ArrayPrenzlau Verlierer der Landratswahl in der Uckermark sind die Parteien. Denn der Wähler hat sich klar für zwei parteilose Bewerber entschieden. Jetzt überlegen CDU und SPD, ob sie eine Empfehlung für die Stichwahl am 14. März geben. Mit Interesse schaut man in Potsdam auf den Ausgang der Wahl.
Der riesige Landkreis scheint bis heute nicht zusammengewachsen zu sein. Denn die Landratswahl am Sonntag war eine reine Regionenwahl. Ex-Landrat Klemens Schmitz (parteilos) setzte sich in der Kreisstadt klar in Führung. Roland Resch (parteilos) behauptete sich in seiner Heimat Templin und Lychen, Karina Dörk (CDU) sammelte auf dem Lande Punkte und Frank Bretsch (SPD) lag in Angermünde und Schwedt vorn. Alle vier hatten erwartungsgemäß dort ihre Wähler, wo sie am bekanntesten sind und am häufigsten in Erscheinung treten.
Für Frank Bretsch war es ein schwarzer Tag. Denn die Stimmen in der Ostuckermark reichten nicht aus, die durch die Bürgermeisterwahl in Templin, Lychen und Boitzenburger Land weitaus höhere Wahlbeteiligung zu überbieten. Während in Angermünde und seinen Ortsteilen 34,7 Prozent aller Wähler an die Urnen traten, nutzten in der Oderstadt Schwedt gerade 21,3 Prozent das Recht zur Direktwahl. Doch gerade hier in der SPD-Hochburg lag das mögliche Potenzial für Frank Bretsch. Bleibt die Frage, ob die Sozialdemokraten ihn ausreichend unterstützt haben. Zwar betrieb der Unterbezirksvorsitzende der Partei kreisweit einen aktiven Plakatwahlkampf, doch erreichte er ausgerechnet in einigen Teilen der Kreishauptstadt ein geradezu vernichtendes Ergebnis.
Dort holte entgegen vieler vorheriger Vermutungen Ex-Landrat und früherer Stadtkämmerer Klemens Schmitz die meisten Punkte. Selbst Karina Dörk konnte ihm nicht viel anhaben. Im ländlichen Raum entschieden sich die Wähler stark verschieden.
Roland Resch sicherte sich zwar durchweg ein akzeptables Ergebnis, doch kam ihm die hohe Wahlbeteiligung in Templin und Lychen zugute. Damit bleibt die Landratswahl in der Uckermark mit zwei fast gleich liegenden Bewerbern höchst spannend.
"Es wird jetzt eine Richtungsentscheidung geben", sagt Torsten Krause, Kreisvorsitzender der Linken. Seine Partei unterstützt Roland Resch. "Entweder der Wähler will einen neuen Mann, der sogar Ministererfahrung besitzt, oder er will, dass alles so bleibt wie in den Vorjahren." Bei der Linken laufen gerade die Beratungen, wie man den Wunschkandidaten Resch nun stärken will.
Trauerstimmung dagegen bei der SPD. "Wir sind immer noch alle sehr überrascht", sagt Uwe Neumann, stellvertretender Fraktionschef im Kreistag. Am Mittwoch entscheidet die Fraktion, ob sie einen der beiden parteilosen Kandidaten unterstützen wird.
Keine Empfehlung gibt die CDU ab. "Für uns war es richtig, dass wir Karina Dörk aufgestellt haben", so der Kreisvorsitzende Jens Koeppen. "Das Angebot wurde leider nicht angenommen." Den Ex-Landrat werde man jetzt nicht unterstützen. Ebenso wenig Roland Resch.
Von der Haltung zum weiteren Ausbau der Windenergie will die Wählerinitiative Rettet die Uckermark eine mögliche Wahlempfehlung abhängig machen. Resch und Schmitz sollen sich auf einer öffentlichen Veranstaltung dazu positionieren, informiert Fraktionschef Hans-Joachim Mengel.
Parteiübergreifend wird die relativ hohe Wahlbeteiligung von 37,6 Prozent in der Uckermark als Interesse an einer direkten Landratswahl gewertet. Anders als in weiteren Landkreisen Brandenburgs könnte die notwendige Stichwahl nun eine Entscheidung herbeiführen. In Potsdam betrachtet man den Ausgang des Verfahrens genau. Denn es geht darum, ob im Land die Direktwahl der Landräte aufrecht erhalten bleibt. Dass ausgerechnet zwei parteilose Bewerber in die Stichwahl kommen, versteht Robert Schindler vom Kreisvorstand Bündnis 90/Grüne als "Umbruch" und "neues Verständnis von Demokratie". Die Befürworter der indirekten Wahl seien abgestraft worden.

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