Eisenhüttenstadt ArrayEinen Ausflug in die Welt der Fantasie haben die Zuschauer am Sonntagabend auf der Eisenhüttenstädter Freilichtbühne gemacht. "Der Herr der Ringe" stand auf dem Programm - aber nicht etwa als Freiluftkino, sondern als Konzert.
Es war einmal ... Wolfgang B÷diger (l.) - alias Gandalf - erzõhlte auf der Freilichtb³hne Eisenh³ttenstadt die Geschichte "Der Herr der Ringe" in Kurzform. Foto: GMD/Gerrit Freitag
"Wer das versäumt, der ist selbst Schuld", sagt Heidrun Peschel aus Rießen während der Konzertpause auf der Freilichtbühne und gerät sofort ins Schwärmen. "Das ist doch einmalig. Bei dieser Musik kann man so wunderbar entspannen." Doch dann reißt ein schepperndes Geräusch sie aus den Träumen. Der Schuldige? Ein Mülleimerdeckel, der im stillen Örtchen auf dem nackten Boden gelandet ist. "Entschuldigung, das tut mir leid. Das wollt´ ich nicht", sagt ein Herr beim Verlassen der Toilette. "Ach was! Deshalb doch nicht." Heidrun Peschel winkt ab und stellt wieder Ordnung auf der Männertoilette her. An diesem Abend kann die Reinigungsfrau scheinbar gar nichts aus der Ruhe bringen. "Der Herr der Ringe" oder vielmehr die Musik, die von der Bühne zu ihrem Arbeitsplatz schallt, lässt sie den Stress vergessen. "Als bei mir vorhin nicht so viel los war, bin ich ja mal ein Stückchen näher ran", verrät sie. "Ich wär´ ja schließlich auch gekommen, wenn ich heute keinen Dienst gehabt hätte. Aber so ist das auch okay."
Dann macht es wieder "Gong" - diesmal aber offiziell. Die Pause ist beendet. Während Heidrun Peschel allein bei den Toiletten zurückbleibt, nehmen die Musiker vom Tolkien Ensemble, von der Philharmonie des Ringes und vom Chor des Auenlandes wieder ihre Plätze auf der Bühne ein. Und auch der Zuschauerbereich mit den grünen Sitzschalen füllt sich schnell. Mittendrin sitzt Ben Winfert. "Mir gefällt´s super", sagt der 21-Jährige, der mit seinen Eltern extra aus Berlin nach Eisenhüttenstadt gekommen ist - nur für den "Herrn der Ringe" und die darin beschriebene Reise Frodos und seiner Gefährten. "Ich hab´ das Buch schon mehrmals gelesen", erzählt er. "Das ist so unheimlich tiefgehend, da steckt so viel Spirituelles drin, da geht´s um Macht und Freundschaft - ein echtes Meisterstück." Außerdem sei er vor kurzem erst an den Originalschauplätzen in Neuseeland gewesen, wo der Hollywoodfilm zur Tolkien-Sage gedreht wurde. "Das hier ist ein wunderbarer Ausklang", sagt Ben. "Die machen das mit der Musik richtig gut." Dass das Tageslicht der Projektion von Bildern aus Mittelerde auf den zwei Leinwänden im ersten Teil des Konzertes einen Strich durch die Rechnung macht, stört ihn gar nicht. "Das ist doch nur nebensächlich." Sabine Unger aus Eisenhüttenstadt sieht das genauso. Auch sie ist erst kürzlich aus Neuseeland zurückgekehrt. "Die Musik bringt einige Erinnerungen zurück", sagt sie mit strahlenden Augen. "Schöne Erinnerungen." An den Film und das Land. Nicht umsonst hat der Schauspieler Christopher Lee zu Beginn des Konzertes in einer Einspielung vom Band aufgerufen: "Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sich in die Welt der Fantasie entführen."
Damit diese Reise funktioniert wurden 50 Scheinwerfer und 18 Lautsprecher aufgebaut, weiß Carl Dussel, Technischer Leiter der "Ringe"-Tour. "Ein Konzert unter freiem Himmel zu geben, ist immer etwas Besonderes", sagt er. Viel Zeit, um alles vorzubereiten, blieb jedoch nicht. "Wir sind heute Nacht 800 Kilometer gefahren und erst gegen 13 Uhr hier angekommen", sagt er. Mit drei Bussen für die Musiker und die Techniker seien sie unterwegs gewesen. Ein 40-Tonner für Lautsprecher, Mikros und andere Bühnenutensilien düste ebenfalls von Süddeutschland, wo das letzte Konzert stattfand, gen Oder. Auch das Gewand vom weißhaarigen Gandalf, der die Zuschauer als Erzähler durch das Hörkino begleitet, steckte in einem der Koffer. An diesem Abend musste der Berliner Schauspieler Wolfgang Bödiger darunter schwitzen. 22 Mal hat er die Geschichte "Der Herr der Ringe" schon zum Besten gegeben. "Als das Angebot kam, dachte ich: ,So eine komplexe Story kann man nicht in so kurzer Zeit erzählen'", gibt er zu. "Aber es funktioniert" - mit Hilfe der wunderbar vertonten Tolkien-Gedichte, mit Originalfilm-Musik, Tanzeinlagen und Fantasie. Am Ende wollen die Zuschauer Gandalf und die Musiker gar nicht mehr gehen lassen - so dass Bödiger scherzhaft in die Nacht ruft: "Freunde von Mittelerde, schwingt euch auf die Pferde." (Siehe auch S. 8)

Meist kommentierte Artikel
29.08.2010 18:46 Nachrichten
Sarrazin legt nach
15.06.10 20:15 LR Fürstenwalde
Beim 4. Kind soll ein Tragetuch genügen
23.07.10 08:01 LR Frankfurt (Oder)
Polen kaufen gern in Frankfurt ein
05.07.10 19:27 Berlin/Brandenburg
Frankfurt verliert Polizeipräsidium
19.04.10 21:06 LR Uckermark
„Korfu“ in Schutt und Asche