ArrayVon Anke Bei ß er
Freud und Leid liegen oft ganz dicht beieinander. So könnte auch die Stimmung am Rande der Einweihung des neuen Logistikzentrums von Lidl im Güterverkehrszentrum (gvz) Freienbrink beschrieben werden. Denn während die Eröffnung mit anerkennenden Worten für den hohen technischen und klimafreundlichen Standard der Großinvestition und damit geschaffener 150 Arbeitsplätze über die Bühne ging, wurde sich zugleich über die offenbare Absage von Weber Motor an Grünheide ausgetauscht. Nach MOZ-Informationen soll es bei der Finanzierung geklemmt haben.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers bestätigte der MOZ, dass sich der baden-württembergische Motorenhersteller im Barnim ansiedeln wird. Am Dienstagabend seien Verträge unterschrieben worden. "Über die Details kann ich nichts sagen, ich kenne die Unterlagen noch nicht." Weber-Geschäftsführer Georg von Falck sagte, es sei richtig, dass sich das Unternehmen andere Standorte anschaue, er derzeit in Bernau sei. "Unterschrieben haben wir aber nichts." Grünheide sei noch nicht komplett ad acta gelegt, die Chancen der Ansiedlung im gvz aber gesunken. Zu den Gründen sagte er nichts.
Das Lidl-Logistikzentrum ist da hingegen eine Erfolgsgeschichte für das gvz und die Region. "Das Grundstück wurde schon vor Jahren erworben", erinnerte Grünheides Bürgermeister Arne Christiani an die langwierige Umsetzung des Projekts. "Danke für die Arbeitsplätze. Die graue Maus gvz entwickelt sich hoffentlich weiter."
Der Geschäftsführer der Lidl Vertriebs-GmbH & Co KG, Stefan Rohr, hatte Mühe, all die interessanten Details rund um das 29-Millionen-Euro-Vorhaben in seiner Rede unterzubringen. Denn das Projekt strotzt nur so vor modernsten Technologie-Lösungen; einem klimafreundlichen Gesamtpaket vom Baukörper über die riesige Photovoltaikanlage auf dem Dach - sie besteht aus 4000 Modulen und kann den Verbrauch von 290 Haushalten sichern - sowie der Nutzung der Abwärme der Kühlaggregate für die Heizung in Lager und Verwaltung bis hin zum Einsatz von Elektro-Staplern und Erdgas-Lastern. "Es ist eines der modernsten Lager unserer Kette", verkündete Rohr stolz. Nun müsse nur noch der Linien-Bus vor der Tür halten, damit die Mitarbeiter nicht mit dem Auto kommen müssen. Dafür allerdings bedürfe es einer Linienänderung, einem Umweg von vielleicht zwei Minuten. "Wir sind da dran", versprach Bürgermeister Christiani. Beim nicht mal einen Kilometer Luftlinie entfernten Nachbarn Edeka hält der Bus schon.
Von dem Vorhaben sollen zudem positive Impulse für die Region ausgehen. Rohr führte dabei die 150 Mitarbeiter an, die ab 1. März dort tätig sein werden - 127 im Lager, 23 in der Verwaltung. Noch laufen diverse Trainingsmaßnahmen, sodass sich die Betriebsamkeit in der Halle in Grenzen hält. Nur hin und wieder rollt ein Gabelstapler lautlos durch die Regalreihen, platziert die Ware in luftiger Höhe. Erste Paletten mit Getränken stehen in der riesigen Halle. Allein 100 Beschäftigte, so Rohr, kommen aus der Arbeitslosigkeit. Für sie zeichne sich nun wieder eine berufliche Perspektive, ein Dauerarbeitsplatz ab. Im Herbst starten die ersten Lehrlinge eine Ausbildung zur Bürofachkraft. Im Jahr drauf sollen Logistiker und Lagerfacharbeiter hinzukommen. "Wir freuen uns schon auf die Bewerbungen."
Darüberhinaus gibt es enge Kontakte zu regionalen Firmen, für die die Neuansiedlung spürbar wird. Rohr spricht von einem Autohaus in Erkner, das die Fahrzeuge wartet, einem Caterer in Freienbrink, Hotels und einem Entsorger, die als Dienstleister für die Firma tätig sein werden.

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