soll aushalten, habe er der Frau zugerufen. "Dann bin ich zurückgerannt, habe beim Förster geklingelt." Während Lutz Hamann, anderthalb Kilometer von der Unfallstelle entfernt, die 112 wählt, läuft Haase wieder zum See. Will einen Kahn losmachen oder Surfbretter. Alles ist eingefroren. 12.32 Uhr geht der Notruf in der Rettungsleitstelle ein. Zwei Rettungswagen werden entsandt. Die Freiwilligen Feuerwehren Altenhof, Eichhorst, Joachimsthal rücken aus. Als die Eichhorster als erste eintreffen, haben Haase und Hamann die 55-jährige Berlinerin gerade aus dem Wasser gezogen. 12.58 Uhr: "Gerettet und an den Rettungsdienst übergeben", vermerkt das Protokoll in der Leitstelle. "Ich habe Seile und die Axt genommen und bin losgeflitzt", erzählt Förster Hamann. Harald Haase hat inzwischen einen Buddelkasten gefunden, den er der Frau übers Eis zukommen lässt. Hamann fällt zwei Bäumchen, die er der 55-Jährigen unter die Füße schiebt. "Entscheidend war aber die große Stange vom Geländer am Weg", sagt er. "Die Frau war erstaunlicherweise noch recht fit." Zwei bis drei Minuten in eiskaltem Wasser, dann ist der Körper so unterkühlt, dass man sich nicht mehr bewegen kann, sagen Experten. Die verunglückte Schlittschuhläuferin auf dem Werbellinsee hat eine reichliche halbe Stunde im Eiswasser ausgeharrt.
"Es grenzt an ein Wunder, dass sie lebt", sagt nicht nur Uwe Schleyer, der als stellvertretender Ortswehrführer aus Joachimsthal mit den anderen Feuerwehrleuten schließlich auch den Lebensrettern zu Hilfe kam. Noch am Montag war die Eisdecke offen, warnt Schleyer.
Die Frau scheint außer Lebensgefahr, ist im Eberswalder Forßmann-Krankenhaus zu erfahren. Auskünfte über den Vorfall mochte sie aber nicht geben.
Am Dienstagnachmittag, meldet die Leitstelle, sind schon wieder zwei Menschen im Werbellinsee eingebrochen. Die Männer im Alter von 69 Jahren hätten sich jedoch gegenseitig retten können.

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