Biesenthal ArrayGegen die beschlossenen Bebauungspläne für eine Entwicklung an den Ortsaus- und -eingängen an der B 2 formiert sich der Widerstand. Stein des Anstoßes sind dabei vor allem zu den jeweiligen Gebieten gehörende Veränderungssperren. Eigentümer sehen sich eingeschränkt.
Wie nach einem Tsunami oder einer Explosion sieht es schräg gegenüber der Telekomstraßeneinmündung an der B 2 aus. Die Brache gehört zu einer der vier Flächen, die die Stadt mit Hilfe von Bebauungsplänen in einen besseren Zustand bringen will. Das Ansinnen der Stadtverordneten ist allein auf Grund des optischen Eindrucks nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar hingegen erscheint die Art und Weise, wie die Beteiligten in diesen Angelegenheit miteinander kommunizieren: Offenbar wenig oder gar nicht.
"Mich ärgert, wie hier mit Privatgrundstücken verfahren wird. Mit mir hat vorher niemand gesprochen", sagt Unternehmer Wolfgang Franke, dessen mittelständische Bäckerei so liegt, dass sie von den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung mit betroffen ist. "Ich möchte einfach nicht diese Veränderungssperre haben", sagte er. "Was ist, wenn ich einen großen Auftrag bekomme und erweitern muss?"
Mirko John kümmert sich als Projektentwickler seit 2005 um den Standort der alten Wäscherei, die ebenfalls zu den vier Flächen gehört, für die die Stadt einen Bebauungsplan beschlossen hat. Von 2006 bis 2009 habe man verschiedenste Entwicklungs- und Investitionsmöglichkeiten erörtert, welche jedoch auf Grund mangelnder Investoren, Mieter und Betreiber immer wieder verworfen worden seien, so John. Mitte 2009 zeichnete sich eine Wende ab, denn es sei gelungen, Interessenten zu finden. "Bei diesen handelte es sich in erster Linie um renommierte, deutschlandweit tätige Einzelhandelsunternehmen", erklärte der Projektentwickler. Angesichts der Besonderheiten des Standortes, dort gab es ein Klärwerk, sei eine Wohnnutzung, wie inzwischen im Rahmen der Erarbeitung des Bebauungsplans konzipiert, nicht möglich. Das zumindest hätten seine Recherchen ergeben. Die Bebauung mit einem Markt sei jedoch machbar. Zugleich könne John zufolge damit verhindert werden, dass der Netto-Markt in der Bahnhofsstraße schließe. Das Vorhaben sei schon soweit vorangetrieben worden, dass er im Dezember 2009 einen Bauantrag stellen wollte, nun aber alles auf Grund des Beschlusses zur Veränderungssperre rückabwi- ckeln musste, informierte John. Es gehe um rund 400 000 Euro Schaden. "Wir klagen jetzt", kündigte er an. Das mit den B-Plänen sei sittenwidrig, so John gegenüber der Märkischen Oderzeitung. "Doch wir können das noch heilen", hat er noch eine Spur von Zuversicht.
Wie das geschehen soll, steht derzeit in den Sternen. Vor dem Hintergrund, dass sich die beiden vorhandenen Märkte in der Biesenthaler Altstadt möglicherweise verabschieden, wolle man verhindern, dass dort eine Einkaufswüste entsteht, am anderen Ende der Stadt aber drei oder vier Supermärkte dicht beieinander liegen, war Bürgermeister André Stahl zu verstehen. Sicher wolle sich der Handel erweitern. Doch genehmige man weitere Märkte an der B 2, komme niemand in die Altstadt. Zudem sei mitgeteilt worden, dass am Standort Wäscherei ein Supermarkt nicht mehrheitsfähig sei, so Stahl.
Netto indes will erst einmal in Biesenthal bleiben, ist aber an einen besseren Standort interessiert. Das teilte Christina Stylianou, Pressesprecherin von Netto-Marken-Discount mit. Mittelfristig sei man an einer größeren Verkaufsfläche und mehr Parkplätzen interessiert, sagte sie.
Der Stadtverordnete und FDP-Mitglied Bernd Schramm glaubt, dass man nicht verhindern kann, wenn Märkte aus der Innenstadt wegwollen. Unternehmer Wolfgang Franke sieht es so, dass die Standorte an der B 2 für die Märkte nun mal die attraktivsten seien.

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