Donnerstag, 2. September 2010

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Widerstand gegen Energiepark wächst

Weesow ArrayVon Kai-Uwe Krakau

Gegen den "Energiepark Weesow" formiert sich der Protest: Eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Sie hat viele Fragen - vor allem an die Stadtverordneten. Diese hatten im Dezember einstimmig den Weg für den Bau der Solarstromanlage freigemacht.

Ein Protest fängt meistens klein an, wird größer und nicht selten eine gewaltige Lawine. Die Menschen wehren sich, wenn sie betroffen sind, sie nicht gehört werden, ihnen etwas "verordnet" wird. Ziemlich oft erreichen sie auch etwas. Das erhoffen sich nun auch einige Werneuchener. Demokratie von unten eben.

Etwas mehr als 20 betroffene Bürger haben die Bürgerinitiative "Energiepark Weesow" gegründet - und die Unterstützer werden immer mehr. "Das Telefon klingelt fast ständig", sagt Karl Lehmann. Er gehört zu den Initiatoren der Bewegung, die das gigantische Projekt nicht so einfach hinnehmen wollen.

Inzwischen sind schon rund 1200 Informationsblätter gedruckt und an die Einwohner von Amselhain, der Altstadt und Stienitzaue, aber auch von Weesow, Willmersdorf und Löhme verteilt worden. Darüber hinaus startete eine Plakataktion. "Energiepark Weesow Nein Danke!" ist darauf zu lesen. Die Schriftzüge hängen an den Zäunen und Mauern vieler Grundstücke, die Eigentümer drücken damit aus, was sie von dem gigantischen Projekt halten. Auch eine Homepage wurde bereits freigeschaltet.

Die Männer und Frauen, die in der Bürgerinitiative mitarbeiten, verstehen sich dabei nicht als Gegner erneuerbarer Energien. Die Gewinnung von Strom durch die Solartechnik sei besonders umweltfreundlich, verbrauche keine Ressourcen und sei Kohlendioxid- und schadstofffrei, finden auch sie. "Unverständlich und nicht akzeptabel ist aber, dass hier eine riesige Industrieanlage entstehen soll, die unmittelbar an ein Naturschutzgebiet grenzt und zudem noch Ackerland entfremdet", heißt es in dem Informationsblatt. Darüber hinaus werde das Gebiet von vielen Menschen zu Fuß, per Rad oder hoch zu Ross zur Erholung genutzt. Ferner wisse niemand, welche Auswirkungen die Solaranlage auf die Pflanzen- und Tierwelt habe.

Die Bürgerinitiative fragt sich zudem: Was hat eigentlich Werneuchen von dem privatwirtschaftlichen Projekt? Werden dadurch Arbeitsplätze geschaffen? Was wird aus dem Tourismuskonzept, dass sich gerade als zartes Pflänzchen entwickelt? Fragen, die bisher noch niemand beantwortet hat. Weder die Procon GmbH, die das Projekt verwirklichen will, noch der Landwirt, der dafür sein Acker zur Verfügung stellt, noch die Stadtverordneten von Werneuchen.

Gute Lösungen für Solarkraftwerke, so schreibt die Bürgerinitiative, gebe es bereits in Brandenburg. So wird etwa auf Lieberose verwiesen, wo auf rund 165 Hektar eine Anlage auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz steht. Auf einem früheren Militärflugplatz in Brandenburg-Briest solle auf 400 Hektar eine weitere Anlage gebaut werden. "Besser kann man ehemals militärisch genutzte Liegenschaften wohl kaum nutzen", meinen die Initiatoren.

Erst im November hatte die Procon GmbH aus den südbrandenburgischen Cottbus das Vorhaben im Rathaus von Werneuchen vorgestellt. Der Aufstellungsbeschluss, damit werden die rechtsverbindlichen und planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Errichtung der Freiflächen-Photovoltaikanlage geschaffen, sollte noch im ablaufenden Jahr gefasst werden. Das Unternehmen befürchtete, das das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert wird und die Förderung weiter sinkt. Inzwischen ist bekannt, dass es für die Solarbranche wohl noch schlimmer kommt. Nach Plänen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) soll die Förderung von Solaranlagen auf Ackerflächen ab 1. Juli zusätzlich um 25 Prozent gekürzt werden. Die Subventionen, die jeder Steuerzahler aufbringen muss, müssten angesichts der guten Entwicklung der Branche zurückgeschraubt werden, heißt es. Eine "Überförderung" dürfe es nicht geben.

In der letzten Sitzung im alten Jahr stimmte die Stadtverordnetenversammlung dem Vorhaben in Weesow schließlich zu. Es sei eine "sinnhafte Maßnahme", hieß es. Kritische Stimmen waren selten. Lediglich Heidemarie Stettnisch aus Weesow bekannte, dass sie das Projekt "mit Bauchschmerzen" befürworte. Es sei immer schade, wenn Ackerfläche verloren geht, so die Sozialdemokratin.

Dies findet übrigens auch der Landesbauernverband Brandenburg. Präsident Udo Folgart zeigte sich erst vor wenigen Tagen verärgert über eine Studie des Landwirtschaftsministeriums. Danach sollen auch minderwertige Ackerflächen für Solaranlagen geeignet sein. Im Bereich Uckermark-Barnim würden darunter etwa 34 000 Hektar fallen, hieß es. Die Auftraggeber ruderten sogleich zurück. Es sei nicht geplant, Ackerflächen "in Größenordnungen" aufzugeben, hieß es.

Inzwischen wurde auch für Seefeld-Löhme eine Solaranlage beantragt. Der Ortsbeirat befürwortete im Januar das Vorhaben. Dort soll eine rund fünf Hektar große Fläche an der Straße nach Börnicke genutzt werden. Der Ertrag sei zu gering, so Eigentümer und Landwirt Ulrich Peters. Weitere Vorhaben gibt es in Krummensee und Hirschfelde. Die Arbeiten sind unterschiedlich weit fortgeschritten.

Die Bürgerinitiative "Energiepark Weesow" plant unterdessen erste Aktionen. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag (11. Februar, Beginn 19 Uhr, Adlersaal) sollen die gewählten Vertreter zum Projekt befragt werden. "Nehmen Sie teil und helfen Sie mit, unser gemeinsames Anliegen zu vertreten", wirbt Karl Lehmann um Unterstützung.

Die Homepage der Initiative hat die Adresse: www.bi-energiepark-weesow.de Ansprechpartner: Karl Lehmann, Tel. 033398 76864



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