Donnerstag, 2. September 2010



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Erinnerung nicht nur an die Piloten

Harnekop ArrayIm Juni 1948 schloss die Sowjetunion sämtliche Zufahrtswege nach Westberlin. Das erste Kräftemessen des Kalten Krieges - elf Monate lang konnte die Stadt nur aus der Luft mit Nahrungsmitteln und anderen dringend benötigten Gütern versorgt werden. Doch die Erinnerung an die damalige Luftbrücke beginnt zu verblassen, viele Zeitzeugen sind weit jenseits der 80, andere leben schon nicht mehr. Die logistische Meisterleistung einer-, die Lebenssituation der eingeschlossenen Menschen andererseits sowie die Einordnung in den politisch-historischen Rahmen zeigt jetzt die neue Ausstellung, die im Rahmen des Cold War Museums im Bunker Harnekop am Sonnabend, 24. Mai, eröffnet wurde. Im Beisein etlicher britischer Zeitzeugen, die damals dabei waren, sowie von Gästen aus Polen erweitert sie zum 60-jährigen Jubiläum dieses wichtigen Kapitels unmittelbarer deutscher und europäischer Nachkriegsgeschichte den bisherigen Museumsbestand in dem Prötzeler Ortsteil.

  Festakt im Bunker Harnekop: Bõrbel Simon, unterst³tzt von Helmut Kirchner (v. r.), er÷ffnete im Beisein britischer Luftbr³cke-Veteranen und polnischer Gõste die Ausstellung. ©

"Viele Menschen glauben und glaubten, dass die Luftbrücken-Beteiligten alles Piloten waren", sagte Bärbel Simon. Ein Irrtum, wie die Leiterin der Berliner Sektion des Cold War Museum ausführte. Am Boden waren unzählige Techniker, Ingenieure und andere mit ihren Einsätzen ebenfalls Garant dafür, dass die Waren nach Westberlin geflogen werden konnten. "Von keinem steht der Name in den Geschichtsbüchern, doch sie alle haben an diesem Geschichtsabschnitt mitgeschrieben." Sieben Tage die Woche und 24 Stunden täglich lief der Einsatz, damit die Flugzeuge starten und landen konnten. 78 Menschen bezahlten ihn mit dem Leben.

"Ich bin froh, dass wir heute eine Ausstellung zur Luftbrücke hier in einem so wichtigen Objekt des damaligen Warschauer Paktes eröffnen", spielte Barnim-Oderbruchs Amtsdirektor Frank Ehling auf die Vergangenheit des Bunkers an. Beide Seiten des Kalten Krieges kämen auf diese Weise zusammen. An die Veteranen der British Berlin Airlift Association (BBAA) gewandt, betonte Ehling: "Sie sind Helden, und ohne Ihre Hilfe damals könnten wir heute nicht in einem friedlichen Europa mit immer weniger Grenzen leben."

Wie um diesen Satz zu unterstreichen, waren aus Cedynia und Mieskowice Vertreter aus dem Bildungs-, Tourismus- und Medienbereich angereist. Vorwiegend jüngere Leute, die später in der Ausstellung auch ungezwungen mit den Zeitzeugen ins Gespräch kamen. Zum Beispiel mit William Ball, damals Flugzeugmechaniker, der in Harnekop mit seiner Lebensgeschichte und etlichen zu Herzen gehenden Gedichten vertreten ist. Im weiteren Tagesverlauf waren die Gäste der BBAA noch zu einer Rundtour durch das Oderbruch mit Stationen in Altreetz, Neutrebbin, Neulietzegöricke und Reichenow einschließlich einer Überfahrt mit der Fähre nach Polen eingeladen.

Bärbel Simon, die die Veranstaltung zusammen mit Helmut Kirchner leitete, konnte als Gast auch den letzten DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann begrüßen und dankte für die vielfältige Unterstützung, durch die der Aufenthalt der Veteranen erst möglich gemacht wurde.



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