Donnerstag, 2. September 2010



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Lizenz entzogen, so das Urteil

Bad Freienwalde ArrayDiesen Prozess haben die selbsternannten "Feldbefreier" gewonnen: Eine inszenierte Gerichtsverhandlung auf dem Markplatz, bei der nicht Gentechnikgegner auf der Anklagebank saßen, sondern ein führendes Unternehmen, das sich auf genverändertes Saatgut spezialisiert hat. Knapp eine Stunde später wird es am Freitag für die Umweltschützer jedoch Ernst. Im Amtsgericht stehen weitere Verhandlungen gegen zwei von ihnen an. Anna Bundschuh ist im wirklichen Leben eine der Angeklagten, die sich vor dem echten Strafrichter verantworten muss. Die 25-jährige Marburgerin soll vergangenes Jahr auf einem Genmaisfeld Pflanzen herausgerissen und vernichtet haben. Ihr wird Sachbeschädigung vorgeworfen. Vor der echten Verhandlung breiten die Aktivisten der Initiative "Gendreck weg!" auf dem Markt ein großes Transparent aus. Keine Macht den Gentechnik-Konzernen, ist dort zu lesen. Der Gerichtssaal: unter dem Blätterdach einer alten Linde. "Mit der Aktion wollen wir auf die laufenden Verfahren aufmerksam machen", erklärt Gisela Ziehm, Vorsitzende des NABU-Regionalvereins. "Sonst verschwindet das Thema komplett in der Öffentlichkeit."

  Mit dem Strafgesetzbuch zum Prozess: Gentechnikgegner sorgten mit ihrer inszenierten Gerichtsverhandlung auf dem Marktplatz f³r Aufsehen. Foto: MOZ/Mandy Timm ©

Anna Bundschuh spielt in der inszenierten Verhandlung die Staatsanwältin. Die Angeklagte sei nicht erschienen. "Sie leugnet die ihr vorgeworfenen Taten", sagt sie. Die Staatsanwältin verliest die Anklage: Körperverletzung stehe an erster Stelle. "Genveränderte Lebensmittel können Allergien auslösen, sogar die Blutwerte verändern", begründet die Studenten. Dann folgt eine Liste anderer Vergehen, die Gentechnikgegner beklagen. Sie werfen dem Unternehmen die Zerstörung der biologischen Vielfalt sowie Betrug und Vertuschung vor. "Wir wollten den Spieß mal umdrehen", erklärt Bundschuh. "Auch um das Verhältnis zu zeigen. Wir haben ein paar Maiskolben zerstört. Genveränderte Produkte bergen jedoch ungeheure Gefahren für Menschen." Am Ende wird in dem gespielten Prozess das Unternehmen erwartungsgemäß verklagt. Acht Jahre Haft und die Entziehung der Lizenz - lautet das inszenierte Urteil.



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