Donnerstag, 2. September 2010

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Linker wünscht sich Tram

Arrayund Dietrich Schröder

Rund 100 Bürger kamen am Mittwoch Abend 19 Uhr in den Saal 3 des Audimax der Europa-Universität Viadrina, um über eine mögliche Straßenbahn zwischen Frankfurt und Slubice zu diskutieren.

Die Initiative Pro Tram hat die Oberbürgermeisterkandidaten Katja Wolle, Stefan Ludwig und Martin Wilke zu der Podiumsdiskussion eingeladen. Katja Wolle weiß was sie will. "Klein anfangen, Bus fahren lassen, Insassen zählen und dann weitersehen", ist ihre Losung zum Thema. Sie meidet das Wort Straßenbahn und spricht stattdessen von öffentlichem Nahverkehr. Sie fühle sich dem Bürgervotum aus dem Jahr 2004 verpflichtet. Damals lehnte eine klare Mehrheit der Bürger eine gemeinsame Straßenbahn ab.

Sechs Jahre seien seitdem vergangen und die Beteiligung sei sehr niedrig gewesen, halten die Befürworter des Projekts dagegen. "Wenn ein Bus fährt, dann werden wir keine Kraft mehr haben noch eine Straßenbahn zu bauen. Wer für die Zwischenlösung ist, der ist auch für eine Endlösung", glaubt Gast Hermann Rihbegge.

Stefan Ludwig outet sich als Straßenbahnfan. "Das ist ein anderes Signal, als wenn nur ein Bus über die Brücke fährt", sagt er. Die Europäische Union würde den Bau der Straßenbahn mit 75 Prozent fördern. Doch sei Eile geboten. "Wir brauchen bis 2012 eine Entscheidung, dann werden die letzten Mittel gebunden", sagt er. Er wünsche sich die gemeinsame Straßenbahn.

Dass die rot-rote Landesregierung die Tram zwischen Frankfurt und Slubice finanziell unterstützen würde, hatte ebenfalls am Mittwoch Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Linke) vor dem Europaausschuss des Landtags bekräftigt. Er erneuerte damit eine Zusage, die er während eines Treffens mit polnischen Regionalpolitikern getroffen hatte. Voraussetzung sei, dass sich zuvor beide Grenzstädte prinzipiell geeinigt hätten. Christoffers führte zwei politische Argumente zur Begründung an. Zum einen habe die Bahn nicht nur eine hohe Symbolkraft, sie könne auch eine Art Initialzündung für mehr grenzüberschreitende Projekte sein, die Brandenburg in der "Oder-Partnerschaft" anstrebt. Zum zweiten gebe es in Polen bis heute Irritationen wegen der Ablehnung der Bahn durch die Frankfurter 2004. Das Projekt sei auch eine Art Prüfstein für die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Christoffers deutete zudem an, dass man mit Polen ein EU-Programm für grenzüberschreitende Kooperation von 2014 bis 2020 erreichen könnte.

OB-Kandidat Martin Wilke legt sich im Audimax dennoch nicht fest. "Zu oft steht hier Bauchgefühl gegen Bauchgefühl", sagt er. Zunächst müssten Punkte wie die Finanzierung oder die Streckenführung geklärt werden. "Dann wird klar, welchen Beitrag die Straßenbahn für einen besseren Nahverkehr leisten kann."



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