Donnerstag, 2. September 2010

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Gegen Verharmlosung und Vergessen

Eberswalde ArrayZu einer Diskussionsrunde über Inhaftierung und DDR-Unrecht in der Wendezeit 1989 hatte das Museum am Freitagabend im Rahmen der Sonderausstellung "Demokratischer Wandel - ein Labyrinth der Erinnerungen" eingeladen. Mehr als 20 Gäste waren erschienen, um gemeinsam mit Pfarrer Martin Appel und Gilbert Furian von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.

Eingangs las Appel Auszüge aus den "Gedächtnisprotokollen". Diese wurden von der Evangelischen Jugendarbeit Berlin erstellt und widerspiegeln das brutale Vorgehen der DDR-Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten um den 7./8. Oktober 1989. "Ich halte es für äußerst wichtig, dass die Betroffenen darüber erzählen, was ihnen widerfahren ist. Wie sollen die jungen Leute von heute sonst wissen, was geschehen ist", hob Appel hervor. Unter den Anwesenden fand das rege Zustimmung. Einige berichteten spontan über eigene Erfahrungen und äußerten die Befürchtung vor Verharmlosung und Vergessen.

Im Anschluss berichtete Furian über seine Erfahrungen mit der Willkürjustiz in der ehemaligen DDR. Er wurde in den 80er Jahren aus politischen Gründen verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Hohenschönhausen verbracht. Später wurde er zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Furian stellte deutlich heraus, dass die DDR entgegen heutigen Verklärungen kein Rechtsstaat war. Er mahnte aber auch zur Differenzierung im Umgang mit den Tätern. Zwar hätten sich nicht alle von ihrem damaligen Verhalten distanziert, einige zeigten jedoch ehrliche Reue. In seinem Buch "Mehl aus Mielkes Mühlen" wird dies in aufschlussreichen Einzelheiten aufgezeigt.

Zum Abschluss stellte Ramona Schönfelder, Museumsleiterin und Kuratorin der Ausstellung, eine Liste von 63 Eberswaldern vor, die wegen Aufwiegelung und Gefährdung der DDR in Isolationslager der Staatssicherheit verbracht werden sollten. Unter ihnen so bekannte Namen wie die von Walter Baaske und Martin Appel und Michael Heims. Da die Namen auf der Liste aus Datenschutzgründen überwiegend geschwärzt sind, wird zur Veröffentlichung die Zustimmung der Betroffenen benötigt. Insgesamt befanden sich ca. 86 000 Namen auf dieser Liste. Erstaunlicherweise wurden der Auflistung der vermeintlichen Störer noch weit nach dem Mauerfall Namen hinzugefügt, was belegt, das Teile des Stasi-Apparates sich noch lange nicht mit der Endgültigkeit der Ereignisse abgefunden hatten.



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